TEST: Kobo Glo

7. November 2012
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Sehnlichst wurde der Kobo Glo von vielen in Deutschland und Österreich erwartet – nun ist er endlich da. Der Kobo Glo gehört zur neuesten Generation von eBook Readern mit eingebauter Beleuchtung und hochauflösendem eInk Pearl Display. Das Gerät verspricht am Papier also in jeder Lebenslage besten Lesekomfort.

In der Vergangenheit konnte Kobo mit dem Touch eReader schon gute Überzeugungsarbeit leisten und sich zum deutschen Marktstart schnell einen Namen machen. Das Gerät hat besonders durch die umfangreiche Schriftbildanpassung und die leichte Zugänglichkeit überzeugt, was damals keine Selbstverständlichkeit war. Inzwischen hat sich der Markt aber verändert und einige weitere Hersteller sind mit eigenen Geräten präsent, sodass die Luft für alle Beteiligten immer dünner wird.

Ob sich der Kobo Glo erfolgreich gegen die Konkurrenz durchsetzen kann und sich der Kauf des Geräts auszahlt, erfährst du im nachfolgenden Testbericht.


Bildergalerie

Bei unserem Testgerät handelt es sich um ein reguläres Kobo Glo Retail-Gerät, welches bei Technikdirekt erworben wurde. Die Softwareversion wurde bei der ersten Inbetriebnahme auf 2.1.5 aktualisiert.

Unboxing

Zu Beginn unseres Testberichts, wie immer das obligatorische Unboxing, welches leider auch beim Kobo Glo keine Überraschungen bereit hält. In der Packung befindet sich neben dem eBook Reader nur ein MicroUSB-Kabel und eine Schnellstartanleitung. Sonstiges Zubehör muss wie immer hinzugekauft werden. Hier ist Kobo neben Sony, Amazon und anderen aber in guter Gesellschaft.

Verarbeitung

Der Kobo Glo ist mit einer matten Oberfläche ausgestattet und erinnert sowohl haptisch als auch optisch an den Kobo Touch. Im Gegensatz zum Vorgänger (welcher weiterhin verkauft wird), verfügt der Kobo Glo an der Vorderseite aber über keinen Home-Button mehr. Das bedeutet, dass die Front des Readers komplett knopflos ist.

Lediglich an der Oberseite befindet sich der Schieber um den Kobo Glo ein- und auszuschalten, sowie der Knopf um die eingebaute Displaybeleuchtung zu (de)aktivieren. Mehr physische Tasten gibt es nicht – leider. Den Trend zum tastenlosen Design sieht man auch am Kindle Paperwhite. Einerseits hat dies den Vorteil, dass der Reader robuster und kleiner gebaut werden kann, aber andererseits sind eigene Blättertasten doch ein großer Komfortgewinn, der im direkten Vergleich zu Sony PRS-T2 oder PocketBook 622 Touch doch merklich abgeht.

Das weiche Material fühlt sich gut an, ist aber empfindlich auf fettige Abdrücke

Das weiche Material fühlt sich gut an, ist aber empfindlich auf fettige Abdrücke

Das verwendete Plastik greift sich weich an, was es besonders im Lesebetrieb sehr angenehm macht. Für Fingerabdrücke ist das Material eher unempfindlich, allerdings kann man Berührungen am schwarzen Modell dennoch recht deutlich in Form von Fettflecken sehen. Das kann durchaus störend werden, da man diese aufgrund des weichen Materials auch nicht so einfach beseitigen kann. Lichtreflexionen schluckt das Gehäuse dafür wiederum perfekt.

Die Maße sind im Vergleich zum Kobo Touch aufgrund des fehlenden Home-Buttons weiter geschrumpft und betragen 157 x 114 x 10 mm. Mit einem Gewicht von 185 Gramm hat der Kobo Glo auch nicht zugelegt und gehört zu den leichtesten eBook Reader mit Touchscreen und Beleuchtung. Etwas leichter ist hier nur der Bookeen HD Frontlight von Thalia, welcher ebenfalls ein beleuchtetes, hochauflösendes 1024×758 Pixel Display mitbringt und 180 Gramm wiegt. Einen allzu großen Unterschied wird das für den Lesekomfort aber vermutlich nicht machen.

Auf der Rückseite befindet sich ein Karomuster, welches im Gegensatz zum Kobo Touch nicht hervorgehoben, sondern von feinen Rillen durchlaufen, aber ansonsten flach ist. An der Verarbeitung gibt es nichts zu bemängeln. Der Kobo Glo wirkt robust und nichts wackelt oder knarzt. Dank seines niedrigen Gewichts liegt er auch sehr gut in der Hand.

Karomuster auf der Rückseite des Kobo Glo

Karomuster auf der Rückseite des Kobo Glo

Ausstattung

Was die Austattung des Kobo Glo angeht, erlebt man keine allzu großen Überraschungen: Der 2GB große interne Speicher lässt sich mittels MicroSD-Karte erweitern. Über WLan kann man auf den eingebauten eBook Store von Kobo zugreifen und Buchtitel direkt am Gerät kaufen. Als besondere Neuerung darf man aber die eingebaute und namensgebende Beleuchtung des Kobo Glo(w) (engl. Glühen/Schein) sehen.

Display & Beleuchtung

Der Kobo Glo verfügt über ein 6 Zoll eInk Pearl Display mit einer Auflösung von 1024×758 Pixel. Der Reader durchbricht damit die lange Phase der Innovationslosigkeit, in welcher fast alle Hersteller auf die gleichen 800×600 Pixel eInk Pearl Panels gesetzt haben.

Zur Erinnerung: eInk Pearl gehört mit einem Kontrastverhältnis von 10:1 zu den kontrastreichsten ePaper-Technologien am Markt. Die Technik kommt in fast allen aktuellen hochpreisigen eBook Readern am europäischen und amerikanischen Markt zum Einsatz, wobei es zwischen den Herstellern aber immer wieder kleine Unterschiede in der Bildschirmhelligkeit, dem Schwarzwert und dem Ghostingeffekt gibt. Der Kobo Glo zählt jedenfalls zu den besten Vertretern der Technik, denn der Displayhintergrund ist hell und der Schwarzwert ausgezeichnet.

Die hohe Auflösung des Bildschirms macht sich außerdem in der ausgezeichneten Schärfe des Schriftbildes bemerkbar, welche der eines gedruckten Buches kaum nachsteht. Der Unterschied zu herkömmlichen SVGA-Displays älterer eBook Reader wird besonders im praktischen Leseeinsatz sichtbar, wenn man den Reader in bequemer Haltung nahe am Gesicht hält. Hier ist ein deutlicher Unterschied zu erkennen, welcher vor allem darin resultiert, dass das Lesen am Kobo Glo noch angenehmer ist, da die Kanten der Schrift einfach weniger ausgefranst erscheinen. Im Laden um die Ecke sieht man die verbesserte Displayschärfe aber vermutlich nur bei genauerem Hinsehen bzw. bei kleiner Schrifteinstellung.

Das neue 1024x758 Pixel auflösende eInk Pearl Display ist sehr scharf

Das neue 1024×758 Pixel auflösende eInk Pearl Display ist sehr scharf

Wie schon beim Vorgänger kommt auch beim Kobo Glo ein Infrarot-Touchscreen von Neonode zum Einsatz. Im Rahmen befinden sich Infrarot-Sensoren welche die Bildschirmberührungen registrieren. Dadurch sitzt der Bildschirm etwas tiefer im Gehäuse als bei Geräten mit kapazitivem Touchscreen wie z.B. dem PocketBook Touch. Negativ ist mir hierbei aufgefallen, dass die Empfindlichkeit des Touchscreens manchmal zu wünschen übrig lässt. Immer wieder werden einzelne Befehle nicht registriert, sodass man ein zweites Mal auf den Bildschirm tippen muss. Möglicherweise handelt es sich hier aber auch um ein Problem mit der Software.

