DRM entfernen: Wissenswertes, Fragen und Antworten

18. Februar 2016
Lesezeit: 11:45 Min.
DRM entfernen: Wissenswertes, Fragen und Antworten

Kaum ein anderes eBook-Thema lässt die Wogen so hochgehen wie der DRM-Schutz. Aber nicht nur die bloße Existenz wird kontrovers diskutiert, auch das DRM-Entfernen erhitzt die Gemüter. Unklar ist dabei allerdings oft, ob man den Kopierschutz eigentlich entfernen darf. Der nachfolgende Beitrag klärt in aller Kürze über die Modalitäten am Markt.

Bevor es ans Eingemachte geht, will ich anmerken, dass die theoretische Debatte um die Legalität zum DRM-Entfernen schon längst durch die Praxis eingeholt wurde. Mittlerweile befreien viele digitale Leseratten ihre eBooks oft vom lästigen Kopierschutz. Dadurch können sie die Werke plattformübergreifend, ohne Einschränkungen verwenden.

Zu Beginn unterscheiden wir zwischen zwei unterschiedlichen Kopierschutzarten: Hartes und weiches DRM.

Stolperstein Hartes DRM, zwei Welten

Im Gegensatz zum Papierbuch erwirbt man beim Kauf eines Digitalwerks nicht das Besitzrecht, sondern nur eine Nutzungslizenz. Ein eBook befindet sich im Normalfall also fast nie im Kundenbesitz – der Käufer darf es lediglich (den Geschäftsbedingungen des Verkäufers entsprechend) nutzen. In der Regel bedeutet das bei hartem DRM, dass man die Datei unbegrenzt lange verwenden kann, diese allerdings an ein vordefiniertes Benutzerkonto (des Shops) gebunden ist. Die Verwendung auf eReadern (z.B. von Freunden und Bekannten) die nicht mit dem Kundenaccount verknüpft sind, ist demnach also nicht möglich. Üblicherweise kann man die Dateien auf bis zu fünf unterschiedlichen Endgeräten (mit dem gleichen Konto) nutzen.

Harte Kopierschutzmaßnahmen verhindern außerdem den Zugriff auf den Quelltext des eBooks. Wenn man das Schriftbild aus ästhetischen oder funktionalen Gründen (z.B. bei starker Sehschwäche oder Anzeigeproblemen) anpassen möchte, muss der DRM-Schutz zuerst entfernt werden. Dadurch stellt man die Barrierefreiheit wieder her.

Adobe Adept kommt bevorzugt zum Einsatz

Ein größeres Problem stellt die Zugänglichkeit für Techniklaien dar, denn diese sind bei der erstmaligen Einrichtung ihres eBook Readers oft überfordert. In anderen Worten: Die Inbetriebnahme ist zumindest bei einem Teil der eBooks um ein Vielfaches komplizierter als der Kauf und Lesegenuss eines Druckbuches.

Weit verbreitet: Kopierschutz mit Adobe DRM

Das ist insbesondere beim Kopierschutz von Adobe der Fall. Das US-Unternehmen bietet Geschäftskunden die Möglichkeit, eBooks mit dem hauseigenen DRM gegen unbefugte Kopien zu schützen.

Das Ganze wird üblicherweise schlicht als Adobe DRM bezeichnet und ist abseits Amazons der geläufigste Kopierschutz für eBooks. Es wird von quasi allen Anbietern genutzt, was bedeutet, dass man sich beim eBook Reader Neukauf keine allzu großen Gedanken machen muss, und die bereits erworbenen eBooks in den meisten Fällen weiterhin nutzen kann. Die Ausnahme von dieser Regel ist Amazon mit dem Kindle-System (siehe nächsten Punkt).

Das größte Problem des Adobe Systems ist die zum Teil unnötig komplizierte Zugangsweise. Zur Nutzung benötigt man neben dem normalen Shop-Benutzerkonto auch eines bei Adobe. Die gekauften eBooks werden dann mit der Adobe ID verknüpft, sodass diese nur geöffnet werden können, wenn das Lesegerät damit autorisiert wurde.

Lesetipp: Hier findest du eine bebilderte, leicht verständliche Anleitung zur Einrichtung einer Adobe ID und Freischaltung deines eReaders.

Kindle Ökosystem als Gegenspieler

Das zweite wichtige DRM-System stammt von Amazon und ist direkt in das Kindle Ökosystem integriert. Hier kommt kein externer Dienstleister zum Einsatz, was die Nutzung für Kunden insofern praktischer macht, als dass man sich nur mit dem Amazon Konto einloggen muss und schon loslesen kann. Eine weitere Registrierung ist hier nicht nötig.

Weil Amazon die gekauften eBook Reader automatisch mit dem Benutzerkonto verknüpft, muss man bei der Aktivierung nicht einmal die Login-Daten eingeben. Dadurch klappt die Inbetriebnahme eines Kindle eReaders ganz besonders einfach.

Der größte Nachteil des Systems betrifft jedoch die Geschlossenheit. Während Adobe DRM allen interessierten (und zahlenden) Geschäftskunden offen steht, ist Amazons System eine exklusiv hauseigene Sache und kann nicht von anderen eBook Anbietern genutzt werden. Das führt dazu, dass die allermeisten Shops keine eBooks im Kindle-Format anbieten (was ohne DRM durchaus möglich wäre).

Die Nutzungsbestimmungen sind im Grunde sehr ähnlich zu den Adobe-eBooks, sodass man als Käufer nur eine Nutzungslizenz erwirbt, die Datei aber nicht besitzt.

Sinnvolle Alternative: Weicher Kopierschutz

Auch beim weichen Kopierschutz (oder Soft-DRM) gelten vereinbarte Lizenzbestimmungen zwischen Händler und Käufer. Der Kopierschutz zielt allerdings nicht auf eine Hürde bei der Weitergabe ab, sondern auf einen gewissenhaften Umgang mit den erworbenen Dateien. Gleichzeitig bietet weiches DRM eine unkomplizierte Nutzbarkeit, denn es gibt keine besonderen Einschränkungen. Eine gesonderte Autorisierung, wie bei Adobe DRM, ist nicht nötig.

Das wird durch ein digitales Wasserzeichen erreicht, bzw. eine Dateisignatur. Das ist meist eine versteckte, bei normaler Nutzung unsichtbare, Zeichenkette, mit deren Hilfe man ein eBook im Falle der Weitergabe bis zum Käufer zurückverfolgen kann.

Dies soll sicherstellen, dass die eBooks nicht wahllos verteilt werden. Gelangt eine solch geschützte Datei in Tauschbörsen, kann man den Käufer ggf. für die unautorisierte Weitergabe belangen. Es handelt sich um eine psychologische Maßnahme um das Kopieren zu verhindern oder zumindest einzuschränken. Aufgrund des fehlenden Einheitsstandards lässt sich weiches DRM nicht einfach entfernen. D.h. Soft-DRM ist trotz einfacherer Handhabung im Grunde auch für die Rechteinhaber sicherer. Einige Endkunden halten dem System aber die Rückverfolgbarkeit aufgrund von Datenschutzbedenken entgegen.

Harry Potter nutzt SoftDRM

Das prominenteste Soft-DRM-Beispiel ist mit Sicherheit die Pottermore (Harry Potter). Dort wird bewusst auf eine zugänglichere, weiche DRM-Lösung gesetzt – mit Erfolg. Alleine im ersten Monat nach dem Start, konnte die Plattform einen Umsatz von 3,72 Millionen Euro generieren.

DRM-Schutz, weit verbreitet, aber …

Das sind also die gängigsten Kopierschutzmethoden. Zur Abbildung des Status Quo werfen wir einen kurzen Blick auf die alte Libreka-Homepage (mittlerweile Buchhandel.de). Es war der einzige eBook-Shop der die Anzahl der verwendeten Maßnahmen explizit aufgelistet hat.

Mit November 2014 wurden insgesamt 1.164.598 eBooks angeboten, wovon der großteil, nämlich 1.042.271 Titel, mit dem Adobe Kopierschutz (hart) versehen waren. Das entspricht einem Anteil von fast 90 Prozent. Immerhin 95.779 eBooks nutzen weiches DRM und weitere 26.864 Titel sind gänzlich frei von DRM.

Gerade einmal 2,3 Prozent der eBooks sind frei von DRM und lassen sich ganz ohne Einschränkungen (abgesehen von den üblichen Lizenzbestimmungen) nutzen. Insgesamt rund 11 Prozent nutzen keinen harten Kopierschutz.

Fast 90 Prozent der eBooks sind mit Adobe DRM versehen; Quelle: libreka!

Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Ratio auch bei anderen großen Shops ähnlich aussieht, denn die DRM-Entscheidung liegt beim Verlag oder Autor. Mittlerweile mehren sich Stimmen, wonach die Rechteinhaber für den Beratungsaufwand bzgl. des Kopierschutzes aufkommen sollen.

Wenn man beim Kauf nicht speziell darauf achtgibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch ein DRM-geschütztes eBook zu erwischen. Als DRM-Gegner kann man damit oftmals nur auf den Digitalkauf verzichten, das Papierbuch erwerben, oder das DRM entfernen.

UPDATE: An dieser Stelle kommt das in der Sektionsüberschrift erwähnte »ABER«, denn mittlerweile ist in Deutschland die Nutzung des harten Kopierschutzes stark rückläufig. Leider bietet die neue Buchhandel.de-Homepage keine Aufschlüsselung über die DRM-Nutzungszahlen, allerdings haben sich in den vergangenen 12 Monaten zahlreiche große Publikumsverlage hierzulande vom harten DRM verabschiedet. Random House wagte den Schritt Mitte August 2015.

Es wird zwar einige Zeit dauern, bis alle Shops auf die Änderungen reagieren, allerdings kann man davon ausgehen, dass der harte Adobe-Schutz irgendwann verschwinden wird. Oder zumindest so selten verwendet wird, dass dieser keine besondere Relevanz mehr besitzt.

Momentan ist das allerdings noch nicht der Fall, weshalb die DRM-Entfernung ein weiterhin aktuelles Thema ist. Nachfolgend klären wir daher über den Rechtsstatus auf, sowie über die Möglichkeiten die man als Nutzer hat.

DRM entfernen, darf man das?

Aber darf man das überhaupt? Auf den ersten Blick ist die Sache klar. Das Urheberrecht § 95a Abs. 1 verbietet das DRM-Entfernen ausdrücklich: »Wirksame technische Maßnahmen zum Schutz eines nach diesem Gesetz geschützten Werkes oder eines anderen nach diesem Gesetz geschützten Schutzgegenstandes dürfen ohne Zustimmung des Rechtsinhabers nicht umgangen werden.« Dazu gehört auch die Herstellung und Verbreitung von Software, die der Umgehung bzw. Aushebelung der Schutzmaßnahmen dient (§ 95a Abs. 3 UrhG).

Das ist allerdings nur ein Teil der aktuellen Rechtsauffassung, denn auch das Recht auf eine Privatkopie ist im Urheberrecht § 108b Abs. 1 verankert: »Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten den Zugang zu einem nach diesem Gesetz geschützten Werk oder einem anderen nach diesem Gesetz geschützten Schutzgegenstand oder deren Nutzung zu ermöglichen, eine wirksame technische Maßnahme ohne Zustimmung des Rechtsinhabers umgeht (…) wird, wenn die Tat nicht ausschließlich zum eigenen privaten Gebrauch des Täters oder mit dem Täter persönlich verbundener Personen erfolgt oder sich auf einen derartigen Gebrauch bezieht, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.«

Privatpersonen müssen somit keine strafrechtliche Verfolgung befürchten. Zivilrechtliche Ansprüche können aber dennoch gestellt werden. In der Praxis ist die DRM-Entfernung aber kaum nachvollziehbar und die Beschreitung des Rechtsweges steht in keinem sinnvollen Kosten-Nutzen-Verhältnis. Daher wird dieser Weg praktisch ebenso wenig verfolgt. Somit muss man beim Privatgebrauch (d.h. ohne finanzielle oder gewerbliche Motivation) normalerweise keine Angst davor haben, DRM zu entfernen.

Allerdings gibt es noch eine andere Seite. Auch wenn eine rechtliche Abwicklung meist i.d.R. ausbleibt, so kann das DRM entfernen trotzdem unbequeme Folgen haben. Amazon behält sich z.B. ausdrücklich vor, Kundenkonten zu sperren, wenn Versuche unternommen werden, die Kopierschutzmaßnahmen zu umgehen. Somit sollte man immer eine lokale Kopie aller eBooks anlegen, um diese im Falle einer Cloud-Sperre weiterhin lesen zu können.

Rechtliche Lage in Österreich

Die österreichische Rechtslage gestaltet sich ähnlich. Im Urheberrechtsgesetz § 90c. Abs. 1 heißt es: „Der Inhaber eines auf dieses Gesetz gegründeten Ausschließungsrechts, der sich wirksamer technischer Maßnahmen bedient, um eine Verletzung dieses Rechts zu verhindern oder einzuschränken, kann auf Unterlassung und Beseitigung des dem Gesetz widerstreitenden Zustandes klagen, wenn diese Maßnahmen durch eine Person umgangen werden, der bekannt ist oder den Umständen nach bekannt sein muss, dass sie dieses Ziel verfolgt(…).“

Weiter in § 91. Abs. 1: „Wer einen Eingriff der im (…) § 90c Abs. 1 (…) bezeichneten Art begeht, ist mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen. Der Eingriff ist jedoch dann nicht strafbar, wenn es sich nur um eine unbefugte Vervielfältigung oder um ein unbefugtes Festhalten eines Vortrags oder einer Aufführung jeweils zum eigenen Gebrauch oder unentgeltlich auf Bestellung zum eigenen Gebrauch eines anderen handelt.“

DRM entfernen – einfach und kostenlos

Kommen wir zum wichtigsten Punkt: Das DRM-Entfernen erfolgt wohl am einfachsten mit dem DeDRM-Plugin für Calibre. Das Plugin ist nur mit der gratis eBook-Software lauffähig und ebenfalls kostenlos downloadbar. Das ist deshalb wichtig zu erwähnen, da Google bei der Suche nach DRM-Entfernungssoftware auch allerhand zwielichtige Webseiten ausspuckt, die Geld verlangen oder gar Schadsoftware (Malware, Viren, Trojaner) zum Download anbieten. Man sollte bei der Suche also die Augen offen halten und keinesfalls etwas für entsprechende Softwarelösungen bezahlen und das Programm am besten durch den Virenscanner (z.B. Virustotal) schicken.

Das DeDRM Calibre-Plugin wird von einem Programmierer mit dem Pseudonym Apprentice Alf programmiert, der sich nicht als Handlanger für eBook-Warez verstanden wissen will. So heißt es in einer Erklärung im Blog: „Bitte benutze diese Applikation nur, um vollen Zugriff auf deine eigenen eBooks zum Zweck der Archivierung, Konvertierung und zum (besseren) Komfort zu bekommen. Von DRM befreite eBooks sollten nicht auf öffentliche Server, Torrents oder andere Plattformen zur massenhaften Verteilung hochgeladen werden. Personen die das machen, werden hier keine Hilfe erhalten. Autoren, Händler und Verlage müssen ihren Lebensunterhalt verdienen, denn nur so können sie weiterhin Bücher für uns herstellen. Sei kein Parasit!“. Dem kann man an dieser Stelle nur zustimmen.

In Anlehnung an den Programmierer wird DRM entfernen in der eBook-Community gemeinhin als „alfen“ bezeichnet.

Alf verspeist jetzt keine Katzen mehr, sondern Digital Rights Management (DRM)

Es gilt aber auch klar darzulegen, wie sinnlos der harte Kopierschutz im praktischen Alltag ist. Das Calibre-Plugin ist mit wenigen Klicks handzuhaben – ebenso wie andere DRM-Entfernungstools. Wenn man sein eBook vom DRM befreien will, dann ist das selbst für Anfänger absolut kein Problem. Gleichzeitig werden von der eBook Warez Szene die digitalen Güter ohne DRM vertrieben, womit letztendlich nur der ehrliche Kunde das Nachsehen hat. Hier bleibt zu hoffen, dass in den kommenden Jahren ein Umdenken einsetzt und Soft-DRM-Lösungen stärker zum Tragen kommen.

Vom neu angekündigten Adobe-Kopierschutz sollten sich Rechteverwalter nicht zu viel versprechen. Einerseits wird es äußerst lange dauern, bis alle im Umlauf befindlichen Geräte das neue Format unterstützen, womit die Contentanbieter sich hüten werden, eine Umstellung vorzunehmen – das hätte unweigerlich Umsatzeinbußen zur Folge. Andererseits wurde noch jedes System geknackt, d.h. es ist ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis auch dieser DRM-Schutz ausgehebelt wird. Bis dahin können sich Kunden bei jenen Anbietern bedienen, die ein eigenes System einsetzen. In jedem Fall liegt die Lösung des Piraterie-Problems nicht in noch härteren Restriktionen, wie der Wandel der Musikindustrie eindrucksvoll gezeigt hat.

Es ist durchaus möglich, DRM legal zu umgehen. Dies ist mit einer analogen Kopie des DRM-geschützten Materials erreichbar, denn dabei wird kein wirksamer Kopierschutz im Sinne des Urheberrechtsgesetzes umgangen, wie der Hamburger Anwalt Dr. Alexander Wachs gegenüber Netzwelt erklärt. Das ist mit der Aufnahme eines Liedes im Radio oder eines Spielfilms im Fernsehen vergleichbar.

Beim eBook ist der Vorgang aber mühsamer, da man jede Buchseite öffnen, ablichten und in Text umwandeln muss. Ein passendes Gerät hat Peter Purgathofer, Professor an der Technischen Universität Wien, mit Lego gebaut (siehe Video unten). Das sieht mühsam und zeitaufwendig auf – und ist es auch. Für den Heimgebrauch ist die Methode nicht besonders praktikabel, aber demonstriert zumindest, wie man sich auf rechtlich sicherem Terrain bewegt.

Wie siehst Du das? Entfernst du DRM bei deinen eBooks? Wenn ja, wieso? Lass es uns in einem Kommentar wissen!

Kommentare: