Onyx Boox T68 Lynx Android eBook Reader im Test

3. Juli 2014
Lesezeit: 34:03 Min.

Am Markt für Mobiltelefone ist Android schon längst das am häufigsten genutze Betriebssystem, bei den eBook Readern muss man hingegen weiterhin auf entsprechende Endgeräte warten. Nur ganz wenige Hersteller wagen sich an eine Anpassung des Google Systems an den graustufigen und verhältnismäßig trägen E-Ink Bildschirm. Mit dem Imcosys Imcov6l ist vor wenigen Wochen der erste offene Android eBook Reader erschienen, der zwar im Grunde schon ein guter erster Schritt war, aber in unserem Test wegen der Softwareinstabilitäten eine Abwertung erhalten hat.

Nun prescht Onyx mit einem anderen Gerät ins gleiche Marktsegment vor und verspricht sogar eine Reihe sinnvoller Verbesserungen im Vergleich zur Konkurrenz. Der Boox T68 Lynx ist ein offener Android eBook Reader der sogar einen (wohl nicht lizenzierten) Zugang zum Google Play Store bietet. Für den Nutzer ist dies zur unkomplizierten App-Installation besonders praktisch.

Aber auch sonst bietet der neue Onyx eBook Reader am Papier viele positive Eigenschaften: Ein hochauflösenden (1440×1080 Pixel) E-Ink Pearl Display, eine eingebaute Beleuchtung, WLan und Bluetooth, eine Audiofunktion, Speicherkartenerweiterung …

Man sieht, alle wichtigen Dinge (und noch mehr) sind mit dabei. Aber natürlich stellt sich die Frage wie gut die Umsetzung ist und ob alles erwartungsgemäß funktioniert. In welchen Bereichen der Onyx Boox T68 überzeugen kann und in welchen Teilen es Verbesserungsbedarf gibt, erfährst du im nachfolgenden Testbericht.

Onyx Boox T68 Bildergalerie

Unboxing & Verarbeitung

Der Onyx Boox T68 kann aktuell bei zwei verschiedenen Händlern erworben werden: Beim deutschen Onyx-Partner eReader-Store.de und beim polnischen Shop Arta Tech. Der Lieferumfang unterscheidet sich dabei recht deutlich, sodass der deutsche Shop neben einem Ladegerät auch eine passende Hülle mit Sleep-Funktion beilegt. Die Extras sind den kleinen Aufpreis von 10 Euro (im Vergleich zum polnischen Shop) auf jeden Fall wert. Unser Testgerät wurde aufgrund der zum Marktstart früheren Lieferbarkeit dennoch bei Arta Tech gekauft.

Wie schon erwähnt, ist der Android eBook Reader von Onyx das zweite Gerät nach dem Imcov6l der mit dem Google System ausgeliefert wird. Auch wenn die Nachfrage nach solch anpassbaren Lesegeräten nicht zu unterschätzen ist, so muss man doch klar sagen, dass es sich um Nischenprodukte handelt und das Gros der Digitalleser wohl keinen Bedarf an den Modifikationsmöglichkeiten hat. Im Gegensatz zum Imcosys Gerät präsentiert sich der Onyx Boox T68 Lynx allerdings schon beim Auspacken ganz anders. Während das Konkurrenzprodukt aus der Schweiz in einer relativ schlichten Verpackung ausgeliefert wird, macht die Schachtel des Boox T68 etwas mehr her.

Gefälliges, aufgeräumtes Design

Der Eindruck bestätigt sich dann auch beim Öffnen des Kartons, denn das Design des Boox T68 wirkt optisch aufgeräumter und das rundum verarbeitete (dunkelgraue/schwarze) Softtouch-Plastik ist haptisch ansprechender. Neben dem eBook Reader befindet sich außerdem noch ein Micro-USB-Kabel und eine Schnellstartanleitung in der Verpackung.

Die Vorderseite des Onyx Boox T68 wird vom 6,8 Zoll großen Bildschirm dominiert. Aufgrund der größeren Displaydiagonale ist natürlich auch das Gerät insgesamt größer (194,2 x 132,0 x 8,8mm) als die typischen 6 Zoll eReader. Dank gut gewählter Proportionen fällt das allerdings nicht negativ ins Gewicht, sodass der T68 nicht zu groß wirkt und auch gut handzuhaben ist.

Rechts und Liunks neben dem Bildschirm befinden sich jeweils zwei Tasten. Linksseitig findet man die Android-Tasten für Menü und Zurück, rechtsseitig sind die Blättertasten. Und da kommen wir zum ersten Kritikpunkt, der bereits im Hands-On Bericht erwähnt wurde: Die Tasten sind in meinen Augen ungünstig befestigt, denn wenn man nicht mittig auf den Knopf drückt, dann ist die Tastenfunktion beeinträchtigt und der Druckpunkt wird nur spät oder gar nicht erreicht. D.h. die betreffende Tasten-Aktion wird nicht ausgeführt. Nach einiger Zeit mit dem Gerät gewöhnt man sich zwar an diese kleine Eigenheit, aber bei dem hohen Preis wäre eine bessere Verarbeitung jedenfalls wünschenswert gewesen.

Die Druckpunkte der seitlichen Tasten könnten ein wenig besser sein

Unter dem Bildschirm befindet sich ein 5 Wege Steuerkreuz. Mittig im oberen Bereich der Bestätigungs-Taste ist eine Status-LED platziert, die aufleuchtet wenn das Gerät hochfährt. In sonstigen CPU-Lastsituationen scheint die LED allerdings nicht zum Einsatz zu kommen.

Am unteren Geräterand befindet sich der Ein- und Ausschaltknopf, der Micro-USB-Anschluss, der MicroSD-Karteneinschub und der 3,5 mm Klinkenanschluss. Die sonstigen Geräteseiten sind frei von Knöpfen und Anschlüssen und auch auf der Rückseite gibt es abgesehen von einem kleinen Onyx Logo keine Besonderheiten.

Das Gewicht von 236 Gramm geht in Anbetracht der Größe völlig in Ordnung und wirkt sich bei der Handhabung auch nicht negativ aus. Dank großer Angriffsflächen des Gehäuses liegt der T68 gut und ohne große Anstrengung in der Hand.

Ausstattung

Der interne Speicher des Onyx Boox T68 ist mit 4 GB zwar großzügig bemessen, unterm Strich bleiben aufgrund des großen Speicherhungers des Betriebssystems (wie üblich) aber nur deutlich weniger übrig – nämlich 2,76 GB. Die Speicherkapazität teilt sich wiederum auf zwei Partitionen auf. Der App-Speicherplatz beträgt 496 MB, der eBook-Speicherplatz ist 2,27 GB groß. Bei Bedarf kann man den eBook-Speicher per MicroSD-Karte erweitern. Dank Android 4.0.4 kann man installierte Apps (zum Teil) auch in den eBook-Speicher verschieben, sodass trotz kleinerer Partitionsgröße auch bei vielen App-Installation keine Platznot aufkommen sollte.

Wie bereits erwähnt, verfügt der Boox T68 auch über eine Audioausgabe. Mangels eingebautem Lautsprecher erfolgt die Tonausgabe über passende (3,5 mm Klinkenanschluss) Lautsprecher oder Kopfhörer. Alternativ kann man auch zu einem Bluetooth-Headset greifen, denn der eBook Reader verfügt als eines von sehr wenigen Lesegeräten über diese Drahtlosverbindungsoption in Version 4 (TTS via Bluetooth nur mit der Pico-Engine). Auch Tastaturen und andere Geräte können dank Android mit dem eReader gekoppelt werden.

Am unteren Geräterand befinden sich die Anschlüsse

Ebenfalls mit dabei ist WLan, das den Zugriff auf das Internet ermöglicht. Der eingebaute Stock-Android-Browser leistet dabei gute Dienste (siehe Seite 3). Erwähnenswert ist an dieser Stelle auch nochmal der eingebaute Google Play Store, der mit einfachen App-Installationen eine unkomplizierte Erweiterbarkeit des Funktionsumfanges erlaubt.

Dank 1 GHZ Freescale i.MX 6 Chip und 512 MB Arbeitsspeicher laufen alle Apps ausreichend flüssig. Mit einem modernen Tablet oder Smartphone kommt der eBook Reader zwar nicht mit, aber das war aufgrund des E-Ink Displays ohnehin nicht zu erwarten. Im Vergleich zu anderen Android-eReadern ist der Onyx T68 aber auf jeden Fall der Schnellste.

