Katastrophales Weihnachtsgeschäft für Barnes & Noble Nook

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Barnes & Noble ist mit dem Nook etwas später ins Digitalgeschäft eingestiegen als Amazon, konnte aber immerhin relativ rasch Marktanteile gewinnen und war damit ebenfalls ein wichtiger Mitspieler am US-eBook-Markt. Besonders lange hat dieser Zustand aber nicht angehalten, denn das Digitalgeschäft des ehemals größten Buchhändlers der USA wird mittlerweile nur noch mitgeschleppt, ist aber keinesfalls mehr als Zugpferd für die gegenwärtige und zukünftige Entwicklung anzusehen.

Wie schlecht es um die digitale Firmensparte steht, zeigt das abgelaufene Weihnachtsgeschäft. Von Anfang November bis Ende Dezember 2013 sind die Umsatz der Nook-Geschäftssparte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 60,5 Prozent gefallen. Das ist gleich in mehrerer Hinsicht ein katastrophales Ergebnis: Offensichtlich ist natürlich der unmittelbare finanzielle Verlust der damit einhergeht, aber noch problematischer dürften die Zukunftsperspektiven sein.

Nook: Verluste, Verluste und noch mehr Verluste

Der neue Nook Glowlight konnte das Ruder nicht herumreißen

Barnes & Noble hat seit der Vorstellung des Nook Simple Touch eBook Readers nur noch wenig Zeit und Geld in die Entwicklung neuer dedizierter Lesegeräte gesteckt. Der Nook with Glowlight war seinem unbeleuchteten Gegenstück kaum überlegen und anstatt das Modell rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2012 nochmals zu modernisieren, hat der Buchhändler zwei Tablets auf den Markt gebracht. Dieser Schritt war der Anfang vom sich nun langsam aber sicher abzeichnenden Ende. Quartal für Quartal legt Barnes & Noble seitdem negative Bilanzen vor, die besonders aufgrund des verlustreichen Nook-Geschäfts zustande kommen.

Mit einem Rückgang beim Verkauf der Endgeräte (Tablets und eBook Reader) sowie digitaler Inhalte von 60 Prozent im eigentlich umsatzträchtigen Weihnachtsgeschäft (in den USA mit Black Friday und Cyber Monday noch mehr als hierzulande), kann man die Entwicklung nur als katastrophal bezeichnen. Und dabei stand das Digitalgeschäft sowieso schon auf keiner guten Basis, denn im Vergleichzeitraum 2012 lagen die Umsätze bereits um 13 Prozent niedriger als 2011. Man braucht somit auch keine Glaskugel um vorherzusagen, dass es vermutlich in naher Zukunft einige radikale Änderungen geben wird (bzw. geben muss), damit der Buchhändler das Ruder noch rumreißen kann.

Den eBook Markt hat man mit dieser Entwicklung nun jedenfalls endgültig an den Konkurrenten Amazon verloren, dessen Kindle Geschäft weiterhin blendend läuft. Der Versandriese ist damit am besten Weg ein Quasimonopol am US-eBook-Markt zu errichten. In Deutschland wurde diese Entwicklung nicht zuletzt mit der Start der Tolino-Allianz abgewendet – zum Vorteil der Verbraucher.

Wie geht es weiter?

Gleichzeitig muss die Tolino-Allianz ein wachsames Auge auf die Entwicklung haben, denn auch Barnes & Noble konnte Amazon zu Beginn die Stirn bieten, ist dann aber durch schlechte Entscheidungen bei der Weiterentwicklung der Endgeräte ins Hintertreffen geraten. Dies hat eine Abwärtsspirale eingeleitet, aus der sich der Buchhändler bisher nicht befreien konnte. Zumindest aus Endkundensicht scheint Barnes & Noble aber auch keine allzu großen Anstrengungen zu unternehmen, denn das aktuelle eBook Reader Modell ist nur eine behutsame Modellpflege des alten Geräts, aber keineswegs der radikale Schnitt den es gebraucht hat, um wieder auf Kurs zu kommen.

Keine Blättertasten, kein Speicherkarteneinschub … warum sollte man noch zum Nook greifen?

Der neue Nook Glowlight ist dem Kindle Paperwhite technisch unterlegen und kostet gleich viel wie die werbegestüzte Version des Konkurrenten. Darüber hinaus sind die Kundenbewertungen des neuen Nook aufgrund der weggefallenen Blättertasten und des fehlenden Speicherkartenslots mehr als durchwachsen. Das größte Problem dabei: Der Nook with Glowlight unterscheidet sich damit kaum noch vom Kindle Paperwhite, denn der bietet diese beiden Dinge ebenfalls nicht. Dafür hat der Amazon-Konkurrent aber eben den deutlich besseren E-Ink Carta Bildschirm. Letztendlich muss man sich als Verbraucher also einfach die Frage stellen: Warum sollte man zum Nook greifen?

Für das Nook-Geschäft steht nun wieder einmal eine mögliche Abspaltung von Barnes & Noble im Raum, die mit der anhaltenden Verlustserie der Digitalsparte inzwischen immer wahrscheinlicher wird. Die jüngsten Absatzzahlen könnten der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Gleichzeitig darf man gespannt sein, wie Barnes & Noble den angstrebten internationalen Start vollziehen wird. Mit dem App-Start für Windows 8 hat der Buchhändler bereits den ersten Schritt getan, bis Juni 2014 sollen aber noch weitere folgen, sodass die Nook-Geräte schließlich auch in Deutschland erhältlich sein soll(t)en. Auch wenn die Expansion an die Geldspritze von Microsoft geknüpft ist, ist es in Anbetracht der schlechten Entwicklung aber dennoch fraglich, ob es noch dazu kommen wird.