Kindle Scribe vorgestellt: 10,2 Zoll eReader mit 300 ppi und Stift-Eingabe

Geschätzte Lesezeit: 4:57 min.

Jetzt ist es endlich so weit: Amazon hat den Kindle Scribe vorgestellt, zu dem es vorab schon Gerüchte gab. Der Name „Scribe“ (zu Deutsch: Schreiber) verrät dabei schon, in welche Richtung das neue Modell geht.

Der eReader setzt auf einen neuen Fokus, den Amazon im Gegensatz zu einigen Mitbewerbern bisher gar nicht bedient hat: Dem handschriftlichen Anfertigen von Notizen.

Ausführlicher Video-Test (Englisch)

Nachfolgend ein ausführlicher Test des Kindle-Scribe in englischer Sprache:


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Hochauflösendes 10,2 Zoll Display

Die wohl größte Besonderheit am Kindle Scribe ist der Bildschirm. Es ist nämlich der einzige E-Ink Bildschirm im 10 Zoll Segment mit einer Pixeldichte von 300 ppi. Alle anderen 10,3 Zöller der Konkurrenz gibt es bisher nur mit 226 bzw. 227 ppi.

Damit hat der Kindle Scribe gleich zum Start einen handfesten Vorteil in puncto Hardware.

Über die genaue Displaytechnologie hüllt sich Amazon in Schweigen. Man darf aber davon ausgehen, dass E-Ink Carta 1200 oder eine ähnlich aktuelle Variante zum Einsatz kommt.

Nicht ganz überraschend, aber auf jeden Fall trotzdem willkommen, ist die Farbtemperaturanpassung der ebenfalls verfügbaren eingebauten Beleuchtung. Das „Paperwhite“-Display, wie es Amazon nennt, lässt sich also zum angenehmeren Lesen abends auf eine warm-orange Lichtfarbe umschalten. Genauso wie es Kindle Paperwhite und Kindle Oasis ebenfalls können.

Zwei Stift-Optionen

Kindle Scribe mit PRemium-Stift

Die Stifteingabe erfolgt mit einem von zwei verfügbaren Stiften. Die Standardvariante besitzt keine Funktionstaste und muss ohne Radiergummi-Funktion auskommen, die Premiumversion besitzt beides.

Beide Stifte werden magnetisch seitlich am Gerät befestigt und brauchen keinen Strom. So kennt man das auch von einigen Mitbewerbern.

Über die Eingabeverzögerung macht Amazon keine Angaben, das offizielle Videomaterial lässt aber darauf schließen, dass sich diese in einem ähnlichen Rahmen bewegt wie die jüngsten E-Note-Geräte anderer Hersteller. Also bei rund 25 ms und eventuell sogar noch weniger.

Mit einem solchen Wert nimmt man die Eingabeverzögerung zwar noch wahr, allerdings stört sie üblicherweise nicht.

Damit das Schreiben am Scribe nicht die Geduld strapaziert, besitzt das Gerät auf der Rückseite vier Gumminoppen, um Rutschen zu verhindern.

Ein echter Kindle

Neben den genannten Eigenschaften ist der Scribe auch ein waschechter Kindle. Das bedeutet, dass man den eReader wie üblich als Lesegerät verwenden kann und Zugriff auf den Kindle- und Audible-Store hat. Lediglich auf Blättertasten muss man im Vergleich zum günstigeren Kindle Oasis verzichten.

Die Benutzeroberfläche wurde für den größeren Bildschirm angepasst. Einigen bekannten Funktionen, wie z.B. der Schriftgrößenanpassung, wird deutlich mehr Raum gegeben, als bei den kleineren Modellen. Das kommt aber natürlich nicht völlig überraschend.

Das Update der Kindle Benutzeroberfläche, das Amazon in der ersten Jahreshälfte 2022 auf aktuelle Kindle-Modelle ausgerollt hat, darf rückwirkend als Vorbereitung auf den Kindle Scribe verstanden werden.

Amazon spricht im Pressematerial von verschiedenen Handschrift-Funktionen, die den Kindle Scribe zu einem nützlichen Begleiter im Alltag werden lassen sollen. Neben handschriftlichen Notizen in eBooks, gibt’s auch eine Tagesbuchfunktion, ToDo-Listen und die Möglichkeit PDF-Dateien direkt zu beschriften.

Insbesondere über die PDF-Funktionalität darf man gespannt sein, denn die wurde bei Amazon bisher eher stiefmütterlich behandelt. Das hochauflösende 10,2 Zoll große Display würde sich für eine völlige Neuausrichtung in dieser Hinsicht aber geradezu anbieten.

Ab Anfang 2023 wird man Word-Dateien außerdem direkt vom PC aus an den Kindle Scribe schicken können. Damit vertieft Amazon die Partnerschaft mit Microsoft, die mit Windows 11 ihren bisherigen Höhepunkt gefunden hat. Im Microsoft Betriebssystem ist nämlich bereits der Zugriff auf Android-Apps im Amazon App Store vorbereitet und soll in Zukunft für alle Nutzer von Windows 11 das Ausführen und Laden von Android-Anwendungen am PC ermöglichen.

Kindle Scribe: Neuland für Amazon

Varianten, Verfügbarkeit und Preis

Der Kindle Scribe ist in drei Speicherversionen erhältlich: 16 GB, 32 GB und 64 GB. Wie bereits erwähnt, wird das Modell außerdem mit einem von zwei Stiftversionen verkauft.

Die Preise bewegen sich dabei zwischen 369,99 Euro für die günstigste Kombination, bis 449,99 Euro für die teuerste Variante.

Im Shop von Amazon.de
Wir stellen vor: Kindle Scribe, der erste Kindle mit Schreibfunktion, mit 10,2-Zoll-Paperwhite-Display mit 300 ppi, mit Standard-Eingabestift | 16 GB
€ 369,99
Wir stellen vor: Kindle Scribe, der erste Kindle mit Schreibfunktion, mit 10,2-Zoll-Paperwhite-Display mit 300 ppi, mit Premium-Eingabestift | 16 GB
€ 399,99
Wir stellen vor: Kindle Scribe, der erste Kindle mit Schreibfunktion, mit 10,2-Zoll-Paperwhite-Display mit 300 ppi, mit Premium-Eingabestift | 32 GB
€ 419,99
Wir stellen vor: Kindle Scribe, der erste Kindle mit Schreibfunktion, mit 10,2-Zoll-Paperwhite-Display mit 300 ppi, mit Premium-Eingabestift | 64 GB
€ 449,99
Abruf der Informationen am 1. Dezember 2022 um 11:08. Die Preise werden regelmäßig aktualisiert. Alle Angaben dieses Preisvergleichs sind ohne Gewähr.

 

Der offizielle Marktstart ist der 30. November 2022. Die Auslieferung beginnt dann wie von Amazon gewohnt vermutlich sehr zeitnah, sodass die Vorbesteller ihre Geräte wohl kurz danach bereits in den Händen halten werden.

Ein Testbericht zum Kindle Scribe folgt, sobald ich das Gerät hier habe.

Kindle Oasis ade?

Ich gehe davon aus, dass die Vorstellung des Scribe das Ende für den Kindle Oasis bedeutet.

Auch wenn der Oasis weiterhin ein ausgezeichneter eReader ist, der Abstand zum Kindle Paperwhite 5 ist so gering, dass die unveränderte Fortführung kaum sinnvoll erscheint.

Der Kindle Scribe stößt nun ins Premium-Segment vor, das der Kindle Oasis bereits teilweise besetzt hat. Dabei ist der Abstand zum günstigeren Paperwhite in jeder Hinsicht deutlich sichtbar, womit die Portfoliostrategie von Amazon wieder mehr Sinn ergibt.

Dementsprechend nehme ich an, dass der Kindle Oasis, genauso wie der Kindle Voyage seinerzeit, mit den schwindenden Lagerbeständen auslaufen wird. Sollte das wider Erwarten doch nicht der Fall sein und Amazon die Lücke zwischen 7 und 10 Zoll schließen, dann könnte der Oasis im kommenden Jahr vielleicht doch noch als 8 Zöller überleben. Das wäre dann das zweite Displaywachstum innerhalb der Modellreihe.

E-Note-Konkurrenz muss sich warm anziehen

Aber nicht nur für den Kindle Oasis könnte die Vorstellung des Kindle Scribe unangenehm werden.

Auch die E-Note-Konkurrenz wird mit dem Marktstart des neuen Amazon Schreibers ins Schwitzen kommen. Kobo, Remarkable, Supernote und Onyx Boox – um die prominentesten Beispiele zu nennen – haben bisher davon profitiert, dass Amazon das großformatige, digitale Notiznehmungs-Segment bisher nicht bedient hat.

Obwohl alle genannten Mitbewerber ihre Alleinstellungsmerkmale haben, darf man annehmen, dass sich der Kindle Scribe einen ordentlichen Teil des Kuchens in dem genannten Segment abschneiden wird.

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Noch bevor Kindle und Tolino in Deutschland an den Start gegangen sind, hat Chalid seinen ersten eBook Reader im Jahr 2007, aus Begeisterung an der Technik, aus den USA importiert. Als Mitbegründer und Chef-Redakteur hat er seit der Gründung von ALLESebook.de, im Jahr 2010, inzwischen über 100 eReader zahlreicher Hersteller getestet. Mehr erfahren