Wer hat Angst vorm schwarzen Mann? oder: Alle gegen Amazon

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In Großbritannien mussten sich internationale Konzerne wie Google, Starbucks und Amazon vor kurzem vor dem parlamentatischen Public Accounts Committee rechtfertigen, warum sie so geringe Steuerabgaben zahlen, während sie offenbar Milliardenumsätze erwirtschaften. Britische Medien wie The Guardian, die BBC, der Telegraph und andere haben das Thema natürlich aufgegriffen und verurteilen die kreativen Steuertricks der „global Players“.

Im Guardian heißt es beispielsweise: „Es ist vielleicht legal, aber es ist nicht richtig“. Die Überschrift des Artikels lautet „Sollten wir Google, Starbucks und Amazon boykottieren?“ Man sieht also, die Briten sind über die Steuertricks der amerikanischen Firmen nicht sonderlich begeistert.

Da sind sie aber nicht alleine, denn auch in Frankreich zeigt man sich unverständlich, weshalb Amazon in Luxemburg weniger Steuern abführen sollte, während das Kerngeschäft in der Heimat stattfindet. Frankreich fordert vom US-Versandhändler deshalb eine Nachzahlung von 252 Millionen US-Dollar.

Auch in Deutschland kommt allmählich eine ähnliche Bewegung in die Gänge, wobei hier vermehrt Stimmen aus dem Buchhandel laut werden. So kritisiert der Weltbild-Chef die Möglichkeit Amazons für eBooks in Luxemburg nur 3 Prozent Steuern zu bezahlen, während deutsche Händler 19 Prozent abführen müssen. Der Verein „Buy Local“ will dagegen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man in der Region kauft und nicht bei internationalen Konzernen aus Amerika. Auch „buch aktuell“ greift das Thema auf und stellt ein Plaket mit dem Schriftzug „Wir zahlen St€uern!“ zur Bestellung bereit.

Es ist zwar nichts Neues, dass Amazon im Einzelhandel quer durch alle Warengruppen gefürchtet und zum Teil verteufelt wird, aber ich muss zugeben, dass mich die Anti-Amazon Bewegung schon ein bisschen verwundert. Man gibt dem Onlinehandel die Schuld dafür, dass der lokale Einzelhandel Verluste macht. Der Vorsitzende von Buy Local meint in einem Interview: „Die Onlinehändler bedrohen unsere Innenstädte“. Das Statement kommt natürlich nicht ganz überraschend, heißt es doch auf der Homepage: „Dem Kunden muss klar sein, dass er durch seinen Einkauf seine Region kulturell und sozial aktiv mitgestaltet“. Dass der regionale Kulturraum erhalten werden soll, ist ein löbliches Ziel, dass man bei der Namenswahl des Vereins dann aber auf die Sprache der Globalität (lies: Englisch) zurückgreift, entbehrt aber nicht einer gewissen Ironie.

Anstatt gegen Amazon und den Onlinehandel generell zu wettern, wäre es vermutlich zielführender die Politik für die sich wandelnden Kaufgewohnheiten der KundInnen zu sensibilisieren und die Gestze entsprechend anzupassen. Man könnte sich ja z.B. für einen reduzierten Mehrwertsteuersatz auf eBooks stark machen und so dem deutschen Buchhandel den Rücken stärken. Eine entsprechende Petition die seit dem 12. November läuft, hat aber gerade einmal knapp 2.000 Unterschriften. 50.000 Stimmen müssten bis 10. Dezember erreicht werden. Würde man die Anstrengungen in diese Richtung verstärken, könnte man sicherlich etwas bewegen. Stattdessen fürchtet man sich vor der großen unbekannten Online-Handel und versucht den Status quo zu erhalten, während die KundInnen weiterhin munter im Internet einkaufen.

Ähnlich sieht es mit dem eBook Reader Verkauf aus. Mit dem Start von eBook.de hat Libri den Sony PRS-T2 vorrübergehend auf 99 Euro im Preis gesenkt (nur noch bis Sonntag!) und damit den Zorn des Sortimenter-Ausschusses (SoA) auf sich gezogen. Während die Deutschen jetzt über die Auswirkungen des eBook.de Starts streiten diskutieren, lacht sich Amazon natürlich ins Fäustchen. Den Kindle Paperwhite kann man zwar nur in begrenzten Stückzahlen ausliefern, aber zumindest ist die deutsche Konkurrenz damit beschäftigt sich gegenseitig Steine in den Weg zu legen …