Display & Beleuchtung

Mit seinem 6,8 Zoll großen Bildschirm muss der Onyx Boox T68 Lynx auf die E-Ink Carta Technik verzichten, die aktuell im Kindle Paperwhite, Tolino Vision und PocketBook Ultra zum Einsatz kommt. Das hier verwendete E-Ink Pearl Display kann sich aber dennoch sehen lassen, denn mit einer Auflösung von 1440×1080 Pixel ist es sehr scharf, was sich besonders bei kleineren Anzeigeelementen positiv bemerkbar macht. Das ist nicht nur beim Lesen praktisch, sondern aufgrund der Erweiterungsmöglichkeiten in einer Vielzahl verschiedener Anwendungsfälle. Im Gegensatz zum Kobo Aura HD, wo die höhere Auflösung bei „normalen“ Anzeigegrößen keinen nennenswerten Vorteil gebracht hat, ist dies beim Boox T68 somit praktisch sinnvoller.

Das maximale Kontrastverhältnis der E-Ink Displays schwankt von Hersteller zu Hersteller zum Teil recht stark, weshalb wir im Zuge der Testberichte auch immer nachmessen, welche Leistungen das verwendete Panel bringt. Der Boox T68 wurde daher wie immer unters Mikroskop gelegt.

Dabei leistet sich der Onyx Boox T68 dann die erste echte Schwäche, denn das verwendete E-Ink Pearl Display kann in Hinblick auf die Kontrastwerte nicht mit der aktuellen 6 Zoll Konkurrenz mithalten. Unterm Strich steht ein maximales Kontrastverhältnis von 9:1, was sogar geringfügig unter der Herstellerangabe von E-Ink liegt (10:1). Der Unterschied zu anderen eBook Readern ist auch mit freiem Auge gut sichtbar, sodass der Onyx Boox T68 im direkten Vergleich ein wenig dumpfer wirkt und die Buchstaben nicht ganz so deutlich hervorstechen wie sonst. In der nachfolgenden Mikroskopaufnahme ist dies im Vergleich zum Imcosys Imcov6l (Kontrastverhältnis 12:1) deutlich zu erkennen.

Das Kontrastverhältnis des Onyx Boox T68 hinkt ein wenig hinterher

Kontrastverhältnis ohne Beleuchtung (höher ist besser)

  • Sony PRS-T2 13:1
  • Sony PRS-T3 12:1
  • ImCoSys ImcoV6L 12:1
  • PocketBook Touch Lux 2 11,5:1
  • Tolino Shine 11:1
  • Kobo Glo 10:1
  • Onyx Boox T68 9:1

Welche Ursache der geringere Kontrast hat, lässt sich nicht feststellen ohne das Gerät auseinanderzunehmen. Aber dem Helligkeitsverlauf nach zu urteilen (das Display wird unter dem Mikroskop mit 6 LEDs beleuchtet) liegt es weniger am E-Ink Bildschirm an sich, sondern eher am kapazitiven Touchscreen oder der Lichtleiterfolie. Im Endergebnis macht das letztendlich aber keinen großen Unterschied, sodass man hierzu abschließend leider sagen muss, dass der Kontrast bei den kleineren Konkurrenzprodukten sichtbar besser ist.

Das E-Ink Pearl Display des Onyx Boox T68 kann mit deaktivierter Beleuchtung nicht mit dem Kindle Paperwhite mithalten

Die Bedienung erfolgt über einen kapazitiven Touchscreen, dessen Sensorgitter selbst bei ungünstigem Lichteinfall völlig unsichtbar ist. Damit hebt sich der Onyx Boox T68 positiv von der Konkurrenz wie z.B. dem Pocketbook Touch Lux 2 oder Imcosys Imcov6l ab. Negativ ist hingegen die Berührungsempfindlichkeit zu nennen, die gelegentlich nicht ganz so gut ausfällt, wie sie es sein sollte. D.h. immer wieder muss man etwas stärker auf den Bildschirm tippen, um die gewünschte Aktion auszuführen. Das resultiert dann auch darin, dass die Pinch-To-Zoom-Geste oft nur im zweiten Anlauf gelingt.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Touchscreen offenbar keine Fehlerkorrektur besitzt. Üblicherweise nutzen Geräte mit berührungsempfindlichem Display eine automatische Fehlerkorrektur um die gewünschte Eingabe zu erkennen. Das ist deshalb nötig, da die Fingerspitze nicht nur einen winzigen Punkt (bzw. Pixel) berührt, sondern einen größeren Bildschirmbereich. Mit Hilfe verschiedener Algorithmen errechnet das Gerät dann den besten Schätz- bzw. Mittelwert für die Eingabe, sodass die vom Nutzer gewünschte Aktion ausgeführt wird. Scheinbar entfällt dies beim Boox T68, denn wenn man nicht einhunderprozentig genau auf diverse Bedienelemente tippt, dann wird oft ein anderes nebenstehendes Element betätigt. Das wäre ein Erklärungsmuster – das andere: Der Touchscreen arbeitet grundsätzlich einfach ungenau. Was auch immer nun der Grund dafür ist, letztendlich resultiert diese gefühlte Ungenauigkeit in Verbindung mit der Notwendigkeit fest auf den Touchscreen zu drücken in einer abgebremsten Bediengeschwindigkeit. Besonders bei der virtuellen QWERTZ-Tastatur kann dies sehr nervig sein.

Kontrastverhältnis auch mit Beleuchtung kaum besser

Auch mit aktivierter Beleuchtung verändert sich die Kontrastsituation kaum. In gewissen Beleuchtungssituationen kann man es zwar auf ein maximales Kontrastverhältnis von 10:1 schaffen, aber wirklich gut ist das in Anbetracht der immer besser werdenden Konkurrenz auch nicht. Das nachfolgende Bild zeigt im Vergleich zum Kindle Paperwhite, wo das Problem liegt:

Die Beleuchtung des Kindle Paperwhite (rechts) spielt in einer völlig anderen Liga – der Kontrast deutlich ist besser und sie ist gleichmäßiger

Wie bei den beleuchteten eBook Readern der ersten Generation meist üblich, erhellt sich auch beim T68 mit aktiviertem Licht die Schrift recht deutlich. Zuletzt haben das neben dem Kindle Paperwhite auch der Pocketbook Touch Lux 2 und der Imcosys Imcov6l deutlich besser hinbekommen. In der Praxis bedeutet das für den Onyx eReader, dass man bei Dunkelheit die Schrift zwar gut ablesen kann, aber der Schwarzton unterm Strich sichtbar blasser ist als bei der Konkurrenz.

Kontrastverhältnis mit Beleuchtung (höher ist besser)

  • Kindle Paperwhite 2 15:1
  • PocketBook Touch Lux 2 14:1
  • ImCoSys ImcoV6L 13,5:1
  • Tolino Vision 12,5:1
  • Tolino Shine 12:1
  • Kobo Glo 11,5:1
  • Kobo Aura 11:1
  • Onyx Boox T68 10:1

Positiv ist wiederum die Helligkeitsverteilung der Beleuchtung zu nennen. Es gibt keine störenden Lichthöfe und die typische Schattenbildung am unteren Bildschirmrand fällt ausgesprochen gering aus.

Allerdings muss man leider den deutlich sichtbaren vertikalen Farbverlauf kritisieren. Am unteren Bildschirmrand geht das Licht eher ins bläuliche, während es am oberen Rand eindeutig gelblich wirkt. Schon der Kobo Aura HD hatte mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen, das allerdings nicht ganz so stark ausgeprägt zu sein schien. Möglicherweise hat dies etwas mit der Bildschirmgröße zu tun.

Hohe Minimalhelligkeit kann störend sein

Die minimale Bildschirmhelligkeit ist ebenfalls verbesserungswürdig, denn mit 8,3 cd/m² leuchtet der Onyx Boox T68 auch bei kleinster Einstellung verhältnismäßig hell. Damit ist er zwar ein wenig dunkler als der Imcosys-Konkurrent, aber trotzdem deutlich heller als alle Mainstream-eBook-Reader. Bei absoluter Dunkelheit kann dies für lichtempfindliche Personen durchaus problematisch sein.

Die maximale Helligkeit liegt mit 95 cd/m² auf einem üblichen Niveau und sollte in jeder Situation völlig ausreichend sein. Die Beleuchtung lässt sich in 10 Stunden (inkl. deaktivieren) regulieren.

Maximale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (höher ist besser)

  • ImCoSys ImcoV6L 276
  • Kobo Glo 121
  • Kobo Aura 112
  • PocketBook Touch Lux 2 96
  • Onyx Boox T68 95
  • Kindle Paperwhite 2 91
  • Tolino Vision 51
  • Tolino Shine 41

Minimale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (niedriger ist besser)

  • ImCoSys ImcoV6L 10.6
  • Onyx Boox T68 8.3
  • Kobo Glo 4
  • Tolino Shine 2.4
  • Tolino Vision 2.2
  • Kobo Aura 1.2
  • PocketBook Touch Lux 2 1.1
  • Kindle Paperwhite (2013) 0.2

PWM-Steuerung der LED-Beleuchtung?

Leider muss man noch einen weiteren möglichen Nachteil nennen, der mir bereits in einem früheren Hands-On Video von Oktober 2013 ins Auge gestochen ist und der sich jetzt im Test des Boox T68 zu bestätigen scheint. Offenbar nutzt Onyx eine PWM-Ansteuerung für die LED-Beleuchtung.

In der Praxis heißt das, dass die LEDs des Geräts für das menschliche Auge unsichtbar hochfrequent flackern, um die Lichtstärke zu regulieren. Das kennt man von den meisten Computermonitoren, die ebenfalls auf eine PWM-Ansteuerung setzen. Ganz einfach kann man das kontrollieren, indem man eine Kamera mit einstellbarer Blende besitzt und bei entsprechender Helligkeitseinstellung des Monitors (unter 100%) ein Flackern am Kamera-Bildschirm zu sehen ist. Ähnliches gibt’s auch beim Onyx Boox T68. Das Flackern ist sehr hochfrequent, aber mit der Kamera bei entsprechender Einstellung gut sichtbar.

Das nachfolgende Foto zeigt die typischen PWM-Schatten am Onyx T68 (links). Diese sind mit freiem Auge aufgrund der hohen Frequenz aber nicht sichtbar.

Vermutete PWM-Ansteuerung per Kamera sichtbar gemacht. Kontrast und Farbsättigung wurden zur besseren Sichtbarkeit erhöht. Zum Vergleich Tolino Vision (rechts) ohne die PWM frequenzbedingten Verdunkelungen

Um die letzten Zweifel zu beseitigen, habe ich das Ganze noch mit einem einfachen Setup einer an den PC angeschlossenen Photodiode via Oszilloskop-Software geprüft. Auch hier zeigt sich im Gegensatz zu jedem anderen bisher geprüften eBook Reader ein sehr hochfrequentes Flackern. Kein anderer eReader (Tolino, Amazon, Kobo & Co.) zeigt im Oszilloskop solche Sprünge (siehe unten). Die abgebildeten Störungen sind dabei dem relativ einfachen Anschluss der Photodiode an den Computer verschuldet – darüber darf man sich bitte nicht wundern. An den grundsätzlichen Messergebnissen ändert das jedoch nichts.

Es liegt also Nahe, dass beim Onyx Boox T68 tatsächlich eine PWM-Ansteuerung zum Einsatz kommt. Auch wenn ich diese Frage aufgrund fehlenden besseren Equipments nicht abschließend beantworten kann, so deutet doch einiges darauf hin. Da nicht geklärt ist, ob das typische LED-Flackern tatsächlich für trockene Augen, Kopfschmerzen etc. verantwortlich ist, und das Flackern mit freiem Auge völlig unsichtbar ist, gibt es jedoch keine Abwertung. Dennoch wäre es bei einem dedizierten Lesegerät auf jeden Fall wünschenswert, wenn keine Kompromisse und Risiken in Kauf genommen werden und die Hersteller weiterhin auf eine flimmerfreie DC-Ansteuerung setzen.

PWM-Ansteuerung beim Onyx Boox T68?

Zwischenfazit zur Abbildleistung

Während der Android-Konkurrent Imcosys Imcov6l in Hinblick auf den Bildschirm eine positive Überraschung geliefert hat, sieht es beim Onyx Boox T68 leider ein wenig anders aus. Der hochauflösende E-Ink Bildschirm ist zwar gestochen scharf, aber leider hinsichtlich des Kontrastverhältnisses weit abgeschlagen.

Dabei sind die hier genannten Messwerte nicht nur mit den passenden Geräten erkennbar, sondern auch mit freiem Auge im direkten Vergleich problemlos sichtbar. Zum vergleichsweise hohen Preis müsste Onyx in meiner Meinung nach mehr bieten. Auch die offenbar verwendete PWM-Ansteuerung für die Beleuchtung wirft kein gutes Licht auf die Technik.

Dabei sollte man aber zumindest nicht außer Acht lassen, dass der eBook Reader trotz der Kritik dennoch gut ablesbar ist. D.h. man wird den Boox T68 ebenso wie die Konkurrenz zum entspannten Lesen nutzen können. Man muss sich aber eben nur im Klaren darüber sein, dass das Mehr an Android-Funktionalität in diesem Fall auf Kosten einer besseren Ablesbarkeit geht.


Kommentare: