Amazon.de wächst langsamer, steigert Umsatz um 13 Prozent

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Wie jedes Jahr gibt’s auch heuer wieder neue Umsatzzahlen von Amazon, die im Zuge der Veröffentlichung des Formular 10-K der US-Börsenaufsicht bekannt werden. Darin wird nicht nur das heimische Geschäft aufgeschlüsselt, sondern auch die wichtigsten ausländischen Ableger des Versandriesen getrennt angeführt. Damit sind auch die Zahlen für Deutschland einsehbar.

Amazon.de konnte im Jahr 2014 den Umsatz weiter steigern. Dieser betrug insgesamt 11,92 Mrd. US-Dollar, was einer Steigerung von rund 13 Prozent gegenüber dem Jahr 2013 entspricht (10,54 Mrd. US-Dollar; +21 Prozent). Damit konnte der Versandriese hierzulande weiterhin deulich wachsen. Dennoch zeichnet sich nun erstmals seit 2010 eine Verlangsamung des Wachstums ab, denn zuvor konnte der Deutschlandableger den Umsatz um jährlich über 20 Prozent steigern. Im Jahr 2012 hat Amazon.de ca. 8,73 Mrd. US-Dollar (+21 Prozent) umgesetzt, 2011 waren es 7,23 Mrd. US-Dollar (+36 Prozent) und 2010 ca. 5,29 Mrd. US-Dollar. Zur besseren Übersicht:

  • 2010: 5,29 Mrd. US-Dollar
  • 2011: 7,23 Mrd.; +36 Prozent
  • 2012: 8,73 Mrd.; +21 Prozent
  • 2013: 10,54 Mrd.; +21 Prozent
  • 2014: 11,92 Mrd.; +13 Prozent

Kontantes Wachstum in Großbritannien, Erholung in Japan

Etwas besser sah es in Großbritannien aus, wo Amazon mit einem Gesamtumsatz von 8,34 Mrd. US-Dollar (+14,4 Prozent) nun den zweitwichtigsten Auslandsmarkt hat. 2013 konnte man 7,29 Mrd. US-Dollar erwirtschaften (+12,5 Prozent), 2012 waren es 6,48 Mrd. US-Dollar (+21 Prozent), 2011 5,35 Mrd. US-Dollar (+36 Prozent) und 2010 standen 3,93 Mrd. US-Dollar am Zähler.

Der japanische Amazon-Ableger liegt mit 7,91 Mrd. US-Dollar (+3,6 Prozent) nur noch auf Platz 3 des internationalen Geschäfts. Dennoch darf man das Wachstum in Japan als Erfolg rechnen, denn im Jahr 2013 musste man einen Umsatzrückgang von 2,1 Prozent verzeichnen. Allerdings könnte das Wachstumsplus auch auf Wechselkursschwankungen zwischen Dollar und Yen zurückzuführen sein.

Die restlichen Amazon Händler, die im Bericht nicht getrennt angeführt werden, haben zusammen 5,35 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet.

US-Geschäft läuft gut, Content stagniert

In den USA muss sich Amazon in Hinblick auf den Versandhandel indes keine allzu großen Sorgen machen. Am Heimatmarkt konnte man mit einem Umsatzplus von rund 25 Prozent auf 55,47 Mrd. US-Dollar abermals deutlich wachsen.

Kopfzerbrechen könnte dem Versandunternehmen aber das Content-Geschäft (Filme, Serien, eBooks, Musik, Spiele, Apps) bereiten, denn hier konnte man sich in den USA nur noch um 7 Prozent steigern (von 10,81 Mrd. auf 11,57 Mrd.). Im Jahr zuvor stand noch ein Wachstum von 18 Prozent am Programm. Das ist deshalb problematisch, da Amazon in den vergangenen 12 Monaten sehr viel Geld in die Ausweitung des Bereichs investiert hat. Insbesondere das Videostreaming (als Teil von Prime) soll eine noch größere Rolle spielen: Amazon produziert seit geraumer Zeit eigene Serien und will auch ins Filmgeschäft einsteigen.

Noch schlechter sah es auf den internationalen Märkten aus, wo man im Medienbereich nur noch um rund 0,3 Prozent wachsen konnte (2013: +1,4 Prozent). (Rechnet man Wechselkursschwankungen mit ein, liegt man hier immerhin bei einem Plus von 5 Prozent.) Fairerweise muss man aber natürlich dazu sagen, dass sich die getätigten Investitionen wohl erst in den kommenden 1-2 Jahren rechnen werden. Insbesondere die Ausweitung des Prime-Dienstes in Deutschland und der erfolgreiche Fire TV Start könnte 2015 zu einem Wachstumsschub sorgen.

Wachstum um jeden Preis, zu welchem Preis?

Es wird jedenfalls interessant sein zu sehen, wie sich Amazon in den kommenden Jahren weiter entwickelt, denn insbesondere das Content-Geschäft scheint nicht so erfolgreich zu wachsen wie der klassische Versandhandel.

Erschwerend kommt hier sicherlich der schwächelnde Tablet-Verkauf Amazons hinzu, der laut IDC im Jahr 2014 mit einem Rückgang von rund 66 Prozent riesig ausfällt. Eigentlich sollten die Flachcomputer das Rückgrat der Medienstrategie des Unternehmens werden: Lesen, Filme- und Serien anschauen, Musik hören, spielen und einkaufen – alles auf einem Gerät. Und genau darauf sind die Alleskönner sowohl in Hinblick auf die (sehr gute) Hardware, aber ganz besonders hinsichtlich der stark angepassten Software ausgelegt. Letzteres könnte sich nun schlussendlich als problematisch für den weiteren Verlauf erweisen.

Beim ersten Smartphone ist Amazon zudem auf die Nase gefallen: Das Fire Phone wurde zum Flop und wird aktuell mit massiven Preisnachlässen abverkauft. Ob ein weiteres Smartphone mit einer ebenso geschlossenen Oberfläche bessere Chancen am hart umkämpften Mobil-Markt hat, ist zu bezweifeln. Gleiches gilt selbstverständlich auch für die Tablets, deren Konkurrenten (besonders im Billigpreissegment) in den vergangenen Jahren massiv zugewonnen haben.

Man darf also gespannt sein, ob Amazon in Hinblick auf die Systemoffenheit doch noch irgendwann einen Kursschwenk vornimmt und das Ökosystem stattdessen besser in die reguläre Android-Oberfläche integriert, anstatt diese völlig umzugestalten. Wie das auch aus Kundensicht vernünftig machbar ist, zeigt das Tolino Tab 8, das mit einem dedizierten Home-Knopf immer zur Tolino-Oberfläche führt.

In der Zwischenzeit sützt Amazon.de die Kindle Paperwhite Verkäufe hierzulande weiter: Für 99 Euro ist der eBook Reader erhältlich – neuerdings mit fünf gratis eBooks. In Hinblick auf den vorhin genannten Ausbau des Ökosystems (hier: Kindle Unlimited) darf man gespannt sein, wann der eReader mit der eBook Flatrate gebündelt wird.