Qualcomm und die glücklose Mirasol Technik

8. September 2013
Lesezeit: 2:34 Min.
Qualcomm und die glücklose Mirasol Technik

Auf der diesjährigen IFA standen Smartwatches – intelligente Armbanduhren, die mit dem Smartphone kommunizieren – ganz hoch im Kurs. Nachdem bei Kickstarter für die Pebbles Smartwatch über 10 Millionen US-Dollar aufgebracht werden konnten, sind alle großen Elektronikhersteller ebenfalls an einem solchen Gerät interessiert, um das eigene Portfolio zu ergänzen. Sozusagen als nächstes große (kleine) Ding, nach dem Tablet.

Samsung, Sony und Qualcomm haben eine solche Smartwatch auf der IFA präsentiert. Während Samsung auf ein herkömmliches (stromfressendes) AMOLED-Display setzt, nutzen Sony und Qualcomm stromsparendere Technik. Sony setzt auf ein transreflektives LCD-Display, wie man das z.B. von Notion Ink Adam kennt, Qualcomm nutzt Mirasol-Technik, die ursprünglich den eBook-Reader-Markt umkrempeln sollte.

Neverending Story?

Die hauseigene Qualcomm-Bildschirmtechnik kommt damit zum zweiten Mal am Elektronikmarkt zu Einsatz. Erstmals war die Technik im asiatischen Raum in Form des Kyobo eBook Readers in Nutzung. Der Erfolg blieb allerdings aus und das Gerät wurde mitsamt der Displaytechnik eingestellt. So jedenfalls der Plan, aber offenbar wollte Qualcomm die Technik dann doch nicht so einfach aus dem Fenster werfen, denn auf der CES 2013 präsentierte man Mirasol dann doch noch. Zur SID 2013 wurde die damals noch namenlose Smartwatch sogar zum ersten Mal präsentiert.

Gleichzeitig hatte das Unternehmen die Mirasol-Technik vom eBook Reader Markt entfernt und als stromsparende Alternative für Smartphones präsentiert. Offenbar fanden sich dafür allerdings keine Interessenten, wie der Martstart der „Toq“ genannten Smartwatch jetzt zeigt. Qualcomm geht mit dem Direktvertrieb der Mirasoltechnik nun den gleichen Weg, den man schon mit dem Kyobo eBook Reader genommen hat. Dieser basierte nämlich auf dem Referenzdesign von Qualcomm.

In erster Linie will man (damals wie heute) die Technik einer breiten Kundschaft zugänglich machen und zeigen, dass Nachfrage danach besteht. So soll dann auch die Nachfrage der Elektronikhersteller gesteigert werden um der Technik endlich die erfolgreiche Starthilfe zu geben, die sie schon seit mehreren Jahren erfolglos in Anspruch nimmt. Ob es diesmal klappt, ist allerdings fraglich. Die Toq Smartwatch wird nämlich nur in begrenzter Stückzahl erhältlich sein. Ob man damit ein entsprechend großes Moment generieren kann, das potentielle Investoren anlockt, ist zweifelhaft. Mit dem Kyobo eBook Reader hat’s jedenfalls nicht geklappt.

Man darf daher gespannt sein, wie sich die Technik weiterentwickelt. Mirasol scheint für Qualcomm bisher jedenfalls ein finanzielles schwarzes Loch zu sein, denn den Milliarden-Investitionen steht bisher kein einziger Erfolg gegenüber. Schlimmer noch: Es zeichnet sich auch kein Erfolg ab und ein großer potentieller Abnehmer der Technik, hat sich kürzlich selbst vom Markt genommen. Die Rede ist von Amazon, die durch die Übernahme von Liquavista nun eigene Farb-ePaper-Technik im Haus haben.

Zu Ende ist die Geschichte aber jedenfalls dennoch nicht, denn auf der SID 2013 hatte Qualcomm neben der Toq Smartwatch auch hochauflösende Displayprototypen ausgestellt, die über eine Pixeldichte von 577 ppi verfügten. Der Marktstart dafür wird allerdings erst in ein paar Jahren angepeilt. So sehen wir dann vielleicht in 2-4 Jahren ja doch noch einen Mirasol eBook Reader – sofern Qualcomm in der Zwischenzeit nicht wieder das Handtuch wirft.

Quelle: Engadget

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