Amazon.de Wachstum im Jahr 2015 stabil

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Vor wenigen Tagen ging die Meldung durch die Medien, dass Amazon trotz Rekordgewinns von 596 Millionen US-Dollar Verluste an der Börse hinnehmen musste. Bei der Bekanntgabe der Wachstumszahlen für 2015 hat Amazon bereits mitgeteilt, dass der Umsatz in Deutschland um 18 Prozent angestiegen ist. Nun gibt’s wie jedes Jahr auch heuer die genauer aufgeschlüsselten Zahlen, die im Zuge der Veröffentlichung des Formular 10-K der US-Börsenaufsicht (2015) bekannt werden.

Damit sind nun auch die Umsatzzahlen für das Deutschlandgeschäft des Versandriesen für 2015 erstmals öffentlich einsehbar.

Schwacher Euro macht Amazon zu schaffen

Dabei wird sofort ersichtlich, dass der im Vergleich zum US-Dollar schwache Euro den Umsatz deutlich gedrückt hat. So konnte Amazon.de im Jahr 2015 „nur“ 11,816 Mrd. US-Dollar erwirtschaften, was einen Rückgang von rund 0,9 Prozent im Vergleich zu 2014 entspricht.

  • 2010: 5,29 Mrd. US-Dollar
  • 2011: 7,23 Mrd.; +36 Prozent
  • 2012: 8,73 Mrd.; +21 Prozent
  • 2013: 10,54 Mrd.; +21 Prozent
  • 2014: 11,92 Mrd.; +13 Prozent
  • 2015: 11,82 Mrd.; -0,9 Prozent

Rechnet man diese Werte auf Basis des durchschnittlichen Währungskurses der jeweiligen Jahre in Euro um, so ergibt sich jedoch ein anderes Bild:

  • 2010: 3,99 Mrd. Euro
  • 2011: 5,19 Mrd.; +30,2 Prozent
  • 2012: 6,79 Mrd.; +30,7 Prozent
  • 2013: 7,94 Mrd.; +16,9 Prozent
  • 2014: 8,98 Mrd.; +13,2 Prozent
  • 2015: 10,65 Mrd.; +18,5 Prozent

Dabei muss man allerdings erwähnen, dass die Zahlen nur annähernd stimmen, da die quartalsbedingten Umsatzschwankungen nicht berücksichtigt werden. Es zeigt sich aber auf jeden Fall, dass Amazon in Deutschland ein weiterhin gutes Wachstum hinlegen konnte, das über dem von 2013 und 2014 liegt.

Wenn wir uns zurückerinnern: Anfang 2013 kam der sogenannte Leiharbeiterskandal ins Rollen. Ob dieser ursächlich dafür verantwortlich war, dass sich das Wachstum von 30,7 Prozent auf 16,9 Prozent verlangsamt hat, lässt sich nur schwer beantworten. Nachdem es 2014 in dieser Hinsicht aber deutlich ruhiger war und der Umsatz abermals geschrumpft ist, vermute ich aber, dass der Skandal-Effekt vernachlässigbar gewesen sein dürfte.

2015 konnte Amazon.de jedenfalls abermals einen neuen Rekordumsatz generieren und gleichzeitig auch das beste Wachstum seit 2012 hinlegen. Allerdings liegt das Deutschlandgeschäft von Amazon damit unter dem internationalen Wachstum des Versandriesen, das bei durchschnittlich 21 Prozent gelegen hat.

In Nordamerika konnte Amazon sogar um 26 Prozent zulegen und erwirtschaftete 63,708 Mrd. US-Dollar. 2014 waren es 50,834 Mrd. US-Dollar, 2013 41,410 Mrd. US-Dollar. Das Geschäft am Heimatkontinent läuft damit weiterhin besser als international.

Mediengeschäft wächst nur langsam

Das Content-Geschäft (Filme, Serien, eBooks, Musik, Spiele, Apps) lief jedoch weiterhin eher schleppend. In Nordamerika konnte man sich um 8 Prozent steigern (2014: 7 Prozent, 2013: 18 Prozent), international liegt das Wachstum wechselkursbereinigt bei nur 4 Prozent (2014: 2 Prozent, 2013: 7 Prozent). Welche Anteile die verschiedenen Märkte haben, wird nicht getrennt ausgewiesen.

Unklar bleibt auch, wie hoch die Umsatzanteile der verschiedenen Inhaltstypen sind. Man darf aber annehmen, dass das Film- und Serien-Angebot aufgrund der durchaus aggressiven (Prime-)Vermarktung (auch in Deutschland) einen wichtigen Anteil am Medien-Wachstum hat. Amazon produziert mittlerweile eigene Serien und ist auch im Filmgeschäft aktiv.

Umgekehrt könnte das bedeuten, dass die anderen Medienbereiche nicht mehr so stark gewachsen sind, wie in den Jahren wo der Serien- und Filmbereich des Versandriesen eine geringere Rolle gespielt hat.

Das größte Problem von Amazons Medien-Unterfangen dürfte weiterhin das schwächelnde Tablet-Geschäft sein. Im Jahr 2015 hat das Unternehmen wohl auch aus diesem Grund die Strategie geändert und bietet anstatt teurer High-End-Geräte nun Tablets im günstigen Preissegment an. Dabei hat das im Weihnachtsgeschäft für nur 50 US-Dollar angebotene 7 Zoll Fire-Tablet für Rekordumsätze gesorgt. Ob sich dieser Preis- und Richtungswechsel auch im Content-Geschäft positiv bemerkbar macht, wird man frühestens in einem Jahr sehen, wenn Amazon die Zahlen für 2016 veröffentlicht.

Ebenfalls sehr gespannt darf man über die weitere Ausrichtung des Tablet- und eReader-Bereichs im heurigen Jahr sein. 2015 hat Amazon den Kindle Paperwhite erneuert, den Voyage wider Erwarten allerdings nicht. Außerdem ist die vor einigen Jahren erfolgte Liquavista-Übernahme bisher noch immer ohne Ertrag geblieben. Damit stehen die Chancen meiner Meinung nach gut, dass wir im Jahr 2016 wieder mehr Innovationen sehen werden.