Wegen Neuregelung auch keine kostenlose ePaper-Beigabe für Zeitungsabonnenten

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Die Preisgestaltung bei eBooks löst in regelmäßigen Abständen immer wieder Unverständnis bei digitalen Lesefreunden hervor. Mit ein Grund dafür ist auch der höhere Mehrwertsteuersatz, der hierzulande regulär mit 19 Prozent auf die Digitalkopien der gedruckten Texte festgelegt ist. Der Grund: eBooks sind laut EU-Recht kein literarisches Gut (und damit unterliegen sie auch nicht dem ermäßigten Satz), sondern werden als Dienstleistung klassifiziert. Aktuell arbeitet man auf EU-Ebene bereits an einer Änderung dieser Einordnung, wobei noch völlig offen ist, ob und wann ein Ergebnis zu erwarten sein wird. Nicht alle EU-Länder sind hier auf Schine – so z.B. Großbrtiannien.

Noch im Mai hat der britische Finanzminister angegeben, dass keinerlei Überlegungen angestellt wurden, die eBook-Steuern zu senken. Demnach hat man auch offenbar nicht vor irgendetwas in die Richtung zu unternehmen. Der Grund könnten mögliche Steuereinbußen in Millionenhöhe sein.

Neuregelung sorgt für Bündel-Kahlschlag

Nun ist die ganze Situation natürlich nicht neu und bereits seit Start des eBook-Geschäfts in Europa vorhanden. Allerdings sorgte eine kürzlich erfolgte Neuregelung in Deutschland dennoch für eine Änderung, die zum Nachteil der Verbraucher und Verlage geworden ist. Reguläre Bücher (und andere gedruckte Medien die mit dem ermäßigten Steuersatz versehen sind), dürfen nicht mehr im Bündel angeboten werden, sofern diese nicht separat besteuert werden. Laut Bundesfinanzministerium handelt es sich nämlich um zwei eigenständige Produkte. Heißt im Klartext: Für die Papierversionen müssen 7 Prozent Steuern bezahlt werden, für die eBooks aber 19 Prozent. Ein Angebot im Bündel ist damit zwar nicht ausgeschlossen aber organisatorisch und logistisch ungleich aufwendiger, womit diese Pakete de facto verschwinden.

Davon sind nicht nur „klassische“ eBooks betroffen, sondern auch E-Paper-Versionen von Zeitungen. Wie etwa die Mediengruppe Nordkurier klarstellt, könne man den Zeitungsabonnenten zukünftig keinen kostenlosen Zugang zur ePaper-Version mehr geben. Stattdessen wird auf ein Kombiangebot umgestellt, das in erster Linie eine organisatorische Neuorientierung bedeutet. Die Geschäftsleitung zeigt dementsprechend auch Unverständnis für die Neuregelung, da es sich bei der Digitalversion um ein exaktes Abbild der gedruckten Ausgabe handelt (was beim regulären eBook ja nicht immer der Fall ist): „Das E-Paper ist das 1:1-Abbild der gedruckten Zeitung.“ Demnach handelt es sich natürlich auch nicht um ein eigenständiges Produkt.

Dass die Steuern entsprechend korrekt den jeweiligen Sätzen abgeführt werden sollen, ist natürlich keine Frage. Allerdings stellt sich hier eben wieder einmal die grundsätzliche Sinnhaftigkeit der unterschiedlichen Steuersätze für Digitaltexte und des sich nur in Zeitlupe bewegenden politische Handelns um dies zu ändern.

Fraglich ist aber natürlich, ob die angepeilte Steuersenkung in Deutschland auch tatsächlich dazu führen wird, dass die eBook-Preise sinken. Die Anwendung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes würde eine rund 10 prozentige Preisreduktion zur Folge haben (sofern an den Kunden weitergegeben). Je nach Buchpreis können das natürlich nur Cent sein (z.B. von 4,99 auf 4,49 Euro), oder eben auch ein paar Euro (z.B. von 19,99 auf 17,97 Euro).

Danke für den Hinweis @schmittlauch