Die interessanteste Neuerung des Kobo Glo stellt aber nicht der Bildschirm dar, sondern die eingebaute Beleuchtung. Um das Display zu beleuchten, befindet sich direkt darüber eine Lichtträgerfolie, welche durch fünf LEDs im Rahmen von der unteren Seite ausgeleuchtet wird. Es leuchtet also nicht das eInk Pearl Display selbst, sondern die hauchdünne Lichtträgerfolie. Die Technik kommt in ähnlicher Form auch beim Kindle Paperwhite zum Einsatz.

Eingeschaltet wird das Licht über den Knopf an der oberen Seite des Kobo Glo. Bei der erstmaligen Aktivierung war ich überrascht wie weiß die Beleuchtung ist – auf verschiedenen Fotos im Internet schien sie immer etwas bläulich zu sein und auch auf einigen der nachfolgenden Fotos wirkt sie so. Mit bloßem Auge ist dies in Natura aber kaum zu erkennen. Der Bildschirmhintergrund bekommt bei aktivierter Beleuchtung damit einen deutlich helleren Farbton; das typische eInk-Grau verschwindet fast vollständig. Ist die Beleuchtung deaktiviert, gibt es keinen nennenswerten Helligkeitsunterschied zu anderen eInk Pearl Geräten.

Kobo Touch (links) vs. Kobo Glo (rechts): Bei moderater Raumbeleuchtung gewinnt der Kobo Glo den Vergleich locker

Aber auch bei ausreichend viel Licht kann der Kobo Glo (links) dank seiner Beleuchtung mit der besseren Lesbarkeit punkten

Das Licht lässt sich mittels Schieberegler in der Helligkeit regulieren, wobei die höchste Einstellung zum Lesen bei Dunkelheit zu hell ist. Die niedrigste Einstellung reicht schon aus, um im vollständig abgedunkelten Zimmer gut lesen zu können. Aber auch bei Tageslicht macht die Nutzung der Beleuchtung durchaus Sinn. Amazon hat in der Pressekonferenz zum Kindle Paperwhite schon betont, dass man die Lichtfunktion auch bei Tageslicht verwenden wird. Der Kobo Glo steht dieser Ankündigung in nichts nach, denn auch hier erhöht sich die Lesbarkeit tagsüber durch den helleren Bildschirmhintergrund deutlich – auch an sonnigen Herbsttagen. Wie man an den Vergleichsbildern zwischen Kobo Touch und Kobo Glo sehen kann, ist die Beleuchtung selbst in einem normal beleuchteten Zimmer am frühen Nachmittag ein echter Mehrwert.

… und nochmal bei guter Raumbeleuchtung. Kobo Glo (rechts) mit dem deutlich besser ablesbaren Bildschirm

Die Displayausleuchtung ist insgesamt sehr gleichmäßig – nicht 100 prozentig, aber für das bloße Auge mehr als ausreichend. Allerdings gibt es auch beim Kobo Glo (wie es auch vom Kindle Paperwhite berichtet wurde) eine deutliche Schattenbildungen am unteren Bildschirmrand und einen etwas helleren Lichtstreifen am oberen. Der Schatten zieht sich etwa einen halben bis ganzen Zentimeter nach oben – jedoch nicht bis zum Text. Er ist in jeder Helligkeitsstufe sichtbar. Mich persönlich stört die Schattenbildung nicht, aber hier herrscht jedenfalls noch Verbesserungspotential. Das ist wohl auch der Grund weshalb Kobo einen schwarzen Balken als Hinweis auf die aktivierte Beleuchtung am unteren Bildschirmrand platziert hat. Dieser kaschiert die Schattenbildung nämlich sehr gut. Da der dicke Balken aber doch etwas störend sein kann, lässt er sich zum Glück auch deaktivieren. Entgegen früherer Befürchtungen wird er dadurch nicht einfach nur durchsichtig, sondern verschwindet im Lesebetrieb vollständig.

