TEST: Sony PRS-T3

12. September 2013
Lesezeit: 29:09 Min.

Der Sony PRS-T3 tritt die Nachfolge des überaus beliebten PRS-T2 an. Dabei setzt Sony auf ein neues kompaktes Gehäuse mit integriertem Frontcover und ein neues Display mit höherer Auflösung. Gleichzeitig gibt es beim PRS-T3 nun erstmals in einem Sony eBook Reader weitere einsprachige Wörterbücher (neben den zuvor schon verfügbaren in englischer Sprache).

Im Gegensatz zur Konkurrenz setzt Sony allerdings nicht auf eine integrierte Beleuchtung, sodass der PRS-T3 wie auch sein Vorgänger auf eine externe Lichtquelle angewiesen ist. Dank es hervorragenden Rufs des PRS-T2, der das damals kontrastreichste E-Ink-Display am Markt besaß, ist dies aber für Fans der Marke kein Problem.

Ob der Sony PRS-T3 ein würdiger Nachfolger ist und ob der neue eBook Reader die hohen Erwartungen erfüllen kann, erfährst du im nachfolgenden Testbericht.

Sony PRS-T3 im Video-Kurztest

YouTube Preview Image

Bilder des Sony PRS-T3

Unboxing

Der Sony PRS-T3 wird in einer handelsüblichen Verpackung geliefert. Dabei wurde im Gegensatz zum Vorgänger allerdings ein wenig bei den Kosten gespart, denn die bedruckte Ober- und Unterseite der Packung wurden eingespart. Das ist aber eigentlich nicht so wichtig, denn bekanntlich zählt ja nur der Inhalt.

Hier gibt’s für Personen, die den eBook Reader Markt nicht so genau verfolgen, durchaus zwei Überraschungen: Der PRS-T3 wird inklusive Front-Cover ausgeliefert. Das gabs schon seit Jahren nicht mehr, sodass man sich über diesen Zusatz freuen darf. Die zweite Überraschung ist allerdings nicht ganz so erfreulich, dann der sonst bei Sony eBook Readern mitgelieferte Stift, fehlt beim PRS-T3.

Abgesehen davon liegt dem eBook Reader mit Schnellstartanleitungen, Garantiekarten und Micro-USB-Kabel das Übliche bei.

Verarbeitung

Der Sony PRS-T3 wurde in seiner Form gegenüber dem PRS-T1/T2 deutlich geglättet und weiter verkleinert. Das Gerät entspricht damit optisch dem minimalistischen Design, das man auch von Sonys Tablet- und Smartphoneserien kennt.

Der PRS-T3 ist der kleinste 6 Zoll Sony eBook Reader bisher. V.l.n.r.: Sony PRS-505, PRS-650, PRS-T1, PRS-T2, PRS-T3

Die Gehäuseränder sind dabei weiter geschrumpft, sodass der PRS-T3 einer der kompaktesten 6 Zoll eBook Reader am Markt ist. Leider bedeutet das allerdings auch, dass man neben dem Bildschirm keinen guten Halt mehr findet. Das kann im Lesebetrieb durchaus problematisch werden, denn kein anderer eBook Reader verfügt über schmälere Ränder.

Die Tasten unter dem Bildschirm haben sich hingegen nicht verändert. Der Sony PRS-T3 verfügt über fünf Tasten: Weiter- und Zurückblättern, Home, Zurück, Menü. Es handelt sich um physische Knöpfe mit einem knackigen Druckpunkt. Da diese deutlich voneinander abgesetzt sind und jeweils über eine eigene Form verfügen, lassen sie sich auch problemlos ohne hinzusehen ertasten. Da das Gerät jetzt noch schmäler geworden ist, sollte eine einhändige Bedienung im Normalfall kein Problem darstellen.

Frontcover mit Licht und (zu viel?) Schatten

Wie bereits erwähnt, verfügt der Sony PRS-T3 über ein eingebautes Frontcover. Diese Schutzhülle ist direkt mit der abnehmbaren Rückseite verbunden, sodass das Gerät weiterhin ausgesprochen schmal bleibt – zwar etwas dicker als ein Sony PRS-T2, aber deutlich schmäler als andere Geräte mit Cover.

Das Frontcover macht einen robusten Eindruck und sollte auch genügend Schutz für den Bildschirm bieten. Durch zwei durchaus starke Magnete in der Hülle des Sony PRS-T3, wird die Schutzhülle am Fleck gehalten. So bleibt sie auch geschlossen wenn man den eBook Reader umdreht. Das bedeutet, dass der PRS-T3 auch einen Ausflug  in die Tasche oder den Rucksack unbeschadet überstehen sollte.

Die Schutzhülle besteht vermutlich aus Kunstleder, ist aber haptisch sehr ansprechend. Auf der Innenseite kommt hingegen ein samtig weicher Stoff zum Einsatz , der sich ebenfalls angenehm angreift. Allerdings entpuppt sich die Innenseite schon nach wenigen Tagen als wahrer Staubmagnet. Das könnte manch einen durchaus stören.

Der weiche Stoff auf der Innenseite der Hülle entpuppt sich als Staubmagnet

Die Hülle schließt auf der Vorderseite perfekt mit dem Gehäuse des PRS-T3 ab. Das unterstreicht den hochwertigen Eindruck und wirkt sehr edel.

Dank der flexiblen Verbindung an der Rückseite, kann man das Frontcover einfach umklappen – wie bei einem Buch. Problematisch dabei ist, dass es auf der Rückseite keine Magnete gibt, um das Cover am Fleck zu halten und das Ganze bei gewissen Handhabungen etwas zu wackelig ist. Das bedeutet, dass man den PRS-T3 manchmal einfach nicht so bequem halten kann, wie einen eBook Reader ohne Cover, weil die Hülle umgeklappt recht locker sitzt.

Für Rechtshänder nicht optimal: Das Cover wackelt im umgelegten Zustand und aufgrund der schmalen Ränder ist ein fester Griff nicht so leicht möglich

„Ja und? Ist doch bei anderen Hüllen ähnlich!“, werden jetzt vermutlich einige von euch sagen. Klar – auch andere Hüllen erschweren die Handhabung unter Umständen. Das ist dann aber die Entscheidung der Nutzer und optional nutzbar. Beim Sony PRS-T3 ist man allerdings gezwungen die Schutzhülle zu verwenden. Die einzige Möglichkeit, das Frontcover zu entfernen, ist die Rückseite abzunehmen. Dann bleibt dort aber ein recht großes Loch, das sich aufgrund der vielen Lücken und Kanten im Inneren des PRS-T3 nicht besonders angenehm angreift.

Hier würde ich mir also auf jeden Fall eine Rückseite ohne eingebautes Frontcover wünschen. Dabei ist es auch bedauerlich, dass Sony ein solches Backcover nicht einfach dem Lieferumfang des PRS-T3 beigelegt hat. Das Plastikstück hätte wohl nicht allzu viel gekostet.

Abnehmbare Rückseite und Frontcover

Eine praktische Funktion des Frontcovers ist der automatische Standby-Modus. Öffnet man das Cover, wird der PRS-T3 automatisch aufgeweckt, schließt man das Cover, geht der eBook Reader in den Standby-Modus.

Abgesehen von der beigelegten Version, gibt es außerdem noch ein Frontcover mit eingebauter LED-Beleuchtung. Das Licht wird dabei von der oberen Seite runtergeklappt und strahlt von außen auf den Bildschirm. Leider konnte ich diese Hülle noch nicht in die Finger bekommen, kann also nichts über die Qualität sagen. Klar ist allerdings, dass der Strom für die Beleuchtung direkt vom PRS-T3 geholt wird, sodass keine Batterien nötig sind. Das spart Müll und Gewicht.

Negativ ist hingegen, dass man die Lichtstärke des Covers nicht anpassen kann. Auch ist es nicht möglich, die Position der LED zu verändern, da das Licht nur aktiviert wird, wenn der Leuchtarm vollständig ausgezogen wurde. Das sind zwei sehr klare Minuspunkte. Außerdem gibt es Berichte, wonach es offenbar Kontaktprobleme zwischen dem Licht-Cover und der Stromversorgung mit dem PRS-T3 gibt. Das ist aber möglicherweise kein weitreichendes Problem, sondern betrifft nur einige wenige Geräte/Cover. In jedem Fall sollte man die Hülle am besten gleich testen, um zu sehen, ob sie problemlos funktioniert.

Kompakt, trotz Cover

Hat man die Rückseite abgenommen, findet man auch den MicroSD-Kartenslot. Dass der MicroSD-Slot nun unter der Hülle sitzt, könnte für Personen, die ihre MicroSD-Karte öfter mal wechseln durchaus unpraktisch sein, da das Abnehmen des Backcovers zwar problemlos funktioniert, aber bei häufiger Wiederholung möglicherweise ein Abbrechen der relativ feinen Plastiknasen zur Folge hat. Außerdem dauert der Vorgang des Abnehmens und Aufsteckens deutlich länger als die Handhabung per Klappe beim Sony PRS-T2.

Am unteren Geräterand befindet sich der Power-Knopf und der Micro-USB-Anschluss, sowie der Resetknopf. Auf den restlichen Rändern gibt es keine Knöpfe oder Anschlüsse.

Unterm Strich hinterlässt die neue Form des PRS-T3 gemischte Gefühle. Einerseits bleibt auch der neue eBook Reader ausgezeichnet verarbeitet und haptisch ansprechend, andererseits bin ich nicht allzu erfreut über die aufgezwungene Nutzung des Frontcovers. Die Umsetzung ist zwar grundsätzlich nicht schlecht, aber wenn man generell lieber ohne Cover liest, dann hat man am Sony PRS-T3 aktuell keine Möglichkeit dazu.

Ausstattung

An der Ausstattung des Sony PRS-T3 hat sich fast nichts geändert. Das Gerät verfügt über WLan, sodass man auf das Internet und den eingebauten eBook Store zugreifen kann. Ein MicroSD-Slot erlaubt die Erweiterung des 2GB großen internen Speichers (1,2 GB verfügbar) um bis zu 32GB.

Als Betriebssystem kommt wieder Android Gingerbread (2.3.x) zum Einsatz, wobei die genaue Version im Moment nicht bekannt ist. Root-Zugriff gibt es aktuell nicht.

Display

Beim Bildschirm macht Sony mit dem PRS-T3 keine Experimente. Der neue eBook Reader setzt weiterhin auf E-Ink Pearl Technik, verfügt allerdings erstmals in einem 6 Zoll Lesegerät von Sony über eine Auflösung von 1024×758 Pixel. Die Auflösung gehört in der Preisklasse seit gut einem Jahr zum Standard.

Der Sony PRS-T3 verfügt über keine eingebaute Beleuchtung und befindet sich damit auf weitem Feld alleine. Die Entscheidung dazu wurde laut Sony ganz bewusst getroffen, da das Leseerlebnis durch eine solche Beleuchtung leiden soll. Dabei setzt Sony auch weiterhin konsequent auf einen Infrarot-Touchscreen, der keine störende Plastikfläche über dem Bildschirm benötigt. Der PRS-T3 ist damit die einzige eBook Reader Neuerscheinung in diesem Jahr, die einen solch kompromisslosen Fokus auf den Bildschirm besitzt. Ein klarer Pluspunkt, denn das erhöht die Betrachtungswinkel und verbessert die Schriftschärfe gegenüber anderen Geräten.

Geringerer Kontrast

Auch der Vorgänger des PRS-T3 hat auf eben diese Kompromisslosigkeit gesetzt. Das hat dem Sony PRS-T2 einen exzellenten Ruf eingebracht, denn der Bildschirm des Geräts ist bei gleichzeitig geringem Schwarzwert sehr hell. Das Kontrastverhältnis betrug beim PRS-T2 damit ungeschlagene 13:1.

Im Bild erkennbar: Der Bildschirmhintergrund des Sony PRS-T2 (links) ist heller als beim Sony PRS-T3 (rechts)

Der Sony PRS-T3 kann aber leider nicht ganz an diesen ausgezeichneten Wert anschließen. Der Bildschirmhintergrund des neuen Sony Geräts ist sichtbar dunkler. Das verschlechtert auch den Kontrast geringfügig, denn der Schwarzwert hat sich kaum verändert (und ist sogar eine Spur heller als am PRS-T2). Somit messen wir beim PRS-T3 ein Kontrastverhältnis von 12:1.

Kontrastverhältnis ohne Beleuchtung (höher ist besser)

  • Sony PRS-T2 13:1
  • PocketBook Touch Lux 12:1
  • Sony PRS-T3 12:1
  • Kindle Paperwhite 11,5:1
  • Tolino Shine 11:1
  • Kobo Glo 10,5:1

Dabei ist natürlich festzuhalten, dass dieses Kontrastverhältnis nach wie vor überdurchschnittlich gut ist und die meisten anderen Geräte mit E-Ink Pearl Bildschirm nicht rankommen. Allerdings ist es dennoch enttäuschend, dass sich der Kontrast merklich verschlechtert hat – besonders weil das ausgezeichnete Kontrastverhältnis einer der größten Vorteile des Vorgängers war. Diesen Vorteil bußt der PRS-T3 nun jedenfalls teilweise ein.

Sony PRS-T3 (links) vs. PRS-T2 (rechts) unter dem Mikroskop

Kaum Ghosting dank „Regal“

Zusammen mit der neuen Bildschirmauflösung hat auch die sogenannte „Regal“-Technik Einzug gehalten. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit, den Bildschirm ohne vollständige Seitenaktualisierung (d.h. ohne Flackern), von Ghosting zu befreien. Laut Sony benötigt der PRS-T3 nur alle 4 Stunden einen vollständigen Bildschirmaufbau. In der Praxis hinterlässt dieses Versprechen allerdings einen etwas zwiespältigen Eindruck.

Der Ghosting-Effekt beim Sony PRS-T3 ist zwar zweifellos deutlich geringer als beim PRS-T2, ganz verschwunden ist er allerdings nicht. Besonders stark sichtbar ist dies, wenn man ein eBook öffnet und das Coverbild auch nach mehreren Blättervorgängen noch immer schemenhaft zu erkennen ist. Von einer Seite zur nächsten wird das Ghosting dabei aber immer geringer, bis es schließlich ganz verschwindet. So verhält es sich ab und zu auch mit normalem Text. Manchmal (eher selten) sieht man Textzeilen geisterhaft „durchscheinen“, diese verschwinden nach ein paar Blättervorgängen aber wieder.

Für die meisten Personen löst Sony das Versprechen zum ghostingfreien Lesen somit durchaus ein, denn viele werden den Effekt wahrscheinlich nicht sehen. Derjenige der allerdings empfindlich auf Ghosting reagiert, setzt am besten weiterhin auf die einstellbare vollständige Seitenaktualisierung bei jedem Blättervorgang.


Kommentare: