Thalia Österreich umgeht die Buchpreisbindung (schon wieder)

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Anfang Oktober haben wir bereits davon berichtet, dass Thalia mit einer Gutscheinaktion die Buchpreisbindung in Österreich untergraben hat. Die Aktion lief schon vor zwei Jahren, wurde allerdings erst Ende August 2013 vom Obersten Gerichtshof (OGH) in Österreich für legal erklärt (4Ob57/13f).

Die Begründung: Thalia.at wird durch die deutsche Firma (und Thalia- bzw. Douglas-Tochter) buch.de betrieben, sodass die Bestellungen von buch.de abgewickelt werden. Eine Abholung in der Filiale ist nicht möglich, d.h. der Versand erfolgt direkt an die Heimadresse. Das reicht um den freien Warenverkehr in der EU über das heimische Buchpreisbindungsgesetz zu stellen.

Wie bereits zuvor gesagt, ging der Rechtsstreit über 2 Jahre, wobei dem OGH-Urteil fünf Gerichtsentscheidungen vorangegangen sind. Nun ist die Sache jedenfalls klar: Ausländische (EU-)Händler können Bücher in Österreich mit Rabatten (über 5 Prozent) verkaufen. Während Thalia die Füße bisher still gehalten hat, geht man nun wieder den altbekannten Weg und nutzt die unübliche ausländische Firmenkonstellation um die Buchpreisbindung zu umgehen.

Seit gestern bietet Thalia.at wieder 10 Prozent Gutscheine auf das gesamte Sortiment (inkl. Bücher). Dazu muss man ab einem Bestellwert von 20 Euro nur den Gutscheincode „XMASSHOPPING13“ einlösen. Ironischerweise ist der Artikel, der sich international am einfachsten unters Volk bringen lässt, von der Gutscheinaktion ausgeschlossen: eBooks können nur zum regulären Preis erworben werden.

Für den heimischen, unabhängigen Buchhandel werden damit die Befürchtungen wahr, dass das OGH-Urteil ihre Marktposition schwächt. Auch wenn die Thalia-Aktion vorerst wieder nur für 1 Woche gültig ist, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch andere ausländische Händler den 800 Millionen Euro schweren österreichischen Buchmarkt für sich entdecken.

Amazon hatte bereits vor Jahren eine ähnliche Aktion gestartet, dann aber aufgrund des heftigen Protests zurückgezogen und seitdem auch nicht wieder gestartet. Wie lang das Unternehmen mit Sitz in Luxemburg nun aber zusieht, wenn andere Buchhändler die Gesetzeslücke völlig legal ausnutzen, bleibt abzuwarten.

Um diese ungünstige Situation wieder zu reparieren, ist nun jedenfalls die österreichische Politik gefragt, die diesem Verhalten einen Riegel vorschieben könnte. Da sich die Parteien allerdings noch in Koalitionsverhandlungen befinden und das plötzlich aufgekommene Budgetloch aktuell die ganze Aufmerksamkeit für sich beansprucht, wird das aber sicher noch einige Zeit dauern.