Wie sieht die perfekte eBook Reader Software aus?

5. April 2015
Geschätzte Lesezeit: 11:17 Min.

Vor wenigen Tagen habe ich einen kurzen Blick auf die Hardwareentwicklung bei eBook Readern geworfen und festgestellt, dass die E-Ink Carta Technik dank fallender Einstiegspreise immer größere Verbreitung erlangt. Gleichzeitig werden die Spezifikationen mit höher auflösenderes, pixeldichteren Bildschirmen besser (Kindle Voyage und Kobo Aura H2O). Aber nicht nur auf die Hardware kommt es an, wie viele digitale Lesefreunde immer wieder bekräftigen.

Mindestens ebenso wichtig wie die elektronischen Spezifikationen ist der Softwareumfang. eReader ermöglichen eine flexible eBook-Nutzung die Tür und Tor für allerhand Verbesserungen liefert, um den Lesebetrieb so komfortabel wie möglich zu machen.

Heute sehen wir uns an, welche Funktionen zum Hauptaufgabengebiet eines eBook Readers gehören, und wie diese umgesetzt sein sollten, um den besten Nutzen zu bringen. Wie so oft, gibt es aber immer unterschiedliche Meinungen zu einem Thema, sodass ich natürlich auch gerne von euch wissen möchte, wie die perfekte Lesesoftware auszusehen hat, bzw. in welchem der angeführten Punkten ihr anderer Meinung seid. Hinterlasst dazu einfach einen Kommentar!

Textanzeige

So absurd es für Nicht-Kenner der eBook-Szene klingen mag, aber eine fehlerfreie Textdarstellung ist keineswegs selbstverständlich. Während gedruckte Bücher mit einem fixen Layout versehen sind und vor dem Druck kontrolliert werden, ermöglichen eBooks eine flexible Textanzeige (siehe nachfolgenden Punkt). Dadurch schleichen sich bedauerlicherweise auch immer wieder Fehler, Makel oder Unzulänglichkeiten in die Anzeige des Buches ein.

Ein prominentes Beispiel ist z.B. die fehlende Silbentrennung bei den Kindle Geräten. Sofern es nicht anders in der Datei hinterlegt wurde, zeigt ein eBook auf einem Amazon Lesegerät den Text im Blocksatz ohne Worttrennungen an. Während das im englischen Sprachraum aufgrund sehr kurzer Füllwörter oftmals ohne große Textlücken relativ unproblematisch ist, ergibt sich im Deutschen je nach Schriftgrößeneinstellung gelegentlich ein unschönes Schriftbild mit ungewöhnlich großen Wortabständen.

Allerdings gibt’s auch bei einigen Amazon-Konkurrenten Anzeigeprobleme. So steht der ungeliebte Absatzbug des Adobe Viewers häufig im Fokus der Kritik. Anstatt den Bildschirm des eBook Readers vollständig mit Text zu füllen, bleibt bei einer Reihe von Geräten der untere Bereich zur Vermeidung von Hurenkindern und Schusterjungen gelegentlich leer.

Ebenso störend kann eine falsche Schriftartanzeige sein, wie sie aktuell z.B. bei PocketBook vorkommen kann, wenn kursiver Text angezeigt wird.

Eine fehlerfreie, optisch makellose und homogene Textanzeige ist Pflicht und sollte bei jedem Hersteller oberste Priorität haben. Auch wenn sich nicht alle Nutzer an den genannten Problemen stören, sollte man dennoch sicherstellen, dass ein Buch so angezeigt wird (auch wenn verschiedene Parameter geändert werden – siehe nachfolgend), wie es vom Autor gedacht war.

Schriftbildanpassung

Die Textanpassungsoptionen fallen gewissermaßen mit dem vorigen Punkt zusammen. Schon als ich das erste Mal mit einem eBook Reader gelesen habe, war ich von den (damals eingeschränkten!) Schriftanpassungsmöglichkeiten begeistert.

Die allermeisten eReader ermöglichen die Änderung der Schriftgröße, Randabstände, Zeilenhöhe und Schriftart. Mit diesen Optionen kann man das Schriftbild dem eigenen Geschmack anpassen und die eigenen Bedürfnisse stillen. Insbesondere für Personen mit einer Sehschwäche oder -behinderung ergeben sich hier wichtige Änderungsmöglichkeiten zur besseren Ablesbarkeit, die man mit einem gedruckten Buch nicht hat. Aber auch bei einer Leseschwäche kann die Veränderung der Textanzeige helfen.

Umfangreiche Schriftbildoptionen bei Kobo

Besonders die eBook Reader von Kobo machen sich hier positiv bemerkbar, denn deren Textanpassung funktioniert beinahe stufenlos, was im Grunde alle erdenklichen Anpassungen erlaubt. Zusätzlich kann man außerdem auch die Schriftdicke (bei unterstützten Fonts) stufenweise (!) anpassen.

