TEST: Bookeen HD Frontlight (Thalia Edition)

27. November 2012
Lesezeit: 25:11 Min.

Während Thalia im letzten Jahr noch auf eBook Reader von Sony und den eigenen eher erfolglosen Oyo gesetzt hatte, geht der Buchhändler diesmal in die Vollen und setzt alles daran sich nun endgültig als großer Mitspieler am heimischen eBook-Markt zu positionieren. Das macht Thalia indem man in jeder Preisklasse ein eigenes Gerät anbietet und damit sowohl technisch als auch preislich mit den großen internationalen Konzernen aus Amerika mithalten kann.

Wir testen heute das eBook-Reader-Flagschiff von Thalia, den Booken HD Frontlight. Der 129 Euro teure eBook Reader verfügt über eine eingebaute Beleuchtung und ein hochauflösendes 1024×758 Pixel Display und tritt damit direkt gegen den Kobo Glo und Amazon Kindle Paperwhite an. Wie sich der Thalia-Reader schlägt, erfährst du im nachfolgenden Test.


Bildergalerie

Unboxing

Der Bookeen Cybook Odyssey HD Frontlight, oder kurz Bookeen HD Frontlight (wie er von Thalia genannt wird), wird in einer hübschen Kartonverpackung geliefert. Der Lieferumfang hält keine Überraschungen parat: Neben dem eBook Reader selbst, befinden sich eine mehrsprachige Schnellstartanleitung und ein Micro-USB-Kabel in der Verpackung. Im Gegensatz zu anderen Lesegeräten ist bei Auslieferung am Bookeen HD Frontlight keine Plastikfolie auf dem Bildschirm (sollte sich jemand wundern).

Wie gut schlägt sich der Bookeen HD Frontlight (mitte) gegen Amazon Kindle Paperwhite (links) und Kobo Glo (rechts)?

Verarbeitung

Im Gegensatz zu Kobo Glo und Amazon Kindle Paperwhite verfügt der Bookeen HD Frontlight über eine Menütaste und zwei Blättertasten. Das kommt dem Bedienkomfort positiv zugute. Die kreisrunde Menütaste befindet sich unter dem Bildschirm und jeweils eine Blättertaste links und rechts des Displays. Die Tasten haben allesamt einen guten Druckpunkt und lassen sich damit auch gut bedienen.

Auf der Unterseite des Geräts sind Micro-USB-Anschluss und MicroSD-Karten-Einschub, sowie die Power-Taste. Im Gegensatz zum ersten Cybook Odyssey handelt es sich bei der Einschalt-Taste nicht um einen schlecht zu bedienenden Schieber, sondern um einen guten Druckknopf.

Das Gehäuse besteht zum größten Teil aus schwarzem, glatten Plastik. Das Produktbild von Thalia (welches wir auch am Anfang des Testbericht verwenden) zeigt eine bräunliche Gehäusefärbung – die ist allerdings nicht vorhanden. Lediglich der Rahmen um den Bildschirm und ein 1 Zentimeter breiter Ausschnitt auf der Rückseite bestehen aus einem leicht gummierten, weicheren Material. Der Bildschirmrahmen ist außerdem grau, nicht schwarz.

Die Rückseite des Bookeen HD Frontlight ist nicht vollständig gummiert

Die Rahmenkonstruktion um den Bildschirm ist eher ungewöhnlich, denn die meisten eBook Reader verwenden einen einteiligen Gehäuseaufbau. Allerdings stört das nicht, sodass es auch keineswegs als Mangel anzusehen ist. Positiv hervorzuheben ist, dass es keinerlei Logo oder Schriftzug an der Vorderseite des Geräts gibt.

Auch wenn sich die Materialwahl, das Tastenlayout und der Aufbau durchaus positiv lesen, so hinterlässt der Bookeen HD Frontlight leider einen etwas durchwachsenen Eindruck was die Verarbeitung angeht. Unser Testgerät wurde urspünglich bei Thalia im Internet bestellt und auch schnell geliefert. Direkt nach dem Auspacken musste ich aber feststellen, dass bei der Herstellung offenbar ein winziges Stück gelber Klebstoff zwischen eInk-Display und Touchscreen gelangt ist. Der Fleck war am unteren Bildschirmrand deutlich zu sehen und hat bei aktivierter Beleuchtung auch eine gelbe Verfärbung des Lichts zur Folge gehabt. Na gut, kann ja Mal passieren.

Das Gerät habe ich in einer Thalia Filale problemlos retourniert (Kreditkarte war durch den Internetkauf zu dem Zeitpunkt noch nicht belastet) und ein neues gekauft. Obwohl ich den neuen Bookeen HD Frontlight noch vor Ort auf den gleichen Mangel unter die Lupe genommen habe, sind mir zwei Dinge erst zuhause aufgefallen: Der Rahmen um das Display saß nicht richtig und ein winziger Lichtfleck in Form eines leuchtenden Pixels war mitten am Bildschirm zu sehen.

Am nächsten Tag ging es daher wieder zurück zur Thalia-Filiale und ein neuerlicher Austausch wurde (anstandslos) vorgenommen. Lob hierfür! Der Bildschirm des Geräts ist nun absolut fehlerfrei, allerdings sind die Spaltmaße der rechten Blättertaste sichtbar ungleichmäßiger als bei den beiden Tauschgeräten zuvor. Da dies aber keinen negativen Einfluss auf Bedienbarkeit oder Lesbarkeit hatte, wollte ich das Gerät nicht nochmal umtauschen.

Auch das dritte Gerät ist nicht perfekt verarbeitet … ungleiche Spaltmaße beim Blätterknopf – haben zum Glück keine Auswirkung auf die Bedienbarkeit

Auch wenn man den Thalia-Service hier positiv erwähnen muss, bleibt ein fahler Nachgeschmack was die Verarbeitung des Bookeen HD Frontlight angeht. Zwar habe ich jetzt ein verarbeitungstechnisch gutes Endgerät erhalten, das aber erst beim dritten Versuch. Schon unser in Frankreich bestellter Bookeen Cybook Odyssey Anfang 2012 hatte Verarbeitungsmängel, was offenbar auf schlechte oder unzureichende Endkontrollen zurückzuführen ist. Für den Verbraucher kann das jedenfalls ärgerlich werden, wenn man den wiederholten Weg zu Thalia antreten muss, um ein fehlerfreies Gerät zu bekommen.

Abgesehen von den genannten Verarbeitungsmängeln macht der Bookeen HD Frontlight aber einen soliden Eindruck und liegt gut in der Hand. Allerdings ist er nicht ganz so leicht wie vom Hersteller deklariert, denn das Gewicht ist höher als angegeben. Auf der Verpackung des Geräts und der Homepage von Bookeen wird der Reader mit 180 Gramm ausgewiesen, tatsächlich bringt er aber etwa 192 Gramm auf die Waage. Das ist zwar kein Beinbruch und in Anbetracht des eher geringen Unterschieds auch im Lesealltag nicht allzu schlimm, aber jedenfalls kostet es dem Bookeen HD Frontlight den Platz als leichtester beleuchteter eBook Reader am Markt.

Ausstattung

Der Bookeen HD Frontlight verfügt über einen 2GB großen internen Speicher, welcher mittels MicroSD-Karte erweitert werden kann. Über die eingebaute WLan-Verbindung kann man auf den integrierten eBook Store von Thalia zugreifen und auch im Internet surfen. Als einer von drei eBook Readern am deutschen Markt, verfügt der Bookeen HD Frontlight über eine eingebaute Beleuchtung. Eine Audiofunktion hat der Bookeen HD Frontlight nicht.

Display & Beleuchtung

Der Bookeen HD Frontlight verfügt über ein 6 Zoll eInk Pearl Display. Die Auflösung beträgt 1024×758 Pixel, womit er zu den am höchsten auflösenden eBook Readern am Markt gehört. Der kleinere Bruder Bookeen Cybook Odyssey verfügt z.B. über die gängigere Auflösung von 800×600 Pixel. Die höhere Bildschirmauflösung bei gleichgebliebener Displaydiagonale resultiert in einer höheren Pixeldichte, was besonders bei kleinerer Schriftgröße in einer besseren Schärfe resultiert.

Wie man schon im Vergleich zwischen Kobo Glo (1024×758 Pixel) und Sony PRS-T2 (800×600 Pixel) gesehen hat, ist der Unterschied in der Schriftschärfe bei „normaler“ Schriftgröße (ca. Taschenbuchgröße) eher gering, was daran liegt, dass sich über dem Bildschirm des Kobo Glo eine Folie befindet, welche die Kantenschärfe verschlechtert. Der Bookeen HD Frontlight hat ebenfalls eine solche Folie, wodurch genau der gleiche Effekt zustande kommt. Nicht falsch verstehen, das Display des Bookeen HD Frontlight ist sehr scharf – schärfer als das irgendeines 800×600-Pixel-Readers. Der Unterschied ist aber eben bei normaler Schriftgröße nicht sofort sichtbar.

Eine Besonderheit des Bookeen Geräts stellt das High Speed Ink System, kurz HSIS, dar. Dabei handelt es sich um Soft- und Hardwareoptimierung des eInk-Bildschirms, welche die Geschwindigkeit und Akkulaufzeit des Geräts verbessern sollen. In der Praxis macht sich dies durch flüssige Animationen bemerkbar – z.B. beim Öffnen eines Buches, oder den scrollbaren Listen. Für den reinen Lesebetrieb konnte ich keine sichtbaren Auswirkungen sehen.

Der gemessene Kontrastwert am Kobo Glo (links) liegt bei 10:1, beim Bookeen HD Frontlight (rechts) bei 11,5:1

Positiv hervorheben muss man am Bookeen HD Frontlight auf jeden Fall den Schwarzwert des Bildschirms. Im Vergleich zwischen Kobo Glo und Sony PRS-T2 kam nämlich zutage, dass der Kobo Glo ein blasseres Schriftbild liefert, was ebenfalls die Lichtträgerfolie zu verschulden hat. Beim Bookeen HD Frontlight hätte ich etwas ähnliches erwartet – aber das Gegenteil ist der Fall: Der neue Thalia Reader bietet einen besseren Kontrast und damit ein besser ablesbares Display als der Kobo Glo. Auch bei aktivierter Beleuchtung ist der Unterschied zum Kobo Glo zugunsten des Bookeen HD Frontlight recht deutlich zu sehen.

Die Beleuchtung erfolgt auf die gleiche Art wie bei der Konkurrenz. Im Rahmen des Readers befinden sich 5 LEDs, welche eine Lichtträgerfolie von unten beleuchten und damit eine gleichmäßige, augenschonende Ausleuchtung des Bildschirms ermöglichen. Diese lässt sich in 20 Stufen regulieren, wobei die niedrigste Stufe schon völlig ausreicht um bei absoluter Dunkelheit zu lesen. Hellere Einstellungen sind besonders bei Tageslicht nützlich, denn auch hier zahlt sich die Beleuchtung aus. Der Bildschirmhintergrund wird deutlich heller, womit sich auch das Kontrastverhältnis sichtbar verbessert.

Bei ausreichender Raumbeleuchtung ist der Bildschirm auch ohne aktivierter Beleuchtung sehr gut ablesbar …

… noch besser ist es allerdings, wenn man das Licht aktiviert

Die Gleichmäßigkeit der eingebauten Beleuchtung ist ein sehr wichtiger Punkt, bei dem der Bookeen Reader ebenfalls überzeugen kann. Zwar ist die Ausleuchtung nicht 100 prozentig gleichmäßig, aber trotzdem auf sehr hohem Niveau. Am unteren Bildschirmrand gibt es eine deutliche Schattenbildung, welche man schon beim Kobo Glo gesehen hat. Sie ist der Beleuchtungstechnik verschuldet und tritt bei allen drei beleuchteten Readern (Amazon Kindle Paperwhite, Kobo Glo, Bookeen HD Frontlight) auf. Der Effekt ist allerdings eine Spur stärker als am Kobo Glo und Kindle Paperwhite.

Jeder beleuchtete eBook Reader hat eine eigene Bildschirmfärbung, welcher durch die Verwendung unterschiedlicher LEDs zustande kommt. Die Beleuchtung des Bookeen HD Frontlight geht sehr deutlich ins bläuliche, was für den einen oder anderen störend sein mag, ich persönlich aber völlig in Ordnung finde.

Bookeen verwendet einen kapazitiven Touchscreen, um Nutzereingaben zu erkennen. Wie für die Beleuchtung auch, kommt hier eine eigene touchsensitive Folie zum Einsatz. Die Eingaben werden zuverlässig und schnell erkannt – Multitouchgesten funktionieren ebenfalls.

Unterm Strich bietet der Bookeen HD Frontlight dank seines guten Bildschirms und der tollen Beleuchtung ein sehr gutes Leseerlebnis. Mir persönlich gefällt die Ablesbarkeit (besonders dank des besseren Kontrasts) des Displays sogar besser als am Kobo Glo.


Kommentare: