TEST: Amazon Kindle Paperwhite

5. Dezember 2012
Lesezeit: 33:12 Min.

Unter großem Presseaufgebot hat Amazon im Spätsommer neben einigen neuen Tablets auch einen neuen eBook Reader präsentiert. Der Kindle Paperwhite tritt die Nachfolge des Kindle Touch an und soll vor allem mit seiner eingebauten Beleuchtung für eine bessere Ablesbarkeit des Bildschirms sorgen. Aber auch die höhere Displayauflösung gehört zu den wichtigen Neuerungen des Paperwhite.

Der beleuchtete Amazon Reader ist aber nicht der einzige seiner Art, sondern muss sich gegen den Kobo Glo und Bookeen HD Frontlight behaupten, welche mit den gleichen technischen Spezifikationen punkten können. Wie Amazon mit der patentierten Beleuchtungstechnik und dem (kompletteren) Ökosystem gegen die beiden Konkurrenten besteht, erfährst du im nachfolgenden Test.


Bildergalerie

Unboxing

Amazon verschickt den Paperwhite – so wie alle Kindle eBook Reader – ohne Umverpackung. D.h. dass der Reader in einer kleinen Schachtel ankommt, aus der man ihn direkt auspacken kann. Der Verpackungsinhalt hält wie gewohnt keine Überraschungen bereit. Neben dem Kindle Paperwhite befindet sich eine Schnellstartanleitung und ein MicroUSB-Kabel in der Verpackung.

Wie schlägt sich der Kindle Paperwhite (mitte) gegen Kobo Glo (rechts) und Bookeen HD Frontlight (links)?

Verarbeitung

Der Amazon Kindle Paperwhite ist komplett in Schwarz gehalten. Die Vorderseite des Gehäuses besteht aus einem schwarzen, glatten Kunststoff, welches sich gut angreift und kaum Fingerabdrücke zeigt. Auch Lichtreflexionen schluckt es problemlos. Die Rückseite besteht aus einem rauheren Material und ist ebenfalls tiefschwarz.

Direkt unter dem Bildschirm befindet sich ein silbernes Kindle-Logo, ansonsten ist die Vorderseite frei von irgendwelchen Markierungen. Auf der Rückseite ist das Kindle-Logo in das Cover eingelassen, was im laufenden Betrieb aber nicht stört.

An der Unterseite befinden sich der Einschaltknopf und der MicroUSB-Anschluss. Weitere Anschlüsse oder Knöpfe gibt es nicht. Auch die vom Kindle Touch bekannten Kontaktstellen für das Licht-Cover an der Rückseite sind (verständlicherweise) verschwunden.

Während der Kindle Touch in unserem Testbericht einen etwas durchwachsenen Eindruck gemacht hat, was seine Verarbeitung anging, kann der Paperwhite hier voll und ganz überzeugen. Die Materialanmutung ist perfekt, nichts wackelt oder knarzt. Auch alle Spaltmaße sind gleichmäßig. Das ist allerdings auch keine allzu große Überraschung, denn der Paperwhite verfügt nur über nur einen Knopf (Einschaltknopf) und hat sonst keine beweglichen Teile.

Der Amazon Kindle Paperwhite kann mit einer tadellosen Verarbeitung überzeugen

Ausstattung

Der Amazon Kindle Paperwhite verfügt über einen internen Speicher von 2GB welcher nicht erweiterbar ist. Davon sind wiederum nur ca. 1,3 GB frei verfügbar. Da der Kindle Paperwhite keine Audiofunktion besitzt, ist der kleine, nicht erweiterbare Speicher nicht so schlimm wie noch beim Kindle Touch. Immerhin passen viele hundert eBooks auf den Reader – und der Rest wird bei Amazon in der Cloud gespeichert (mehr dazu später). Gegen einen größeren internen Speicher wäre aber natürlich nichts einzuwenden.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern, muss der Kindle Paperwhite ohne Audiofunktion auskommen

Den Paperwhite gibt es außerdem in zwei verschiedenen Ausführungen. Mit der teureren 3G-Version kann man ohne WLan, ohne komplizierte Einrichtung und ohne monatliche Kosten auf den integrierten eBook Store zugreifen. Der Internetzugriff funktioniert wie bei einem Handy über ein Mobilfunknetz eines Amazon-Partners. Als Endkunde muss man sich aber nicht weiter darum kümmern, denn im Gegensatz zum Handy ist beim Amazon Kindle Paperwhite 3G kein Vertrag oä. nötig. Das Gerät wird einmalig zum Preis von 189 Euro gekauft und ist von da an ohne zusätzliche Kosten (außer bei den persönlichen Dokumenten; mehr dazu später) oder irgendwelche Bindungen nutzbar. Diese Version eignet sich perfekt für Personen, welche zuhause kein Drahtlosnetzwerk eingerichtet haben, oder häufig unterwegs sind, denn auch im Ausland kann man die 3G-Verbindung ohne zusätzliche Kosten nutzen. Noch einfacher geht’s nicht.

Mit der WiFi-Version des Paperwhite, kann man aber natürlich auch direkt am Gerät einkaufen, wobei hier eine WLan-Verbindung zwingend erforderlich ist. Das deckt sich mit der Funktionalität anderer eBook Reader. Über WLan kann man außerdem den eingebauten Browser nutzen um im Internet zu surfen. Auch bei der 3G-Version funktioniert dies ebenfalls nur über WLan.

Display & Beleuchtung

Der Amazon Kindle Paperwhite verfügt über ein 6 Zoll eInk Pearl Display mit einer Auflösung von 1024×758 Pixel, welches 16 Graustufen darstellen kann. Damit befindet sich der Paperwhite auf Augenhöhe mit dem Kobo Glo und dem Bookeen HD Frontlight. Die Beleuchtung des Bildschirms erfolgt über 4 LEDs, welche sich am unteren Bildschirmrand im Rahmen befinden. Erkennbar ist dies durch die Schattenbildung, welche etwa gleich stark ausgeprägt ist, wie beim Kobo Glo (und schwächer als am Bookeen HD Frontlight).

Der Vorgänger Kindle Touch hatte noch einen Infrarot-Touchscreen in Verwendung, wie er aktuell noch immer bei Kobo Glo und Sony PRS-T2 zum Einsatz kommt. Der Amazon Kindle Paperwhite wird hingegen über einen kapazitiven Touchscreen gesteuert, welcher zuverlässig auf jede Eingabe reagiert. Wiederholtes Antippen, weil eine Eingabe nicht erkannt wurde, war im gesamten Testzeitraum nie nötig. Der Reader unterstützt auch Multitouch-Gesten, sodass man den Inhalt in einem eBook, einer PDF-Datei oder im Internetbrowser mit der Pinch-To-Zoom-Geste vergrößern kann. Dank der kapazitiven Touchscreentechnik sitzt der Bildschirm nicht so weit im Gehäuse wie beim Kobo Glo oder Sony PRS-T2. Da die Infrarot-Sensoren bei diesen beiden Geräten im Rahmen sitzen, muss das Display dort etwas tiefer versenkt werden.

Ausgezeichneter Kontrast dank eingebauter Beleuchtung

Wie der Bookeen HD Frontlight, kann auch der Kindle Paperwhite mit einem sehr guten Kontrastverhältnis bei deaktivierter Beleuchtung überzeugen. Unterm Mikroskop mit 6 LEDs beleuchtet, messen wir ein Kontrastverhältnis von 11,5:1. Im Vergleich: Bookeen HD Frontlight bietet ebenfalls ein Kontrastverhältnis von 11,5:1, Kobo Glo von 10:1 und Sony PRS-T2 von 13:1.

Unter dem Mikroskop: Der Kontrast des Kindle Paperwhite (rechts) ist deutlich besser als am Kobo Glo (links)

Bei aktivierter Beleuchtung wird der Unterschied noch größer. Stellt man Kobo Glo und Kindle Paperwhite auf eine ähnliche Beleuchtungsstufe, wirkt der Kobo Reader daneben fast ein wenig blass. Der Hintergrund am Kobo Glo ist zwar weißer und lässt sich auch deutlich heller stellen, von den Kontrastwerten kommt der kanadische Reader aber nicht an den Paperwhite heran. Aktiviert man die Beleuchtung des Paperwhite, wird der Schwarzton der Schrift sogar noch ein wenig kräftiger. Beim Kobo Glo messen wir bei aktivierter Beleuchtung ein Kontrastverhältnis von ca. 11,5:1, während der Kindle Paperwhite mit einem unglaublichen Kontrastverhältnis von 15:1 fast restlos überzeugen kann.

Im nachfolgenden Video eine Demonstration der Displaybeleuchtung bei absoluter Dunkelheit:

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Farbwolken – Probleme in der Fertigung?

Warum nur fast restlos? Die Beleuchtung des Kindle Paperwhite verbessert das Kontrastverhältnis zwar in ausgezeichnetem Maße, allerdings muss man leider die Gleichmäßigkeit bemängeln. Laut Amazon kommt beim Kindle Paperwhite eine patentierte Lichtträgerfolie zum Einsatz, welche durch spezielle Nanoprägung ein gleichmäßiges weißes Licht über den Bildschirm werfen soll. Durch die Prägung soll sich außerdem der Kontrast verbessern, da das Licht direkt auf das Display umgeleitet wird.

Aber leider scheint Amazon Probleme in der Fertigung zu haben, denn das mit dem verbesserten Kontrast klappt zwar – wie man sehr eindrucksvoll an den oben gemachten Bildern und den Messungen sehen kann – allerdings ist die Beleuchtung nicht so gleichmäßig wie bei Kobo Glo oder Bookeen HD Frontlight. Besonders im direkten Vergleich zu beiden Geräten macht sich das negativ bemerkbar. Amazon geht mit der Beleuchtung allerdings auch einen etwas anderen Weg als die Konkurrenz. Während man bei den beiden anderen Geräten das Licht wirklich sehr hell einstellen kann, gibt sich der Paperwhite mit einer deutlich niedrigeren maximalen Helligkeitsstufe zufrieden. Hier steht nicht das Licht selbst im Vordergrund, sondern die Kontrastverbesserung die dadurch entsteht.

Die Unregelmäßigkeiten äußern sich nicht etwa durch ungleiche Lichtverteilung, sondern durch Veränderungen des Farbtons. D.h. in einigen Teilen des Bildschirms wirkt das Licht eher rötlich, während andere Teile eher blau erscheinen.

3x Kindle Paperwhite: Alle drei weisen (z.T. leichte) Verfärbungen auf

Am stärksten sieht man den Effekt wenn man die Beleuchtung auf der höchsten Stufe (Stufe 24) eingestellt hat. Hier empfinde ich die Verfärbungen durchaus als störend. Wählt man eine etwas niedrigere Stufe (z.B. Stufe 20), sind die Verfärbungen hingegen kaum noch sichtbar und dürften die meisten auch nicht mehr stören. Dies ist auch ein sehr wichtiger Punkt der Erwähnung finden muss: Die subjektive Wahrnehmung dieser Verfärbungen unterscheidet sich sehr stark. Ich habe Familie und Freunde nach ihrer Meinung gefragt und den meisten fiel der Farbunterschied gar nicht oder erst auf, wenn man sie darauf hingewiesen hat. Wie empfindlich man letztendlich selbst auf diese Verfärbungen ist, kann man nur ausprobieren. Im schlimmsten Fall muss man den Kindle Paperwhite dann eben umtauschen oder ganz zurückgeben.

UPDATE: Inzwischen scheint Amazon das Problem in den Griff bekommen zu haben. Die Meldungen zu Problemen mit Farbwolken haben deutlich abgenommen und auch unser kurzer Nachtest hinterlässt einen positiven Eindruck. Mehr dazu hier

Die Ablesbarkeit ist bei Tageslicht auch mit deaktivierter Beleuchtung gut …

… mit aktivierter Beleuchtung aber noch besser

Im normalen Lesebetrieb stellt man die Beleuchtung selten auf die höchste Stufe. In abgedunkelten Räumen ist das nämlich zu hell und bei normaler Raumbeleuchtung reicht schon Stufe 15 um die Lesbarkeit angenehm zu verbessern. Dennoch ist Amazon dringend angehalten dieses Problem zu beheben.

Trotz des Mangels muss man sagen, dass die Beleuchtung die Lesbarkeit selbst bei Tag sehr stark verbessert. Amazon hat den Mund bei der Pressevorstellung nicht zu voll genommen, als man behauptet hat, dass die Kunden die Beleuchtung auch tagsüber verwenden werden. Der Bildschirmhintergrund wird bei aktiviertem Licht deutlich heller, wobei der Schwarzton des Displays im Gegensatz zum Kobo Glo und Bookeen HD Frontlight nicht im geringsten verblasst. Wie bereits erwähnt, erhöht sich der Kontrast dadurch sehr stark, was die Lesbarkeit massiv verbessert. Die nachfolgenden Bilder zeigen den Vergleich zum Sony PRS-T2, welcher das beste Kontrastverhältnis aller von uns getesteten Reader bietet, aber über keine eingebaute Beleuchtung verfügt:

Sony PRS-T2 (links) vs. unbeleuchteten Kindle Paperwhite (rechts)

Und nochmal mit Licht: Sony PRS-T2 (links) vs. Kindle Paperwhite (rechts)

Positiv erwähnen muss man an dieser Stelle wieder einmal den ausgezeichneten Service von Amazon. Da die Verfärbungen am ersten Kindle Paperwhite in meinen Augen viel zu stark waren, habe ich Ersatz angefordert, welcher nach einem kurzen Telefonat mit dem Kundenservice sofort versandfertig gemacht wurde und mich zwei Tage später erreicht hat. Perfekt!


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