TEST: Amazon Kindle 4

23. Oktober 2011
geschrieben von

Monatelang wurde darüber spekuliert wann Amazon endlich den neuen Amazon Kindle auf den Markt bringen würde. Am 28. September 2011 war es dann so weit und Amazon hat nicht nur einen Kindle, sondern gleich drei neue Modelle vorgestellt. Der Kindle 4 ist eines dieser Modelle und stellt eine der kostengünstigsten Möglichkeiten dar, um einen eBook Reader zu erwerben. Für nur 99 Euro ist der Kindle 4 direkt bei Amazon erhältlich.

Allerdings muss man sich fragen, ob sich die Investition überhaupt auszahlt, oder man besser nochmal 50 Euro drauflegt und sich einen Kobo Touch oder Sony PRS-T1 holt, denn der Kindle 4 wurde im Funktionsumfang stark beschnitten, um den geringen Preis realisieren zu können. Im nachfolgenden Test erfährst du alles Wissenswerte.

Der Kindle 4 präsentiert sich in neuem Gewand

Unboxing

Der Kindle 4 wird in einer unglaublich schlichten Verpackung geliefert: Lediglich in der Produktverpackung selbst versendet Amazon den Kindle 4, ohne einen schützenden Versandkarton. Macht aber nichts – so hält sich der unnötige Papiermüll zumindest in Grenzen und der Reader kam auch trotz der minimalistischen Versandverpackung unbeschadet an sein Ziel.

Branchenüblich sehr schlicht fällt auch der Verpackungsinhalt aus. Neben dem eBook Reader befinden sich ein Micro-USB-Kabel, ein mehrsprachiger Quick-Start-Guide und eine Garantieerklärung in der Verpackung. Aufgrund des niedrigen Preises verwundert es allerdings auch überhaupt nicht, dass hier nicht mehr mitgeliefert wird.

Verarbeitung

Der Kindle 4 präsentiert sich in optisch ansprechendem Grau-Silber. Die Farbwahl macht den Reader unempfindlicher für Fingerabdrücke als seinen Vorgänger, allerdings etwas anfälliger für leichte Lichtreflexionen.

Die Knöpfe unter dem Display lassen sich gut bedienen

An der Vorderseite befinden sich insgesamt zehn Tasten: Unter dem Display befinden sich das Steuerkreuz inkl. Bestätigungstaste, Zurück-, Tastatur-, Menü- und Hometaste, sowie auf beiden Seite des Displays jeweils zwei Tasten zum Blättern. Die Tasten unter dem Display haben einen ausgezeichneten Druckpunkt, lassen sich leicht betätigen und machen einen sehr soliden Eindruck. Für die Blättertasten auf der Seite kann man leider nicht das Gleiche behaupten. Im Vergleich zum Kindle 3 sind die Blättertasten beim Kindle 4 nicht nur deutlich schmäler geworden, sondern auch an die Gerätekante gerückt, wodurch sie schwer zu ertasten sind. Das macht es im Lesebetrieb, besonders zu Beginn, eher schwierig sie zu betätigen, ohne umgreifen zu müssen. Die Blättertasten sind in den Rahmen des Kindle 4 eingearbeitet, wohl um ein optisch konsistentes Bild zu zeichnen. Leider hat dies den weiteren Nachteil, nämlich dass sie ein leichtes Spiel hin zur Rückseite haben. Das wiederum stört deshalb, weil man die Taste bei ungünstiger Haltung von hinten blockieren kann.

Die Blättertasten blockiert man bei ungünstiger Haltung auf der Rückseite möglicherweise

Die Rückseite ist mit einem etwas raueren Plastik – in gleicher Farbe wie die Vorderseite – ausgestattet. Hier zeigt sich ein leichter Verarbeitungsmangel an der unteren Seite, denn die knarzt im laufenden Betrieb gelegentlich. Das Problem hat nicht nur der Kindle 4, denn auch bei anderen Readern ist die Rückseite oft nicht perfekt mit dem Rest des Geräts verbunden – allerdings ruhen die Finger schon mal gern genau auf der Stelle, die das lauteste Geräusch macht, weshalb es uns beim Kindle 4 bisher am negativsten aufgefallen ist.

An der Unterseite des Readers befindet sich der Micro-USB-Anschluss, der Standby- und Power-Knopf, sowie eine StatusLED.

Ein großer Vorteil des Kindle 4 liegt in den kompakten Maßen und dem geringen Gewicht des Geräts. Mit nur 170 Gramm gehört er zu den leichtesten 6 Zoll Readern überhaupt und ist mit Maßen von 166 x 114 x 8,7 mm auch noch handlich klein. Beides wirkt sich in der Handhabung und im laufenden Lesebetrieb sehr positiv aus.

Kobo Touch und Kindle 4 sind fast gleich groß

Der Sony PRS-650 ist etwas größer und schwerer als der Kindle 4

Display & Ausstattung

Bei der Ausstattung gibt sich der Kindle 4 sehr spartanisch. Er verfügt – entgegen der Marktentwicklung – über keinen Touchscreen. Amazon hat sich aus Kostengründen bewusst gegen einen berührungsempfindlichen Bildschirm entschieden. Das fällt optisch besonders dadurch auf, dass das Display des Kindle 4 nicht so tief ins Gehäuse eingelassen ist wie bei Sony, Kobo oder Barnes & Noble. Das macht zwar von der Handhabung keinen Unterschied, wirkt aber optisch etwas moderner.

Als Displaytecholgie kommt wie gewohnt eInk-Pearl zum Einsatz. In einigen Foren und Blogs macht das Gerücht die Runde, dass Amazon hier ebenfalls gespart haben will und billigere Panels verbaut hat, welche einen schlechteren Kontrast bieten als andere eInk-Pearl Displays. Das können wir nicht bestätigen. Das Display des Kindle 4 ist hervorragend und im direkten Vergleich sogar etwas besser als das des Sony PRS-650. Die Unterschiede von denen berichtet wird, dürften wohl auf reguläre Schwankungen in der Produktion zurückzuführen sein und haben vermutlich nichts mit irgendwelchen Einsparungen zu tun.

Im Gegensatz zum Kindle 3 hat der Kindle 4 keine Audiounterstützung mehr, d.h. keinen Klinkenstecker, keine Text-To-Speech-Funktion und keine Lautsprecher. Diese Funktionen sind ebenfalls dem Rotstift zum Opfer gefallen und bleiben den teureren Kindle Touch Modellen vorbehalten. Ebenfalls abgespeckt hat der Kindle 4 die QWERTY-Tastatur. Auch eine Speicherkartenerweiterung, um den relativ knapp bemessenen internen Speicher von 2GB (wovon nur rund 1350MB frei sind) zu erweitern, sucht man vergeblich.

Trotz des eher geringen Funktionsumfangs, verfügt der Kindle 4 aber über WLan. Damit kann man auf den integrierten Kindle Store zugreifen und Bücher direkt am Gerät kaufen.


Kommentare:

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Date10.10.2011, 18:08
Staff Chalid
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Der neue Amazon Kindle 4 ist heute eingetroffen und wird in den nächsten 1 1/2 Wochen auf Herz und Nieren von uns getestet. Das Testvideo gibt es vielleicht schon etwas früher ... :-)

Erster Eindruck:
+ Sehr kompakt
+ Sehr leicht
+ Gute Verarbeitung

- WLan offenbar zwingend erforderlich bei Ersteinrichtung (muss ich aber nochmal probieren)
- Onscreentastatur funktioniert zwar gut, aber ist trotzdem etwas nervig
- Blättertasten sind jetzt zu Beginn und ohne Gewöhnung eher schwer zu bedienen

Fragen und eigene Erfahrungsberichte einfach in diesen Thread ; )
Date11.10.2011, 06:59
web8970
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Beiträge: 17
Ich dachte, der K4 erschiene erst am 12. Oktober? Wie habt ihr denn das angestellt, den schon früher zu erhalten? :-)
Date11.10.2011, 13:46
Staff Chalid
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Ort: Graz
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Gleich am Vorstellungstag vorbestellt ;-) Am 6. Oktober wurde er verschickt, gestern erhalten.
Date13.10.2011, 12:11
Staff Chalid
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Als kleiner Teaser ein Vergleichsbild von Kindle 4 und Kobo Touch im Anhang.

Die beiden Reader sind fast gleich groß. Der Kindle 4 ist eine Spur leichter (hat aber halt keinen Touchscreen und einen kleineren Akku).
Date25.10.2011, 16:45
Tals(Gast)
danke für den testbericht. bin auch gerade am überlegen ob ich auf den kindle 4 umsteigen soll. das geringe gewicht und der niedrige preis sind schon verlockend....
Date12.01.2012, 14:07
Unregistriert(Gast)
Eine kleine Korrektur: "HTML, DOC und DOCX werden als eBook-Dateien unterstützt" stimmt nicht, man kann sich diese Formate durch Amazon (kostenpflichtig) in ein unterstütztes Format (wohl AZW) umformatieren lassen.

Mit der Nicht-Unterstützung solcher verbreiteter Richt-Text-Formate mag es auch zu tun haben, dass die Clippings (markierte Textstellen und gespeicherte Zeitungsartikel) nur als TXT gespeichert werden. Dadurch verschwindet allerdings jegliche Formatierung (Fettschrift, Kursiv usw.) und alle Bilder. Außerdem werden die Clippings ohne Absätze gespeichert! Ein Scherz. Warum fällt das Testern eigentlich nie auf?
Date06.05.2012, 18:42
Marty(Gast)
Hallo,

wie sieht es denn mit der Darstellung von PDF-Dateien im A5-Format auf dem Kindle aus? Für Din A4 eignet sich das kleine Display nicht, wie ich weiß. Kann man bei A5-Dateien denn davon ausgehen, dass der Inhalt noch gut lesbar ist?
Date08.05.2012, 23:54
JulesWDD
eBook Reader Kenner/in
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Registriert seit: Dec 2011
Ort: 평양
Beiträge: 1.631
Zitat Zitat von Marty Beitrag anzeigen
Hallo,

wie sieht es denn mit der Darstellung von PDF-Dateien im A5-Format auf dem Kindle aus? Für Din A4 eignet sich das kleine Display nicht, wie ich weiß. Kann man bei A5-Dateien denn davon ausgehen, dass der Inhalt noch gut lesbar ist?  

Das beantwortet sich doch recht leicht: Verkleinern Sie einfach DIN A 5 auf eine 6 Zoll Diagonale und Sie werden feststellen, dass es nur noch schwer lesbar ist ... ; ) ... !!
Date09.05.2012, 17:29
Marty(Gast)
@JulesWDD:

Da haben Sie auch wieder recht. Naja, schade. Ich habe heute mal an anderer Stelle (Pocketbook) dazu angeregt, als Standardformat eine Diagonale von 8" (20 cm) zu etablieren. Das entspricht weit eher dem Taschenbuchformat als die popeligen 6".
Date08.10.2012, 20:20
Hartmut Schmitt(Gast)
Hallo Kindle-Tester,

ich wohne in Deutschland und besitze den Kindle 4 seit einer knappen Woche. Während ich mit dem Meisten hier einverstanden bin, hat der Kindle 4 einen für mich gravierenden Mangel: Man kann die Funktionen und Menüs im Gegensatz zu den Textbuchstaben nicht vergrößern.

Somit kann man zwar den laufenden Buchtext auch als Sehbehinderter gut lesen, wenn man aber auf die Funktionen und Menüs angewiesen ist, hat man je nach Art der Sehbehinderung und Stärke der Sehschwäche erhebliche Probleme. Ich benötige dazu häufig eine starke Lupe. Das empfinde ich als EDV zu Fuß.

Eine Anfrage bei Amazon.de ergab lediglich, dass man nicht wisse, ob das behoben werden soll. Dann muss ich leider die Tester kritisieren, die das Gerät pauschal auch als geeignet für Sehbehinderte beschreiben, obwohl die Funktionen und Menüs für viele der so betroffener Menschen nicht ohne weitere Hilfsmittel genutzt werden können.

Man sollte für derartige Aussagen m.E. auch einmal solche Menschen zu Tests heranziehen und nicht aus der Möglichkeit der Buchstabenvergrößerung allein auf die Eignung des Gerätes für derartig geplagte Menschen schließen.

Viele Grüße

Hartmut Schmitt

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