Testbericht: Tolino Shine 2 HD

22. Oktober 2015
Lesezeit: 15:54 Min.

Mit der Neuvorstellung des Shine 2 HD hat die Tolino-Allianz nach über zwei Jahren den ersten gemeinsamen eReader neu aufgelegt. Das Modell wurde dabei rundum überarbeitet. Es hat ein völlig neues Display spendiert bekommen und hat die etwas altbackene Retro-Optik abgeschüttelt.

Der Tolino Shine 2 HD präsentiert sich dementsprechend als selbstbewusster Konkurrent zum Kindle Paperwhite. Ob der eBook Reader dem Anspruch des Paperwhite-Killers gerecht wird, schauen wir uns im nachfolgenden Testbericht an.

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Verarbeitung & Austattung

Kommen wir gleich zur offensichtlichsten Neuerung des Geräts: Das Gehäuse des Tolino Shine 2 HD wurde völlig neu gestaltet und kann mit moderner Optik begeistern. Die mattschwarze Oberfläche schluckt einfallendes Licht und ist nicht allzu empfindlich für Fingerabdrücke.

Gute Haptik

Das Material (das auf Vorder- und Rückseite gleichermaßen zum Einsatz kommt) fühlt sich relativ weich an und ist haptisch sehr ansprechend.

Im Gegensatz zum ersten Shine hat das neue Modell deutlich an Länge verloren und misst nun 164,2 x 113,5 x 9,3 mm. Der Vorgänger war 175 x 116 x 9,7 mm groß. Dieser Größenunterschied ist deutlich sicht- und spürbar. In erster Linie wurde der Bereich unter dem Bildschirm verkleinert, aber auch die restlichen Ränder sind etwas schmäler geworden. Der guten Handhabbarkeit tut das aber keinen Abbruch. Das relativ niedrige Gewicht von 184 Gramm unterstreicht den positiven Eindruck. Zum Vergleich: Der Kindle Paperwhite bringt mit 205 Gramm spürbar mehr auf die Waage.

Die Verarbeitung des Tolino Shine 2 HD ist sehr gut. Lediglich die Rückseite klappert ein wenig wenn man mit dem Finger drauftippt. Nicht ganz so auffällig wie beim Kobo Glo HD, aber doch merklich. Ansonsten knarzt oder knackst aber nichts. Die in meinen Augen nervige USB-Abdeckung des Vorgängers wurde glücklicherweise weggelassen.

Die beiden Knöpfe auf der Oberseite. Der Beleuchtungsknopf jetzt endlich mit fühlbarem Druckpunkt.

Bei der ersten Bedienung fallen zudem die guten Druckpunkte aller Knöpfe positiv auf. Insbesondere der Beleuchtungs-Knopf war beim ersten Shine so schwammig, dass man nicht wusste, ob er erfolgreich betätigt wurde oder nicht. Das ist nun Geschichte. Alle Tasten lassen sich klar fühlbar bedienen. Der Homebutton ist dabei weiterhin ein Druckknopf (d.h. nicht kapazitiv wie beim Vision). Dieser ist etwas kleiner als beim Vorgänger und hat einen etwas festeren Druckpunkt. Die leicht geformte Einbuchtung ist ein nettes, haptisch ansprechendes Detail.

Im Gegensatz zum Gehäuse hat sich die Ausstattung bedauerlicherweise nicht nur positiv entwickelt. Der Wegfall der Speicherkartenerweiterung ist hierbei besonders ärgerlich.

Als diese beim Tolino Vision 2 erstmals weggelassen wurde, ging ich davon aus, das dies dem Wasserschutz verschuldet war. Da der Tolino Shine 2 HD allerdings keinen solchen Schutz besitzt, liegt die Ursache wohl eher in einer Kosteneinsparung. Auch ein stärkerer Fokus auf die Telekom-Cloud könnte dafür verantwortlich sein. In anderen Worten: Wie auch bei den Konkurrenten (Kindle Paperwhite und Kobo Glo HD) muss man mit dem internen Speicherplatz auskommen. Dieser beträgt 1,99 GB im Auslieferungszustand. Darauf passen üblicherweise rund 2.000 eBooks im ePub-Format. Auch wenn das für die meisten Nutzer ausreichend sein sollte, ist die etwas geringere Flexibilität jedenfalls bedauerlich.

WLan gehört selbstverständlich wieder zum Leistungsumfang. Damit kann man auf das Internet und den integrierten Shop zugreifen. Die größere Änderung betrifft, wie eingangs erwähnt, den Bildschirm. Diesen schauen wir uns im nachfolgenden Teil an.

Display & Beleuchtung

Der alte Tolino Shine hatte nur einen E-Ink Pearl Bildschirm mit einer Auflösung von 1024×758 Pixel. Zum Marktstart gehörte das zwar zum guten Standard, sechs Monate später kam jedoch bereits der Kindle Paperwhite 2 auf den Markt, der erstmals die deutlich bessere E-Ink Carta Technik nutzte. Seitdem wurde der Shine eher als günstiges Einsteigergerät gehandelt.

Damit ist jetzt Schluss. Der neue Shine 2 HD besitzt nun ein ebenso hoch auflösendes E-Ink Carta 6 Zoll Display wie der Hauptkonkurrent. Die Auflösung beträgt 1448×1072 Pixel, woraus sich eine Pixeldichte von 300 ppi ergibt. Dieses Mal muss die Tolino-Allianz zudem keine Angst davor haben, wieder von Amazon ausgestochen zu werden, denn der Paperwhite kam nur wenige Monate vorher auf den Markt.

Hervorragende Kantenschärfe dank Infrarot-Touchscreen.

Die Bedienung des Geräts erfolgt über einen Infrarot-Touchscreen. Dieser sorgt dafür, dass es abseits der Lichtträgerfolie keine zusätzliche Beschichtung auf dem E-Paper Bildschirm gibt. Unter dem Mikroskop macht sich dieser Umstand positiv bemerkbar: Die Kantenschärfe ist besser als beim Paperwhite und liegt am hohen Niveau des Kobo Glo HD. Die Reaktionsfreudigkeit des Touchscreens ist tadellos.

Was den Bildschirmkontrast angeht, kursieren die wildesten Gerüchte – obwohl der Shine 2 HD zum Zeitpunkt der Testveröffentlichung noch gar nicht erhältlich ist. Tatsächlich präsentiert sich der eReader in unserem Test aber als grundsolides Gerät mit toller praktischer Umsetzung.

Im Vergleich zum Branchenprimus Kindle Paperwhite (rechts) kann sich der Tolino Shine 2 HD (links) locker behaupten. Beide Geräte befinden sich auf Augenhöhe.

Ohne Beleuchtung beträgt das Kontrastverhältnis bei praxisnaher Messung 7,75:1. Damit liegt der neue Shine ziemlich genau zwischen Kobo Glo HD und Kindle Paperwhite. Besonders drastisch ist die Verbesserung zum Vorgängermodell. Der alte Shine ist im direkten Vergleich kontrastarm. Das weiter unten angezeigte Vergleichsbild mit Beleuchtung zeigt den Unterschied sehr gut.

In anderen Worten: Die Ablesbarkeit des Shine 2 HD ist sehr gut – sowohl im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz und insbesondere auch im Vergleich zum Vorgänger. Von mir gibt es hier jedenfalls keinen Grund zur Klage.

Anmerkung: Um die Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen noch besser sichtbar zu machen, wurde das Messverfahren erneut angepasst, sowie eine andere Lichtquelle verwendet. Die nachfolgenden Zahlen wurden neu ermittelt und sind nicht direkt mit den alten (aus früheren Tests) vergleichbar. Es handelt sich um eine praxisnahe Messung, nicht um das maximale Kontrastverhältnis.

Kontrastverhältnis ohne Beleuchtung (höher ist besser)

  • Kobo Aura H2O 8.98
  • Kindle Voyage 8.48
  • Bookeen Muse Frontlight 8.25
  • Kindle Paperwhite 2 8.0
  • Kobo Glo HD 7.99
  • Tolino Shine 2 HD 7.75
  • Kindle Paperwhite 3 7.61
  • Tolino Vision 2 7.48
  • PocketBook Touch Lux 3 7.45
  • Tolino Vision 1 6.96

Mit aktivierter Beleuchtung setzt sich das gute Bild fort. Der Kontrast verbessert sich sichtbar und liegt wieder am gleichen hohen Niveau der beiden Mitbewerber. Vom verwaschenen Look des Vorgängers ist hier absolut nichts mehr zu sehen: Der Shine 2 HD ist mit aktivierter Beleuchtung knackig und scharf.

Auch tagsüber macht die Beleuchtung Sinn.

Kontrastverhältnis X:1, mit voller Helligkeit (höher ist besser)

  • Bookeen Muse Frontlight 10.78
  • Kindle Voyage 10.5
  • Kobo Aura H2O 10.0
  • PocketBook Touch Lux 3 9.54
  • Kindle Paperwhite 3 9.33
  • Kobo Glo HD 9.21
  • Tolino Shine 2 HD 9.1
  • Kindle Paperwhite 2 9.0
  • Tolino Vision 2 7.4
  • Tolino Vision 1 6.5

Eine weitere Sache fällt positiv auf: Der Ghosting-Effekt des Displays ist während des normalen Lesens extrem gering. Ich habe bisher noch kein anderes Gerät (außer den Vision 3 HD!) gesehen, das einen solch geringen Ghosting-Effekt besitzt. Selbst nach zahllosen Blättervorgängen ist quasi nichts vom geisterhaften „Durchscheinen“ einer früheren Digitalseite erkennbar.

Der Hersteller ist sich dieser Tatsache ganz offensichtlich bewusst: Die Bildschirmaktualisierung ist in den Geräteeinstellungen standardmäßig auf „nie“ geschaltet. Alternativ kann man aber auch in Zehnerschritten aktualisieren lassen.

Nur wenn man diverse Menüs aufruft, ist der Ghosting-Effekt sichtbar. Üblicherweise wird der Bildschirm danach aber automatisch vollständig aktualisiert, sodass es während des Lesens keine Probleme gibt.

Beleuchtungshelligkeit und -Qualität

In diesem Zusammenhang ist es erwähnswert, dass die Beleuchtung des Geräts eine überwindbare Höchsteinstellung besitzt. Das bedeutet: Wenn man den Shine 2 HD in Betrieb nimmt und nur den normalen Schieberegler im Menü benutzt, dann ist die maximale Helligkeit mit 45 cd/m² eher niedrig – am Niveau des Vorgängers.

Wechselt man jedoch in die Geräteeinstellungen und hält dort das rechte Beleuchtungssymbol gedrückt, lässt sich der hellere Modus freischalten. Mit der neuen Höchsteinstellung strahlt die Beleuchtung mit 89 cd/m² deutlich heller.

Ein versteckter Modus um die maximale Helligkeit zu erhöhen.

Weshalb sich die Entwickler zu einem solchen versteckten Modus entschlossen haben, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel. Bei der Freischaltung wird zwar ein Popup-Fenster eingeblendet, in dem darauf hingewiesen wird, dass die Akkulaufzeit leiden könnte. In meinen Augen ist dieser Umstand aber zu vernachlässigen. Auch wenn der Testzeitraum eher kurz war – eine ungewöhnliche Akkuentladung konnte ich nicht feststellen.

Maximale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (höher ist besser)

  • Kindle Voyage 122
  • Kindle Paperwhite 3 115
  • Kobo Glo HD 114
  • Kobo Aura 112
  • PocketBook Touch Lux 3 111
  • Kobo Aura H2O 99
  • Kindle Paperwhite 2 91
  • Tolino Shine 2 HD 89
  • PocketBook Sense 70
  • Icarus Illumina 2015 60
  • Tolino Vision 2 53
  • Tolino Shine 41

Die minimale Helligkeitsstufe ist mit 2 cd/m² ausreichend niedrig um auch im abgedunkelten Raum nicht geblendet zu werden. Im Gegensatz zu den Kindle-Konkurrenten kann man die Beleuchtung auch vollständig abschalten.

Minimale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (niedriger ist besser)

  • Tolino Shine 2.4
  • PocketBook Sense 2.4
  • Tolino Vision 2 2.2
  • Tolino Shine 2 HD 2.0
  • PocketBook Touch Lux 3 1.6
  • Kobo Glo HD 1.4
  • Kobo Aura H2O 1.2
  • Kobo Aura 1.2
  • Icarus Illumina 2015 0.7
  • Kindle Voyage 0.2
  • Kindle Paperwhite 2 0.2
  • Kindle Paperwhite 3 0.2

Die Beleuchtungsqualität kann sich ebenfalls sehen lassen. Während der Vorgänger noch einen sichtbaren Farb- und Helligkeitsverlauf besessen hat, ist beim neuen Modell hiervon nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil: Die Ausleuchtung erfolgt ausgesprochen gleichmäßig, ohne nennenswerte Unregelmäßigkeiten.

Eine der gleichmäßigsten Beleuchtungen die ich bisher gesehen habe

Manipuliert man die Bildeigenschaften um Unregelmäßigkeiten besser sichtbar zu machen, werden die Lichthöfe am unteren Rand sichtbarer, ebenso wie ein sehr schwacher Farbverlauf, der mit freiem Auge allerdings gar nicht auffällt.

Per Bildmanipulation lassen sich Unregelmäßigkeiten sichtbar machen – hier sind allerdings kaum welche zu sehen.

Die Farbtemperatur unseres Testgeräts ist neutral weiß und entspricht ziemlich genau jener des Kobo Glo HD. Hier gilt es allerdings anzumerken, dass aufgrund der üblichen Produktionsschwankungen auch unterschiedliche LED-Färbungen ausgeliefert werden können. Das gibt es bei ausnahmslos jedem Hersteller, da die LED-Produktion einer gewissen Schwankung unterliegt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang daher, dass auschließlich gleich gefärbte LEDs in einem Gerät zum Einsatz kommen.

Die Beleuchtung des neuen Shine 2 HD (links) ist dem Vorgänger (rechts) um Lichtjahre voraus

Unterm Strich kann der Bildschirm des Tolino Shine 2 HD auf jeden Fall überzeugen. Das Gerät hat zwar nicht die allerbeste Anzeigequalität am Markt (die beansprucht weiterhin der Kobo Aura H2O für sich), aber schließt mit der tollen Vorstellung endlich zur Konkurrenz von Amazon und Kobo auf. In meinen Augen ist es das erste Mal, dass die Tolino-Allianz ein Gerät auf (technischer) Augenhöhe zu den Mitbewerbern anbietet. Ohne Wenn und Aber. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt aus dieser Perspektive somit auf jeden Fall. Für Besitzer eines Shine 1 ist der Wechsel zum neuen Modell jedenfalls ein No-Brainer (siehe Bild).

Lesen & Benutzerfreundlichkeit

Als Tolino Nutzer wird man sich beim Shine 2 HD gleich zuhause fühlen. Nachdem die bekannte Ersteinrichtung mit Sprachwahl, WLan-Einstellung (optional) und Shop-Login (optional) abgeschlossen wurde, wird man zunächst durch die kurze Schnellstartanleitung geführt. Danach landet man am bekannten Startbildschirm.

Das bedeutet allerdings auch, dass man wie gewohnt die nicht ausblendbaren Shop-Empfehlungen erdulden muss, die beinahe die Hälfte des Homescreens einnehmen.

Die Empfehlungen aus dem angeschlossenen Shop lassen sich leider weiterhin nicht ausblenden

Die Bedienung erfolgt auch sonst ohne besondere Überraschungen: Die Reaktionsfreudigkeit des Systems ist sehr gut und der Aufbau bekannt. Lediglich ein paar Symbole wurden wegen der höheren Pixeldichte optisch ein wenig angepasst. Hierfür kommt nun ein Vektorfont zum Einsatz, sodass die Icons bei jeder Auflösung gestochen scharf aussehen.

Bibliothek und Lesebetrieb

Die Bibliotheksfunktion hat sich ebenfalls nicht geändert. Die eBooks lassen sich weiterhin in einer Kachel- und Listenansicht anzeigen und nach Aktualität, Titel, Autor und Zuletzt hinzugefügt sortieren. Außerdem kommt wieder das proprietäre Sammlungssystem zum Einsatz. Damit kann man die Titel besser nach Kategorien sortieren, bedauerlicherweise aber nicht mit den Calibre-Schlagworten abgleichen.

Zwischen den Bibliotheksseiten kann man seit dem letzten Softwareupdate nun auch endlich mit der bekannten Wischgeste hin- und herwechseln. Früher musste man die virtuellen Knöpfe am unteren Bildschirmrand nutzen, was zwar ebenfalls problemlos geklappt hat, aber nicht so intuitiv war.

Bibliothek

Sofern man sich beim eingebauten Shop angemeldet hat, werden alle in der Cloud befindlichen Titel ebenfalls angezeigt. Diese sind mit einem kleinen Wolkensymbol gekennzeichnet und können mit einem Klick heruntergeladen werden.

Das gewünschte eBook öffnet man mit einem Antippen. Daran kann man ebenfalls mit der Wischgeste umblättern, oder mit einem Tippen auf die vordefinierten Bildschirmbereiche.

Die Schriftbildeinstellungen erlauben weiterhin eine Anpassung der Schriftart (Fira, Dosis, Linux Libertine, Droid Serif, Rokkitt und Verlagsschrift), der Größe in sieben Stufen, sowie der Zeilenhöhe und Seitenränder in drei Stufen. Bei der Ausrichtung kann man wieder zwischen Blocksatz, Flattersatz und Mittelachsensatz wählen.

Textdarstellung anpassen

Eine Zeitvorhersage, wie lange man noch bis zum Kapitel- oder Buchende liest, gibt es hier zwar nicht, allerdings kann man mit einem Antippen die verbleibenden Seiten zum nächsten Kapitel anzeigen lassen.

Markierungen, Notizen & Wörterbuch

Tippt man mit dem Finger etwas länger auf ein Wort, öffnet sich ein Kontextmenü. Hier lässt sich die Auswahl für Markierungen, Notizen und die Wörterbuchfunktion wählen.

Die Eingabe der Notizen funktioniert auf der sehr schnell reagierenden, virtuellen QWERTZ-Tastatur bestens. Markierungen werden hellgrau hinterlegt, Notizen dunkelgrau. Außerdem werden diese zusammen mit den Lesezeichen in einer externen TXT-Datei abgelegt, sodass man sie später am PC leicht weiterverarbeiten kann.

Die Wörterbuchfunktion wäre besser, wenn sie direkt im Text angezeigt werden würde, nicht in einem ganz neuen Fenster

Bei der Wörterbuchfunktion stehen zwei Modi zur Verfügung. Man kann entweder Bedeutungs- oder Übersetzungswörterbücher nutzen. Folgende sind enthalten:

  • Deutsch
  • Englisch
  • Französisch
  • Italienisch
  • Niederländisch
  • Spanisch
  • Englisch-Deutsch
  • Englisch-Italienisch
  • Französisch-Deutsch
  • Italienisch Deutsch
  • Italienisch Französisch
  • Italienisch-Spanisch
  • Niederländisch-Deutsch
  • Niederländisch-Englisch
  • Niederländisch-Französisch
  • Niederländisch-Nordwegisch
  • Spanisch-Deutsch

Auch wenn die Qualität der hier zum Einsatz kommenden Wiktionary-Wörterbücher nicht an die redaktionell gepflegten (wie z.B. den Duden) ranreicht, so darf man sich dennoch über den guten Lieferumfang der Übersetzungswörterbücher ins Deutsche freuen. Die meisten anderen Hersteller bieten meist nur Übersetzungen ins Englische.

Nicht optimal ist die Anzeige der Wortdefinition, denn diese wird in einem bildschirmfüllenden Fenster geöffnet und erfordert einen zusätzlichen Klick. Die direkte Einblendung im Text, wie man das von Amazon und Kobo kennt, ist die bessere und intuitivere Lösung, die ich mir auch für die Tolino-Software wünsche.

PDF-Anzeige

Die PDF-Anzeige ist ein zweischneidiges Schwert. Positiv ist zunächst zu erwähnen, dass die extrem hohe Pixeldichte dafür sorgt, dass auch großformatige Dateien im Originalformat lesbar sind. Der Text ist dann zwar winzig, aber trotzdem erkennbar.

Der winzige Text dieser PDF-Datei lässt sich mit dem freien Auge tatsächlich noch entziffern – 300 ppi Display sei Dank

Zusätzlich steht ein Querformatmodus zur Verfügung, der die Anzeige verbessert. Mit der Pinch-To-Zoom-Geste kann man die Dateien schrittweise vergrößern. Als Bonus steht außerdem ein Text-Reflow-Modus zur Verfügung. Auch die Anzeige großer (bis 100 MB), bildreicher PDF-Dateien klappte in unserem Test zuverlässig.

Wie schon bei den Vorgängern, stehen keine sonstigen Anzeigemodi zur Verfügung. Randbeschnitt, Spaltenmodus, Kontrastverstärkung etc. sucht man also vergeblich.

Sonstiges

Der Internetbrowser des Tolino Shine 2 HD hat mit dem letzten Softwareupdate endlich die Lesezeichenfunktion zurückbekommen. Zuvor wurde die Funktionalität des Androidbrowsers unnötig beschnitten, was die Nutzung erschwerte. Das ist nun jedenfalls nicht mehr der Fall. Die Onleihe, alternative Shops und sonstige Internetseiten (z.B. für News) kann man bequem in den Lesezeichen ablegen und so schnell und unkompliziert aufrufen.

Der Browser ist dank Android-Unterbau reaktionsfreudig und lädt Internetseiten flott und fehlerfrei.

Buchkauf im integrierten Shop – hier eBook.de

Der eBook-Kauf klappt wie gewohnt über den eingebauten Shop. Welcher das ist, hängt davon ab, wo das Gerät gekauft wurde. Im Nachhinein lässt sich dieser nicht ändern. Praktischerweise kann man allerdings die sogenannte Bibliotheksverknüpfung nutzen, um verschiedene Benutzerkonten von Tolino-Allianz-Shops miteinander zu verbinden. Hat man den eReader z.B. bei eBook.de erworben, aber seine eBooks zuvor vornehmlich bei Thalia gekauft, kann man das Thalia-Konto trotzdem einbinden. Dadurch werden die eBooks des anderen Benutzerkontos ebenfalls synchronisiert.

Fazit

Im Vorfeld zur Frankfurter Buchmesse war bereits klar, dass die Tolino-Allianz die beiden neuen eBook Reader mit HD-Displays austatten würde. Wie immer stand aber die Frage im Raum, wie gut die praktische Umsetzung gelungen ist. Zwar befanden sich die bisherigen Tolino-Modelle immer im guten Mittelfeld, wirklich herausragend waren sie aber nicht. Damit ist nun endlich Schluss.

Der Tolino Shine 2 HD zeigt, dass es auch anders geht. Der neue eReader präsentiert sich nicht nur mit neuer Technik, sondern erstmals wirklich auf technischer Augenhöhe zur Konkurrenz. Das hochauflösende E-Ink Carta Display kann sowohl mit als auch ohne Beleuchtung überzeugen und begeistert mit einer gleichmäßigen Ausleuchtung und angenehmen Farbtemperatur. Vor der Konkurrenz braucht sich der neue Shine keinesfalls zu verstecken.

Der Tolino Shine 2 HD kommt mit einem Paukenschlag auf den Markt. Tolle Technik, solide Software, guter Preis.

Zusätzlich kann das Modell auch mit einem sehr geringen Ghosting-Effekt überraschen. Seitenwechsel klappen schnell und ohne den bekannten Flackereffekt.

Etwas schade ist allerdings, dass die Softwarefunktionen im Gegensatz zur Hardware nicht verbessert wurden. Im Grunde bleibt eigentlich alles beim alten. Die Ressourcen wurden vermutlich in erster Linie dafür verwendet, um das System auf die neue Pixeldichte anzupassen.

Auch wenn die Funktionalität unterm Strich gut und einfach zugänglich ist, gewisse Dinge könnte man weiterhin besser machen. In erster Linie sollte die Tolino-Allianz die Wörterbuchfunktion verbessern und auch die Sammlungsfunktion (zur Calibre-Unterstützung) überarbeiten. Eine umfangreichere PDF-Funktion wäre ebenfalls nett, dürfte aber für das Gros der Nutzer nicht ganz so wichtig sein.

Letztendlich liefert die Buchhandelsallianz mit dem Tolino Shine 2 HD aber ein tolles Lesegerät ab. Der eBook Reader kann in unserem Test somit die hervorragende Note 1,4 erreichen. Die beiden Hauptkonkurrenten Kindle Paperwhite und Kobo Glo HD erreichen aufgrund der umfangreicheren Software geringfügig bessere Noten, müssen sich aber dennoch warm anziehen. Es würde mich nicht wundern, wenn der Preis des Glo HD mittelfristig fallen wird (aktuell noch 10 Euro teurer als der Shine).

Abschließend ebenfalls noch eine Erwähnung wert: Für Besitzer des Vorgängermodells zahlt sich der Wechsel in meinen Augen auf jeden Fall aus. Nicht nur die höhere Bildschirmauflösung und neuere E-Ink Carta Technik können überzeugen, auch die Ausleuchtung des Bildschirms und der Kontrast sind um ein Vielfaches besser als bisher.


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