2012 wurden 12,3 Millionen eBooks in Deutschland verkauft; +150 Prozent

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Bereits im September 2012 meldete Media Control einen rasanten Anstieg der eBook Verkäufe für die erste Jahreshälfte. 4,59 Millionen eBooks wurden demnach in den ersten sechs Monaten des Vorjahres verkauft – fast so viel wie im gesamten Jahr 2011 (4,9 Millionen). Der eBook-Anteil am Gesamtbuchmarkt verdoppelte sich damit auf rund 2 Prozent.

Kurz danach hat auch eine ähnliche Meldung des Marktforschungsunternehmens GfK das eBook-Wachstum bestätigt. eBooks waren laut GfK-Umfrage das am schnellsten wachsende Segment am Download-Markt, welcher 10 Prozent des gesamten Entertainment-Marktes ausmacht (Musik, Spiele, Software, Filme und Bücher). Davon entfielen in der ersten Jahreshälfte 2012 11 Prozent auf eBooks. Aber nicht nur die digitale Lesekost selbst hat ein beeindruckendes Wachstum hingelegt, sondern auch die Lesegeräte. Im Oktober 2012 prognostizierte Bitcom dem eBook Reader Markt ein 247 prozentiges Wachstum.

Deutliches eBook-Wachstum fängt sinkende Papierbuchverkäufe auf

Nun werden alle diese Meldungen bestätigt und zeigen in der neuesten Untersuchung von Media Control wie erfolgreich der eBook Markt tatsächlich ist. Im Jahr 2011 wurden 4,9 Millionen eBooks verkauft, im Jahr 2012 waren es schon 12,3 Millionen Stück. Das entspricht einer Steigerung von über 150 Prozent. Nochmals wird der Anteil am Gesamtbuchmarkt bestätigt, welcher nun 2 Prozent beträgt und sogar zur Folge hatte, dass der Rückgang bei Taschenbüchern und Hardcovern aufgefangen werden konnte, sodass der Buchmarkt ein Wachstum von 0,3 Prozent verzeichnen konnte.

Wie bereits zu erwarten war, konnte im Weihnachtsgeschäft der größte Umsatz mit eBooks gemacht werden. Fast die Hälfte des gesamten Jahresumsatzes wurde im vierten Quartal erwirtschaftet. 5,8 Millionen eBooks wurden in diesem Zeitraum verkauft.

Im Jahr 2012 ist der Durchschnittspreis von eBooks gleichzeitig um fast einen Euro von 9,56 Euro im Jahr 2011 auf 8,61 Euro gefallen.

Seitens Media Control kommentiert man die Entwicklung: „Die E-Book-Marktdaten 2012 bestätigen nicht nur unsere Prognose zur Frankfurter Buchmesse, sondern sind auch ein Beleg für das steigende digitale Engagement seitens Verlagen und Händlern. Ob ’shades of Grey‘, Nele-Neuhaus-Krimi oder Ken-Follett-Roman: Dank eines immer differenzierteren Angebots, leistungsfähiger Lesegeräte und sinkender technischer Barrieren findet der digitale Lesespaß eine wachsende Anhängerschaft.“

Gute Aussichten für das eBook im Jahr 2013

Die nun ermittelten Verkaufs- bzw. Wachstumszahlen belegen nicht nur die wachsende Beliebtheit von eBooks, sondern zeigen auch, dass alle Prognosen der letzten Jahre völlig daneben lagen. Im Oktober 2011 hatte Texttunes in Zusammenarbeit mit Thalia und GfK eine umfangreiche Analyse des eBook-Marktes inkl. mehrjähriger Prognosen vorgestellt. Rückblickend lässt sich sagen, dass man mit den Schätzungen wohl zu konservativ war.

Für 2011 hatte man damals 3,72 Millionen eBook Verkäufe vorhergesagt, 2012 sollten es dann 7,03 Millionen sein. 15,72 Millionen eBooks sollen es laut dieser Prognose im Jahr 2013 werden, was man aber wohl getrost verwerfen kann. Stattdessen wird sich die Anzahl der eBook-Verkäufe für dieses Jahr aller Voraussicht nach im Bereich um 25 bis 30 Millionen Stück bewegen. So schätze ich die Lage zumindest anhand der vergangenen Prognosen und der aktuellen Verkaufszahlen ein. Wie siehst du das? Lass es uns in einem Kommentar wissen!

Deutscher Buchhandel muss sich beeilen

Für den deutschen Buchhandel heißt es jedenfalls: Schnell handeln. Auch wenn Libri sich mit dem (Neu-)Start der Plattform eBook.de eindeutig positioniert hat, man ist doch die Ausnahme. Kein anderer Händler hat sich so klar zum eBook bekannt wie Libri.

Die deutschen Händler scheinen jedenfalls noch kein Konzept gefunden zu haben, um den Angeboten der internationalen Konkurrenz von Amazon, Kobo und Apple das Wasser zu reichen. Selbst wenn ein eigener eBook Store im verkauften Lesegerät integriert ist, die Implementation ist sowohl von der Zugänglichkeit, als auch von der Funktionalität im Normalfall deutlich hinter den Global Players.

Es ist daher allerhöchste Zeit, dass auch heimische Anbieter ein ganzheitliches Angebot auf den Tisch legen und entsprechend vermarkten, denn andernfalls verliert man den Anschluss und die Übersee-Konkurrenz wird den heimischen eBook-Markt kontrollieren. Und wie man von anderen Bereichen weiß: Wenn ein Kunde erstmal in einem Ökosystem eingebunden ist, dann fällt es schwer, das wieder zu verlassen. Besonders wenn die Kompatibilität zu anderen nicht gegeben ist (wie z.B. bei Amazon).