Konzept: Rahmenlose eBook Reader als nächste Evolutionsstufe

22. Mai 2015
Lesezeit: 5:15 Min.
Konzept: Rahmenlose eBook Reader als nächste Evolutionsstufe

Vor wenigen Tagen haben wir die Vor- und Nachteile einer planen Gehäusefront bei eBook Readern erläutert. Die Bauform kommt auch bei dedizierten Lesegeräten immer häufiger zum Einsatz und erfreut sich bei den Nutzern durchaus großer Beliebtheit. Die Annäherung zum Tablet-Layout ist nach der Touchscreen-Revolution und dem damit verbundenen, mehrheitlichen Wegfall der Hardwaretasten, die wohl größte Designänderung bei eReadern. Damit muss das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht sein.

Sowohl in den Kommentaren zum zuvor genannten Artikel, als auch schon zu früheren Zeitpunkten in unserem Forum haben sich gelegentlich Nutzer gemeldet, die den aus ihrer Sicht perfekten eBook Reader beschrieben haben. Dabei sollte eine der Funktionen ein möglichst bis an die Ränder verlaufendes Display sein, sodass ein (fast) rahmenloses Gerät entsteht. So gibt es dann keinen Farbunterschied mehr zwischen Texthintergrund und den seitlichen Flächen.

Die Vorteile einer solchen Bauform wären ein subjektiv hellerer Hintergrund, sowie die Möglichkeit den vollständigen 6 Zoll Bildausschnitt ohne Randabstände zu nutzen.

Rahmenloser eReader am Beispiel des Kindle Voyage

Die Idee fand ich so ansprechend, dass ich kurzerhand ein paar Konzeptzeichnungen auf Basis des Kindle Voyage entworfen habe, die zeigen, wie ein solch rahmenloses Lesegerät aussehen könnte.

Rahmenloser Kindle Voyage – Konzeptzeichnung, im Vergleich zum aktuellen Kindle Voyage Modell

Dazu ein paar Worte: Zunächst stand die Überlegung im Raum das Display auch weit an die oberen und unteren Ränder des Geräts auszudehnen. Im Sinne der möglichen Machbarkeit habe ich dann wieder Abstand davon genommen, denn diverse Hardwarekomponenten (z.B. LEDs oder Helligkeitssensor) sitzen üblicherweise unter- oder oberhalb des Displays. Diese Angriffsflächen habe ich daher behalten.

Die seitlichen Ränder mussten allerdings, wie ursprünglich angedacht, weichen. Anstatt eines abgedunkelten Gehäuserahmens, ist die gesamte Displayfläche nun transparent. Der E-Ink Bildschirm zieht sich dabei über die ganze Gerätebreite, sodass es seitlich des Textes keine Abdunkelung gibt und der vorhin genannte Wahrnehmungsvorteil voll zum Tragen kommt. Auf diese Weise wirkt die digitale Buchseite heller, luftiger und weniger eingezwängt.

Für den „Bildschirmschoner“ lässt sich die ganze Displayfläche nutzen

Das Konzept sieht dabei eine unveränderte Größe für den funktionalen Bereich des Bildschirms vor, d.h. Text und sonstige Anzeigeelemente zur Bedienung werden weiterhin nur im gleichen 6 Zoll Bereich angezeigt, wie dies auch bei aktuellen Modellen der Fall ist. Der Randbereich wird nicht aktiv genutzt.

Gleiches gilt somit für die Bedienbarkeit: Die berührungsempfindliche Fläche bleibt unverändert, d.h. seitlich des Hauptanzeigebereichs sind keine Touch-Eingaben möglich. Die blaue Fläche stellt den begrenzten Anzeige- und Bedienbereich dar:

Die Touchscreenfläche bleibt unverändert

Ist das überhaupt machbar?

Wie man bereits an einem der vorigen Bilder gesehen hat, wurden die PagePress-Tasten des Kindle Voyage in das Konzept eingearbeitet. D.h. der seitliche Displaybereich soll weiterhin zum Vor- und Zurückblättern genutzt werden können (ohne sonstige Touch-Funktionalität). Dabei stellt sich aber natürlich die Frage der Umsetzbarkeit, denn während das Wachstum des Displays und die darüber transparente Front technisch problemlos machbar sein dürften, sieht es mit den PagePress-Sensoren etwas schlechter aus.

In der aktuellen Bauform sind die Sensoren direkt am Gehäuse des Voyage angebracht und messen eine Veränderung der Oberflächenspannung. Eine solche Messung ist in den abgebildeten Konzeptzeichnungen nicht möglich. Hier müsste die Konstruktion oder genutzte Messtechnik verändert, oder die Blätterfunktion per Tasten-Sensorik gänzlich weggelassen werden.

Im konkreten Beispiel bleibt die Gerätegröße unverändert, d.h. die Maße des abgebildeten rahmenlosen eReaders sind exakt gleich wie beim aktuellen Kindle Voyage. Dies ließe sich aber natürlich entsprechend variieren, wobei eine zu große Verringerung der Breite im Sinne einer ausreichend großen seitlichen Angriffsfläche vermieden werden sollte.

Rahmenloses Kindle-Kozept, einmal mit PagePress-Sensoren …

… und einmal ohne

Ein Nachteil dieser Bauform ist zweifellos die fehlende optische Abgrenzung des Touchscreens, sodass unbeabsichtigte Eingaben zumindest in der Eingewöhnungsphase einfacher passieren würden, als dies bei aktuellen Modellen mit planer Gehäusefront der Fall ist.

Die Größe des E-Ink Bildschirms würde beim abgebildeten Konzeptgerät auf 6,6 bis 6,7 Zoll wachsen, wobei – wie mehrfach erwähnt – die aktive Anzeigefläche mit 6 Zoll gleich bleibt. Das ließe sich aber grunsätzlich ändern, sodass man diverse Zusatzinformationen (Uhrzeit, Datum, Buchseite, usw.) auch im Außenbereich anzeigen könnte.

Fazit

Schon als ich zum ersten Mal von der Überlegung, den Bildschirm bis an die Geräteränder auszudehnen, gelesen habe, war ich von der Idee durchaus angetan, denn ein hellerer Gehäuserahmen sorgt für eine subjektiv luftigere und sattere Darstellung des Anzeigebereichs bzw. Texts.

Nachdem ich die erste Konzeptzeichnung fertiggestellt hatte, gefiel mir die Optik so gut, dass ich weitere Bilder erstellt und das Ganze zu diesem Artikel ausgearbeitet habe. Ursprünglich sollte es bei einem einzelnen Bild bleiben – ohne dazugehörigen Artikel.

Der Text des Konzept-eReaders wirkt in meinen Augen nicht so eingezwängt, womit das Ganze dank der offenen, seitlichen Ränder noch stärker an eine normale Buchseite aus Papier erinnert.

Neben dem Text ließe sich dieses Gerät auch ohne Fehleingaben anfassen

Die Optik des entstandenen, (fast) rahmenlosen eBook Readers ähnelt dabei ein wenig dem Apple iPad Mini und anderen Tablets mit einem vergleichbaren Seitenverhältnis und schmalen seitlichen Gehäuserand.

Ob nun mit seitlichen Blättertasten, oder ohne – ich hoffe, dass ein Hersteller diese Idee (die wohlgemerkt nicht von mir stammt) irgendwannn aufgreift und umsetzt. Damit könnte man dem aktuell bestehenden Einheitsbrei entfliehen und die Anzeigequalität (zumindest subjektiv) weiter verbessern. Die Luft sollte man allerdings nicht anhalten, denn aktuell nutzen die allermeisten Hersteller diverse Referenzdesigns mit offensichtlich nur geringen Anpassungen an der Hardware. Für das hier abgebildete Gerät wären vergleichsweise große Änderungen notwendig, beginnend bei der Displayproduktion der E-Ink Holdings.

Wie siehst du das? Gefällt dir das Konzept, oder findest du die Idee ebenso wenig überzeugend wie die Optik? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

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