Begrüßenswert wäre aber jedenfalls noch ein Nachtmodus (bei Kobo mit einer Modifikation nutzbar), der nicht nur zum Lesen bei Dunkelheit und aktivierter Beleuchtung sinnvoll sein kann, sondern die Ablesbarkeit auch bei bereits erwähnten Sehbehinderungen erleichtern kann.

Bibliotheksfunktion

Nicht alle Nutzer haben umfangreiche eBook-Bestände, sodass die Verwaltung ggf. keine allzu große Rolle spielt und man ohnehin immer schnell zum gewünschten Titel findet.

Einer der größten Vorteile digitaler Lesegeräte ist aber ohne Zweifel die Möglichkeit, den gesamten Buchbestand immer mit sich zu führen und so völlig unabhängig vom heimischen Computer oder Bücherregal zu sein. Dabei kann eine eBook-Bibliothek von Leseratten nach mehreren Jahren schon mal beachtliche Ausmaße annehmen (insbesondere wenn auch eine Vielzahl kostenloser eBooks gespeichert wird).

PocketBook beherrscht seit kurzer Zeit sowohl mehrere Schlagworte mittles Calibre und weiterhin eine Verzeichnisstruktur

In solchen Fällen haben sich im Grunde zwei Verwaltungsmechanismen herauskristallisiert:

  • Entweder die Ordnung mit Hilfe der Dateiverzeichnisstruktur, wie man es auch vom PC kennt. Hier kann man die eBooks einfach in entsprechende Ordner kopieren und so einen übersichtlichen Verzeichnisbaum anlegen, den man unabhängig von Dritt-Software auch am PC problemlos verwalten kann.
  • Alternativ wird auch gerne die kostenfreie Lesesoftware Calibre genutzt, die mit der Schlagwortfunktion eine ebenso umfangreiche Sortierungsmöglichkeit bietet. Hier besteht der Vorteil darin, dass man ein eBook in mehrere Kategorien einordnen kann (z.B. Science Fiction & Star Trek), ohne die Datei zu duplizieren (und wertvollen Speicherplatz zu verschwenden).

Aktuell bietet nur PocketBook beide Optionen. Mit der neuen Firmware 5.x wurde nach langer Zeit und oftmals geäußertem Kundenwunsch (böse Zungen behaupten, die Negativkritik am Ultra war ursächlich dafür verantwortlich) endlich die multiple Calibre-Schlagwortunterstützung integriert – zusätzlich zur bereits vorhandenen Verzeichnisstrukturoption. Zusammen mit den anderen Filter- und Sortierfunktionen bietet PocketBook die momentan umfangreichste Bibliothekverwaltung am Markt. So (ähnlich) sollte das bei allen Anbietern aussehen.

Wörterbücher

Das Lesen fremdsprachiger Bücher ist mit eReadern so einfach wie noch nie. Mit wenigen Handgriffen – meist einem Antippen – wird die Wortübersetzung angezeigt und man kann den zuvor nicht verstandenen Text ohne Unterbrechnung sofort weiterlesen.

Dumm nur, dass im Grunde kein einziger Hersteller eine perfekte Wörterbuchfunktion liefert. Das größte Hindernis ist ohne Zweifel die fehlende Unterstützung für grammatikalische Formen (abseits der Nennform) bei vielen Anbietern. So kommt es immer wieder vor, dass unterschiedliche Deklinationen oder Konjugationen ganz einfach nicht gefunden werden. Besonders gut funktionieren in dieser Hinsicht die mitgelieferten Wörterbücher von Kindle und Sony.

Die mitgelieferten Kindle Wörterbücher sind ausgezeichnet

Bei Sony kann man sie allerdings nicht erweitern und bei Amazon gibt’s nur eine Hand voll mitgelieferter Wörterbücher, wobei die Zusatzangebote in Hinblick auf die Qualität nicht am gleichen hohen Niveau sind.

Oftmals ebenfalls unpraktisch: Die meisten Anbieter legen nur englischsprachige Übersetzungswörterbücher bei, sodass man als deutscher Kunde nicht immer auf seine Kosten kommt. Die einzige Ausnahme ist die Tolino-Allianz die dank deutscher Wurzeln eine Reihe unterschiedlicher deutschsprachiger Übersetzungswörterbücher mitliefert. Allerdings muss man dabei wiederum die Quelle kritisieren, denn hier kommt das Wiktionary zum Einsatz, das qualitativ (meist) nicht mit redaktionell gepflegten Angeboten mithalten kann.

Ein sinnvoller Zusatz ist ein Vokabeltrainer. Bei Kindle Geräten werden Wörter, die man im Wörterbuch nachschlägt, (auf Wunsch) in den Vokabeltrainer übertragen, sodass man diese später auf Verständnis überprüfen kann. Sehr sinnvoll!


Kommentare: