eBook vs. Buch: Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger schockiert Studierende

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Forumbenutzer GisJu hat mich gestern auf einen interessanten Artikel bei Zeit-Online aufmerksam gemacht. Es geht darin um die Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin Ruth Klüger, welche an der FU Berlin vor Studierenden über ihre Vorliebe für, und die Vorzüge von eBooks gesprochen hat. „Ich bekenne mich als begeisterte Konvertitin zum elektronischen Lesen“, lauteten ihre Worte.

Den anwesenden Zuhörern/innen (vorwiegend Erstsemester Germanistik) gefiel das aber offenbar weniger, denn da ließen einige Anwesende mit kritischen Wortmeldungen aufhören und auch sonst beschreibt Zeit-Online die Reaktion als eher negativ.

„Ich will Bücher verleihen können, in ihnen Anstreichungen vornehmen und die Anstreichungen anderer sehen können!“, lautete beispielsweise die Aussage eines Anwesenden. Ob wir digitale Texte nicht als billige Wegwerfprodukte verstehen, fragte jemand anderes kritisch.

Klüger konnte der Negativität nur wenig abgewinnen und gab zu verstehen: „Es ist sinnlos, diese Revolution zu beklagen (…) sie findet einfach statt“. Weiter nahm sie die emotionale Komponente etwas aus der Diskussion und sagte: „Wenn man es mal nicht als technisches, hässliches Ding sieht, dann ist der E-Book-Reader auch nur eine Bibliothek mit Büchern drin“; sowie: „Nur die Anhäufung von Objekten ist noch keine Kultur.“

Der Kommentar zu den Textmarkierungen ist allerdings schon beinahe ironisch, denn die Markierungen die man am eBook Reader im eBook vornimmt, kann man auf den meisten Geräten direkt mit Freunden und Bekannten im Internet teilen bzw. fremde Notizen werden sogar über diverse Community-Funktionen direkt im eigenen Text angezeigt. Der Buchverleih ist aber natürlich nach wie vor ein DRM-besetztes Thema, zu dem es bisher keine brauchbaren Lösungen gibt.

Trotz aller Euphorie Klügers für das digitale Buch sollte man der Vollständigkeit halber aber festhalten, dass sie selbst gerade erst einen 10-seitigen Essay im eBook-Format (siehe Bild) um 99 Cent veröffentlicht hat. Der Titel lautet passend zum Vortrag „Anders lesen – Bekenntnisse einer süchtigen E-Buch-Leserin“. Jetzt darf man sich natürlich fragen, ob der Vortrag an der Universität nicht einfach nur ein geschickter Marketingschachzug war, oder ob sie ohne Hintergedanken diese Überzeugung vertreten hat.

Was auch immer die genauen Hintergründe sind, mit einer Sache hat die Schriftstellerin mit Sicherheit Recht: Die Revolution findet statt. Hierzulande schleppender als auf den englischsprachigen Märkten, aber es geht vorwärts. Dass das eBook das klassische Papierbuch aber vollkommen ablösen wird, glaube ich persönlich nicht. Was denkst du?