Telekom Pageplace sperrt zu

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Die Weltbild-Pleite hat weite Kreise am deutschen Buchmarkt gezogen und sorgt auch für allerhand Spekulationen rund um das Fortbestehen der Tolino-Allianz. Jetzt wird das Ganze um eine Facette reicher, denn völlig überraschend schließt die Telekom die eBook-Vertriebsplattform Pageplace.

Bis zum 28. Februar 2014 bleibt der Betrieb noch aufrecht, sodass digitale Bücher, Zeitschriften und Zeitungen gekauft werden können. Der Vertrieb wird danach allerdings eingestellt. Bis zum 31. März 2014 hat man dann noch Zeit die gekauften Inhalte herunterzuladen oder zu einem Tolino-Partner zu übertragen. Danach ist allerdings endgültig Schicht im Schacht.

Hinweis zur Pageplace-Schließung auf der Homepage

Über die genauen Gründe der Schließung gibt die Telekom keine Auskünft, allerdings heißt es auf einer eigens eingerichteten Seite, dass man sich verstärkt auf die Weiterentwicklung der Tolino Geräte konzentrieren wolle. Im Klartext heißt das wohl: Pageplace war zu teuer bzw. hat zu wenig Geld eingebracht. Laut Die Welt hat die Plattform aktuell rund 180.000 Nutzer, von denen allerdings offenbar nur ein Bruchteil aktiv zu sein scheint. Laut eigenen Angaben gibt’s bei Pageplace aktuell über 120.000 E-Books, 1.100 Magazine und 150 Zeitungen zur Auswahl.

Hat die Telekom Interesse an Weltbild?

Das Timing für die Schließung der Telekom-Plattform könnte eigentlich kaum schlechter sein, denn es weckt aus Kundensicht nicht unbedingt Vertrauen, wenn nach der Weltbild-Insolvenz ein Tolino-Partner den Betrieb einstellt. Allerdings muss man sich auch die Frage stellen, ob hinter der Schließung vielleicht nicht doch mehr steckt.

Möglicherweise hat die Telekom am Digitalgeschäft von Weltbild Interesse, denn daran hängt nicht nur der Weltbild-Online-Shop, sondern auch der von Hugendubel (siehe Impressum). Beides sind wichtige Partner im Endkundenvertrieb für den Tolino Shine und die eBooks. In so einem Fall wäre es natürlich nur sinnvoll, wenn man unnötigen Ballast abwirft, der offenbar sowieso kaum lukrativ war, und sich in Stellung für die mögliche Übernahme bringt. Das ist an diesem Punkt aber reine Spekulation und sollte daher wie immer mit der nötigen Portion Skepsis betrachtet werden.

Durchaus real ist hingegen die Interessensbekundung der Bastei Lübbe am Weltbild-Digitalgeschäft. Gegenüber der Wirtschaftswoche heißt es vom Vortstandschef des Unternehmens: „Ich kann mir schon vorstellen, dass bestimmte Teile von Weltbild, etwa das Digitalgeschäft, auch für uns interessant sein könnten“.

Trotz guter Marktentwicklung nun Unsicherheit

So gut das digitale Weihnachtsgeschäft 2013 für die Tolino-Allianz auch gelaufen ist, so unsicher sind nun die nächsten Monate. Besonders brisant ist die Pageplace-Schließung auch vor dem Hintergrund, dass die Verhandlungen mit dem freien Buchhandel zum Beitritt zur Tolino-Allianz offenbar an zu hohen finanziellen Forderungen der Tolino-Partner gescheitert sind.

Da könnte man schon das Gefühl bekommen, dass sich die Tolino-Partner ein wenig verrechnet haben. Dem mag man nun entgegenhalten, dass der Tolino-Marktstart wohl gut überlegt war und man dementsprechend auch ausreichend finanzielle Rückendeckung hatte, um das Vorhaben umzusetzen. Allerdings war es womöglich ursprünglich gar nicht geplant, dass der Tolino Shine zum Preis von 99 Euro am Markt bleibt. Club Bertelsmann hatte das Gerät nämlich ab 1. Mai 2013 mit 119 Euro ausgeschrieben. Zur Preisänderung kam es dann allerdings nie.

Die nächsten Monate werden für die Tolino-Partner eine möglicherweise harte Bewährungsprobe sein, je nachdem wie die Weltbild Insolvenz ausgeht. Die Pageplace-Schließung kommt aus Kundensicht jedenfalls zu einem schlechten Zeitpunkt und hinterlässt keine schöne Optik. Man wird aber noch sehen müssen, ob dahinter nicht doch mehr steckt.