Welcher eReader für ein Kind?

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Welcher eReader für ein Kind?

Elektronische Lesegeräte sind mittlerwiele längst im Alltag vieler Menschen angekommen. Dabei beschränkt sich die Verbreitung im Gegensatz zu so manchem anderen Unterhaltungselektronikprodukt nicht allzu stark auf bestimmte Altersgruppen. Besonders in höherem Alter kann ein eBook Reader dank der Schriftgrößenverstellung sehr praktisch sein. Aber auch für Kinder sind die Geräte geeignet und bieten nützliche Funktionen um sie zu motivieren und den Lesealltag zu erleichtern.

Die Wahl nach dem richtigen eReader ist aber gar nicht so einfach. Welche Vorzüge bestimmte Hersteller für Kinder bieten, schauen wir uns nachfolgend an.

Sorgsame Handhabung und Geräteversicherung

Zunächst gilt anzumerken, dass eBook Reader, genauso wie Smartphones und Tablets, meist ein Display aus Glas besitzen. Das bedeutet, dass auch die dedizierten Lesegeräte grundsätzlich nicht vor Sturz- und Bruchschäden sicher sind. Eine sorgsame Handhabung ist daher empfohlen. Erfahrungsgemäß sind eReader aber dennoch etwas stabiler, da die Abstände der Bildschirme zu den Gehäuserändern größer sind.

Der im Normfallfall niedrigere Preis von eBook Readern macht einen möglichen Schadensfall dann auch nicht ganz so schmerzhaft wie bei Smartphones oder Tablets.

Bruchschäden kann es auch beim eReader geben. Das sieht dann unter Umständen so aus.

Wer jedoch von Anfang an auf Nummer sicher gehen will, der kann seit Oktober 2015 auch zum Kindle for Kids Bundle von Amazon greifen. Der Versandriese bietet den Kindle Touch eReader in Kombination mit einer Hülle und einer Geräteversicherung für aktuell 90 Euro an. Die Versicherung deckt unter anderem Sturz- und Wasserschäden ab. Positiv hinzu kommt, dass Amazon das Kindle for Kids Angebot ausschließlich in der werbefreien Variante anbietet.

Will man einen beleuchteten eReader kaufen, kann man die Kindle-Versicherung auch mit einem anderen Lesegerät abschließen. In jedem Fall muss man nach dem Kauf eine Registrierung durchführen, damit der Versicherungsschutz aktiv wird.

Generell würde ich an dieser Stelle zu einem beleuchteten Modell raten. Der Kindle Paperwhite 2 ist bereits für 99 Euro erhältlich – ebenfalls ohne Werbung. Die eingebaute Frontbeleuchtung erleichtert die Ablesbarkeit auch tagsüber und ermöglicht die Nutzung des eBook Readers im Stockdunkeln. Außerdem ist die Auflösung höher und es kommt eine neuere Displaytechnik zum Einsatz (E-Ink Carta). Der Komfortgewinn ist gegenüber dem Basiskindle auf jeden Fall enorm groß.

Tablet für’s Kind? Nicht zum Lesen

Oftmals stellt sich im Vorfeld auch die Frage, ob man besser ein Tablet kauft. Immerhin kann man damit deutlich mehr machen. Auch wenn das stimmt, so muss man dabei doch bedenken, dass dadurch auch die potentiellen Ablenkungen deutlich größer sind. Hinzu kommt, dass dedizierte eBook Reader mit elektronischer Tinte als augenfreundlicher gelten. Diverse Untersuchungen stützen diese Behauptung. LCD-Bildschirme (von Tablets) schaden der Proteinkonzentration im Auge und auch das blaue Licht (der vielen hellen LEDs) scheint Probleme zu verursachen.

eReader eigenen sich besser zum Lesen. Im Bild: Tolino Shine 2 HD.

Abgesehen davon bieten eBook Reader die sehr viel längere Akkulaufzeit und das niedrigere Gewicht. Unterm Strich gibt es meiner Meinung nach daher keinen Zweifel, dass eReader zum Lesen weiterhin die erste Wahl sind.

Kindersicherung und eBook-Kauf

Die Kindle Modelle von Amazon bieten eine eingebaute Kindersicherung (genannt Kindle FreeTime). Die Funktion ist gut durchdacht und erleichtert die Handhabung des Geräts durch die Eltern. So lassen sich die Zugriffe auf den Shop, den Browser und die Cloud (getrennt voneinander) beschränken. Außerdem bietet die Kindle Software eine Aufzeichnung des Lesefortschritts. Eltern können so Nachschau halten, wie viel bzw. wie lange gelesen wurde. Es lassen sich hierbei auch eigene Leseziele definieren, was die Motivation zum Lesen möglicherweise noch steigert.

Auch Kobo bietet Leseziele und -Statistiken, allerdings keine Kindersicherung. Eine solche sucht man auch bei den restlichen Anbietern vergeblich. Will man den Internetzugriff am eReader bei den anderen Herstellern einschränken, muss man die WLan-Verbindung des Geräts deaktivieren.

Amazon bietet mit Kindle FreeTime eine sehr gute Softwarelösung.

Der eBook Kauf funktioniert bei allen eReadern generell direkt am Gerät. Grundsätzlich kann man eBooks aber natürlich auch am PC kaufen. Diese lassen sich dann wahlweise automatisch (mit aktiviertem WLan) synchronisieren oder per USB-Kabel übertragen.

Die Kindersicherung der Kindle Modelle ist hier insofern praktisch, weil man die WLan-Verbindung aktiv belassen und man das Lesegerät auch drahtlos mit neuen Büchern bestücken kann. Dabei braucht man sich dann keine Sorgen zu machen, dass auf den eingebauten Shop oder den Internet-Browser zugegriffen wird.

eBook-Ausleihe und Shop-Bindung

Wie normale Bücher auch, können eBooks in öffentlichen Büchereien ausgeliehen werden. Allerdings gibt’s hier Einschränkungen, denn die Amazon eReader unterstützten den Onleihe-Dienst nicht. In einem separaten Artikel gehen wir im Detail auf dieses Thema ein.

Zu bedenken gilt weiterhin, dass man beim Kauf eines Kindle verstärkt an das System von Amazon gebunden wird. Zwar lassen sich auch eigene Dateien auf die Geräte spielen, allerdings wird das weit verbreitete E-Pub-Format nicht unterstützt. Dadurch kann man nicht (einfach) in anderen Shops einkaufen.

Im Gegensatz dazu unterstützen die Lesegeräte von Tolino, Kobo, PocketBook und auch der kleineren Anbieter den offenen eBook-Standard. Dadurch können eBooks in quasi jedem beliebigen Store gekauft werden.

Vokabel lernen

Erwähnenswert ist die Möglichkeit direkt während des Lesens auf ein eingebautes Wörterbuch zugreifen zu können. Alle vier großen Anbieter (Kindle, Tolino, Kobo, PocketBook) bieten eingebaute Wörterbuchfunktionen. Jene von Amazon funktioniert unterm Strich am besten. Das liegt nicht nur an den etwas hochwertigeren mitgelieferten Wörterbüchern, sondern auch am Vokabeltrainer.

Vokabeltrainer am Kindle Paperwhite.

Schlagt man am Kindle ein Wort nach, wird es (auf Wunsch) automatisch im Vokabeltrainer hinterlegt. Zu einem späteren Zeitpunkt kann man es dann nachschlagen und sich sogar ohne fremde Hilfe mit virtuellen Karteikarten abprüfen. In einem Gastbeitrag hat Christian Roth von Talkreal die Vokabelfunktion ausführlich beschrieben.

Eine solche Funktion sucht man bei den Konkurrenzmodellen bisher vergeblich,

eBook Reader bei Legasthenie?

Auch wenn ein Kind Schwierigkeiten beim Lesen hat, ist ein eBook Reader geeignet. Das Lesegerät könnte sogar dabei Helfen die Lesbarkeit eines Textes zu verbessern.

Einerseits bieten die eReader von Kobo und PocketBook spezielle vorinstallierte Schriftarten (OpenDyslexic), mit einem besonderen Design der Buchstaben. Andererseits kann man bei beiden Herstellern auch weitere Schriften installieren. Bei Kindle und Tolino gibt’s diese Möglichkeit leider nicht (ohne Tricks).

Umfangreiche Optionen zur Schriftbildanpassung bei Kobo.

Grundsätzlich kann man aber auch abseits der Schriftart die Ablesbarkeit verbessern, indem man die Zeilenlänge verringert. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass kürzere Zeilen den Lesefluss verbessern. Alle aktuellen eBook Reader bieten Anpassungsmöglichkeiten um die Schriftgröße, die Zeilenhöhe und Seitenränder anzupassen. Auf diese Weise lässt sich die Zeilenlänge verringern.

Die besten Anpassungsmöglichkeiten besitzt Kobo. Kindle, Tolino und PocketBook sind in dieser Hinsicht gleichauf. Wenn man sich etwas besser auskennt bzw. ein wenig einliest, dann kann man die Formatierung eines kopierschutzfreien eBooks auch mit Calibre anpassen.

Fazit

Wie man sehen kann, hat jeder Hersteller bestimmte Vor- und Nachteile. Unterm Strich präsentieren sich die Geräte von Amazon für Kinder als am besten durchdacht. Die Kindle Freetime Kindersicherung, sowie die Lesestatistiken, erleichtern die Administration der Geräte für die Eltern. Auch die mögliche Zusatzversicherung ist ein dicker Pluspunkt. Für ältere Kinder kann zudem auch die Vokabelfunktion beim Lesen fremdsprachiger Texte hilfreich sein.

Der einzige Nachteil betrifft wie üblich die eingeschränkte Format- und Onleihe-Kompatibilität.

Für legasthene Kinder oder bei sonstiger Dyslexie ist der Griff zu Kobo eine gute Wahl. Die hervorragende Anpassung der Schrift kann sehr hilfreich sein. Für welchen Hersteller man sich ansonsten entscheidet, ist in meinen Augen letztendlich Geschmackssache.

In unserem eBook Reader Vergleich kannst du dir ein Bild zu den aktuellsten Modellen machen und diese auch nach diversen Kriterien (z.B. Onleihe-Kompatiblität) sortieren.

Artikelbild: Amazon.de

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