Nachfrage nach eBook Readern im stationären Buchhandel sehr gering

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In den letzten Tagen haben sich die Erfolgsmeldungen am eBook Markt mit den weniger erfolgreichen die Waage gehalten bzw. laufend abgewechselt. Während die E Ink Holding den Umsatz im Januar steigern konnte, eBook.de ein eBook-Rekordjahr hinter sich hat und Amazon rund 20 Prozent des deutschen Buchmarktes kontrolliert, mussten Thalia und die Tochter Buch.de Verluste einstecken.

Trotz der wechselhaften Meldungen ist aber eine Sache klar: Der eBook Markt wächst. Im Jahr 2012 ist das Verkaufsvolumen mit den digitalen Büchern um 150 Prozent gestiegen. Da stellt sich natürlich die Frage, wer die Marktentwicklung besonders gut nutzen kann und wer weniger gut. Der stationäre Buchhandel ist dabei aufgrund dieser neuen Dymaniken am Buchmarkt immer wieder im Blickpunkt.

Sehr niedrige eBook Reader Umsätze im stationären Buchhandel

So auch in einer Umfrage von Buchreport, welche wissen wollten, wie viele eBook Reader im stationären Buchhandel eigentlich über die Ladentheke gehen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Im Dezember 2012, dem stärksten Monat im Einzelhandel, haben 70 Prozent der eReader führenden Unternehmen nur fünf eBook Reader verkauft. Richtig gelesen: Fünf Stück im ganzen Monat. Im Jahresverlauf dürfte die Sache noch schlechter aussehen.

Umso größer das Unternehmen, desto besser waren allerdings auch die Verkaufszahlen der digitalen Lesegeräte. Bei einem Jahresumsatz ab 1 Million Euro berichten rund 30 Prozent, dass sie mehr als 25 Geräte im Dezember verkauft hätten – mit einigen deutlichen Ausreißern nach oben, wie es seitens Buchreport heißt. Besonders viel erscheint mir aber auch das nicht.

Von den kleinen Buchhandlungen bietet nur etwa jede zweite eBook Reader an, bei den größeren sind es 85 Prozent. An der Umfrage haben 300 Händler teilgenommen, wobei man 292 vollständig ausgefüllte Rückantworten erhalten hat.

Strukturelle Probleme und Amazon als Hauptkonkurrent am eBook Markt

Das Hauptproblem ist aus Sicht der Buchhändler auf strukturelle Probleme zurückzuführen: Die Margen sind niedrig, der Beratungsaufwand zu hoch und Kunden kaufen eher im Elektronik- oder Onlinehandel. Wie so oft wird Amazon hier auch als großer Rivale angeführt, wobei man bemängelt, dass man dem eBook-Trend möglicherweise zu spät gefolgt ist und Amazon hier zu lange das Feld überlassen hat.

Zumindest das letzte Argument mag vielleicht für die USA gelten, aber sicher nicht für Deutschland. Amazon hat sich beim deutschen Kindle-Start sehr viel Zeit gelassen. Der eBook-Markt ist in den USA in der Zwischenzeit förmlich explodiert, sodass man eine ähnliche Entwicklung hierzulande nicht nur in der Glaskugel sehen konnte. Das Problem war hier eindeutig das fehlende Angebot des deutschen Buchmarktes.

Mit einer Sache scheint man aber wohl recht zu haben: Amazon ist inzwischen zum Schwergewicht am deutschen eBook-Markt gewachsen. Die Kindle eBook Reader gehören zu den meistverkauften Elektronikartikel bei Amazon, was in Anbetracht des gewaltigen Gesamtumsatzes von 6,5 Mrd. Euro für den deutschen Ableger mit Sicherheit eine beträchtliche Anzahl an Geräten ist. Umso brisanter werden die Zahlen, wenn man bedenkt, dass sich der eBook-Anteil am Gesamtbuchmarkt im letzten Jahr verdoppelt hat. Da der stationäre Buchhandel keine nennenswerten Umsätze mit eBook Readern macht, braucht man nicht lange zu spekulieren, wo viele der Kunden landen. In Anbetracht des geschlossenen Kindle-Systems dürften letztendlich auch das Gros der Amazon-Kunden in deren System bleiben und dort die meisten eBook-Umsätze generieren.