Erfolgsgeschichte von Amazon KDP; Was bringt die Zukunft?

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Amazon nutzt jede Gelegenheit um die Vorteile des Selbstpublikationsprogramms einem großen Publikum zu präsentieren. So wird zu verschiedenen Anlässen immer wieder über die Erfolge zuvor unbekannter Autoren berichtet, die dank des Amazon KDP (Kindle Direct Publishing) Programms viel Geld verdient und Bekanntheit erlangt haben. Bisher stammten solche Erfolgsgeschichten vornehmlich aus dem englischsprachigen Raum bzw. aus den USA. Kein Wunder, dort ist ein wahrer Hype um die Selbstpublikation entstanden.

Diesen Hype will Amazon wohl auch zu uns holen. Seit geraumer Zeit wirbt man direkt auf der Startseite von Amazon.de mit einer deutschen Erfolgsgeschichte im KDP-Programm. Die Rede ist von Nika Lubitsch, welche mit ihrem Roman „Der 7. Tag“ auf Platz 1 der Bestseller Liste gelandet ist und monatelang in den Top 10 vertreten war. Aber man gibt sich nicht einfach nur mit einer nüchternen Erfolgsmeldung zufrieden, sondern zeichnet auch gleich den Werdegang der Autorin.

Darin wird der große Traum Schriftstellerin zu werden erwähnt und die jahrelangen Absagen die sich die Indie-Autorin bei Verlagsanfragen geholt hat. Am Ende wird der Traum dank Amazon aber nach vielen Jahren wahr und Frau Lubitsch kann inzwischen flexibel arbeiten und hat auch schon das nächste Buch veröffentlicht.

Was ist so besonders daran?

Warum ist das alles erwähnenswert? Weil das den Weg aufzeigt, den Amazon auch hier in Deutschland mit dem Kindle Programm gehen will (und wird!). Amazon nutzt einen sehr wertvollen Werbeplatz um auf das eigene Selbstpublikationsprogramm aufmerksam zu machen. In den USA hat man damit nämlich einen Volltreffer gelandet, welcher es Amazon erlaubt immer unabhängiger von den großen Verlagen zu agieren und selbst als Verleger aktiv zu werden. Während man allen interessierten Autoren die unkomplizierte Publikationsmöglichkeit liefert, hat Amazon ein Auge auf die besonders erfolgreichen Werke. Da werden die Autoren – sofern möglich – direkt unter Vertrag genommen.

Während sich ein Verlag durch unzählige Einsendungen arbeiten muss, bleibt Amazon die Arbeit erspart – die übernehmen die Kunden. Umso öfter ein eBook gekauft, ausgeliehen, heruntergeladen und/oder bewertet wird, desto interessanter ist ein Engagement von Amazon hier natürlich. Da kommt es dann schon mal vor, dass ein Autor sein eBook exklusiv nur bei Amazon veröffentlicht. Hieraus ergibt sich ein besonderer Vorteil für Amazon: Man kann den Preis nach Belieben verändern.

Flexible Buchpreisbindung

Während sich deutsche Buchhändler aufgrund der Buchpreisbindung an die ihnen auferlegten Preise halten müssen, kann Amazon den Preis eines exklusiv vertriebenen eBooks als Verleger und Händler selbst ändern. Im Moment klingt das natürlich harmlos, aber wenn sich Amazon im Laufe der Zeit genügend unentdeckte Autoren angelt und unter Vertrag nimmt, kann man auch am deutschen Buchmarkt entsprechend flexibel agieren.

Es wird aktuell angenommen, dass sich der eBook-Marktanteil in den USA bei 30 Prozent einpendeln wird. Wenn das auf lange Sicht auch auf den deutschen Markt zutreffen sollte, dann würde Amazon nicht nur als reiner eBook-Händler eine nicht zu unterschätzende Marktmacht haben, sondern auch als Verleger.

Aber natürlich hat die Sache auch eine andere Seite. Während das Buchhandels-Schreckgespenst Amazon immer weiter wächst, dürfen sich unabhängige Autoren über die Entwicklung freuen. Amazon ist längst zur Nummer 1 Anlaufstelle für Indie-Autoren geworden – auch aus Deutschland. Anstatt sich weiterhin mit Verlagsabsagen ihrer nicht selten ungelesenen Werke herumschlagen zu müssen, können Autoren online gehen und das eBook kurzerhand selbst unter die Leute bringen.