Deutscher eBook-Spezialist Txtr ist insolvent

29. Januar 2015
Lesezeit: 2:08 Min.
Deutscher eBook-Spezialist Txtr ist insolvent

Txtr gehört zu den eBook-Pionieren in Deutschland (2008 gestartet) und war auch mit einem Blick auf den internationalen Markt einer der Ersten, der sich den digitalen Buchmarkt zum Hauptgeschäftsfeld genommen hat.

In jüngerer Zeit war das Unternehmen in erster Linie durch den Txtr Beagle eBook Reader einem größeren Publikum bekannt geworden. Außerdem hatte der eBook-Anbieter auch diverse Stores von Sony betrieben, bevor sich der japanische Konzern aus dem Endkundengeschäft am eReader-Markt zurückgezogen hat. Der ausbleibende Erfolg des Beagle und der Wegfall des womöglich größten Kunden könnte Txtr nun letztendlich zum Verhängnis geworden sein: Das berliner Unternehmen ist insolvent.

Zunächst ändert sich für Txtr-Kunden während des laufenden Insolvenzverfahrens aber nichts, denn die betriebenen Shops und Apps bleiben weiterhin online. In einer Pressemitteilung gibt Txtr bekannt, dass man vor einer Umstrukturierung stehe und einen neuen Besitzer sucht.

Rückblick

Schon im Jahr 2009 wollte Txtr einen eigenen eBook Reader auf den Markt bringen, der es aber nach mehreren Verschiebungen letztendlich nie in den Verkauf geschafft hat. Stattdessen konzentrierte man sich auf den eBook-Verkauf. Im Jahr 2012 (Oktober) wurde dann aber der nächste eReader-Versuch angekündigt.

Der 5 Zoll große Beagle sollte den Markt für dedizierte Lesegeräte mit dem besonders günstigen Verkaufspreis umkrempeln. Für nur 10 Euro sollte der eBook Reader unters Volk gebracht werden. Dies wollte man erreichen, indem man das Modell als günstige, subventionierte Beigabe zu einem Mobilfunkvertrag anbietet. Laut eigener Aussage befand sich Txtr längere Zeit in Verhandlungen mit verschiedenen Telekommunikationsunternehmen.

Im Jahr 2013 erfolgte der Start des Txtr Beagle schließlich ohne Telekom-Vertrag – für rund 60 Euro. Das größte Problem zum damaligen Zeitpunkt war das in den USA bereits merklich abgeflaute Wachstum bei dedizierten Lesegeräten, die gleichzeitige Preissenkung der eReader auch in Deutschland und schließlich das enorme Tablet-Wachstum. Die Telekom-Unternehmen konnten sich in Anbetracht dieser Entwicklung ganz offensichtlich nicht für das Konzept begeistern.

Eines der größten Probleme des Beagle war letztendlich auch, dass der Funktionsumfang sehr eingeschränkt und man zur Inbetriebnahme auf ein Smartphone angewiesen war. Für 50 Euro gab’s einen Basis-Kindle und der Ausverkauf von Bookeen Cybook und TrekStor Pyrus Geräten erlaubte Schnäppchenkäufe noch weiter unter dieser Preisschwelle. Der ausgerufene Vollpreis des Txtr-Geräts war aus Kundensicht damit nicht sonderlich attraktiv. Später wurde der Preis auf nur 20 Euro gesenkt.

Letztendlich schaffte es der Beagle aber im Dezember 2013 noch zur ungarischen Telekom. Danach wurde es ruhig um das Gerät, sodass es 2014 keine Neuigkeiten mehr dazu gab.

Bildquelle: Txtr

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