Abgesehen von der Schattenbildung ist es nicht erkennbar woher das Licht kommt. Erst wenn man den Reader steil kippt, kann man die LED-Spots sehen. Außerdem sieht man durch’s Kippen die etwas körnige Stuktur der Lichtträgerfolie, welche sonst ebenfalls nicht sichtbar ist. Durch die zusätzliche Beschichtung fühlt sich der Bildschirm nicht so glatt an wie beim Kobo Touch, sondern etwas rauer – papierähnlicher.

Ebenfalls Entwarnung kann darüber gegeben werden, dass sich der Kontrast bei aktivierter Beleuchtung deutlich verschlechtern würde. Das ist nicht der Fall. Schaltet man das Licht ein, wird die Schrift zwar ein wenig heller, aber der Displayhintergrund beinahe weiß: Das Kontrastverhältnis verbessert sich dadurch subjektiv sogar etwas.

Alles in Allem gefällt mir die Beleuchtung des Kobo Glo ausgesprochen gut. Es gibt zwar noch Verbesserungsmöglichkeiten, aber unterm Strich erhöht sich der Lesekomfort in meinen Augen dadurch sehr deutlich. Auch tagsüber verwende ich sie sehr gerne, da dadurch unabhängig von externen Lichtquellen immer beste Lesbarkeit gewährleistet ist.


Kommentare:

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Date24.04.2014, 12:21
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Gast

Zitat Zitat von Kobo Gast Beitrag anzeigen
Und last but not, least hat er mir bei diesem ganzen Kuddelmuddel einfach eigenständig ein Buch aus der Bibliothek gelöscht ( bevor dumme Kommentare kommen, ich weiss wie der normale Löschvorgang vonstatten geht ) welches ich noch nicht beendet hatte und weigert sich jetzt dieses Buch mir, obwohl neu geladen in meiner Bibliothek zu zeigen.  

Etwas Ähnliches passierte mir auch, als ich zwei Zeitungen mit gleichem Namen löschen wollte, und der Glo mir durch die langsame Aktualisierung des Inhaltsverzeichnisses ein anderes Buch zum Löschen unterschieb, auch nach neuerlichem Einspielen durch Calibre war es nich sofort wieder zu sehen.. Erst nach 2 Resets durch die klassischen Systemhänger und nem Neustart war das Buch dann wieder da..


Zitat Zitat von madiosi Beitrag anzeigen

Das wichtigste Utensil ist eine Büroklammer.

Das Bedienungskonzept überzeugt mich ebenso wenig. Beim Durchblättern der Bibliothek öffenen sich immer wieder ungewollt Bücher. Liegt es an meinen Wurstfingern?
 

Ja Ersteres kann ich komplett bestätigen. Es verging bisher kein Leseevent bei mir wo ich den Kobo ohne Aktivierung des Resetknopfes mittels Büroklammer ungestört nutzen konnte, da auf einmal mitten im Buch nichts mehr ging (nichtmal Ausschalten)... Da man aber nicht immer so ein Utensil bei sich führt (mal ehrlich, wozu auch..), ist das für mich eine der frustigsten Erfahrungen mit dem Gerät (die Schlimmste ist dann die, wenn nicht mal mehr die Büroklammer, die durchaus im Lieferumfang enthalten sein könnte, funktioniert und man den Kobo, trotz vollem Akku, an den PC anstecken muss) und eines E-Readers nicht würdig ! Ich möchte lesen und nicht darauf warten, wann ich denn wieder resetten muss...

Ja das mit dem Öffnen der Bücher kenn ich, liegt wohl an dem langsamen System des Readers... :-/
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