Kindle Paperwhite 3 im ausführlichen Test

4. Juli 2015
Lesezeit: 21:44 Min.

Im Juni 2015 hat Amazon völlig überraschend den Kindle Paperwhite 3 vorgestellt und auf den Markt gebracht. Das neue Modell löst den Vorgänger nach über 1 1/2 Jahren am Markt ab und bringt in zwei Bereichen wichtige Verbesserungen mit: Der Paperwhite 3 nutzt ein 300 ppi Display, das genauso scharf ist wie das des Kindle Voyage und nutzt eine neue Render-Engine, sodass die Text-Darstellung dank Silbentrennung und einiger anderer Änderungen deutlich besser ist, als bei den bisherigen Lesegeräten des Unternehmens.

Ansonsten präsentiert sich der neue eBook Reader jedoch als nur gering verändertes Gerät, sodass sich natürlich auch die Frage stellt, ob das neue Modell die Konkurrenz weiter auf Abstand halten kann, oder eingeholt wurde. Im nachfolgenden Test beantworten wir diese Frage und vergleichen den Kindle Paperwhite 3 mit verschiedenen anderen eReadern.

Kindle Paperwhite 3 im Videotest

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Verarbeitung & Austattung

Irgendwann im Jahr 2014 hat Amazon damit aufgehört, den Kindle Paperwhite im unbedruckten Karton ohne Umverpackung zu verschicken, sondern mit hübschem Aufdruck und im bekannten Amazon Versandkarton. Dies setzt das Unternehmen auch beim neuen Paperwhite 3 fort.

Bei Erhalt ist zunächst sehr auffällig, wie klein die eigentliche Verpackung des neuen Geräts ist, weshalb man vermuten könnte, dass auch der eBook Reader geschrumpft ist. Tatsächlich haben sich die Abmessungen aber nicht geändert, denn das neue Modell steckt im Vergleich zum Vorgänger in einem nur leicht veränderten Gehäuse.

Mit schwarz glänzendem Logo

Als Besitzer eines Kindle Paperwhite der ersten bzw. zweiten Generation bekommt man ein sehr vertrautes Gerät präsentiert. Es gibt im Grunde nur drei nennenswerte (kleine) Unterschiede:

  1. Die Vorderseite ist nun matter und besitzt nicht mehr den bekannten tiefschwarzen Glanz des Vorgängers.
  2. Das Kindle Logo unter dem Display ist schwarz glänzend, anstatt silber glänzend, was eine sehr willkommene Neuerung ist, da die Farbwahl weit weniger auffällig ist.
  3. Das Amazon Logo auf der Rückseite glänzt gar nicht mehr, sondern ist ebenso matt wie der Rest des Rückcovers

Das war’s. Sonstige sicht- und fühlbare Änderungen am Gehäuse gibt’s nicht. Auch das Gewicht liegt mit 205 Gramm für die WLan Version im Grunde am Niveau des Vorgängers (206 Gramm).

Aufgrund der nur geringen Änderungen ist auch die Verarbeitung wieder sehr ordentlich und bleibt ohne besondere Auffälligkeiten. Nichts knarzt oder knackst und die Spaltmaße sind gleichmäßig. Der Kindle Paperwhite 3 fühlt sich somit weiterhin bekannt hochwertig an – ganz im Gegensatz zum Basis-Modell das sich wegen des billigen Gehäuses einige Kritik gefallen lassen muss.

Das quasi unveränderte Äußere bedeutet zudem, dass man alte Paperwhite-Hüllen auch mit dem neuen Modell verwenden kann.

Bis auf einige wenige Details steckt das neue Gerät im gleichen Gehäuse wie der Vorgänger

Display & Beleuchtung

Die wichtigste Neuerung des Kindle Paperwhite 3 steckt ohne Zweifel im Display. Das Gerät besitzt einen E-Ink Carta Bildschirm mit einer Auflösung von 1448×1072 Pixel. Mit der Displaydiagonale von 6 Zoll ergibt sich somit eine Pixeldichte von 300 ppi.

In anderen Worten: Ein einzelner Bildpunkt beim neuen Paperwhite ist deutlich kleiner als bei Vorgängermodell. Das resultiert in einer schärferen Abbildleistung, am Niveau des teureren Kindle Voyage.

Neben Kobo Glo HD und Kindle Voyage ist der Paperwhite 3 somit der dritte eReader am deutschen Markt mit einem sogenannten Retina-Display (Ein Begriff aus der Apple Marketing-Sprache für hochauflösende Bildschirme).

Kontrast & Auflösung

Beim Auspacken und aktivieren des neuen Geräts fällt schnell auf, dass die Displayqualität wieder sehr gut ist. Insbesondere kleine Bedienelemente sind gegenüber dem Vorgänger sofort als deutlich schärfer erkennbar. Auch im laufenden Betrieb kann man den Unterschied gut ausmachen, was unter anderem an der neuen Render-Engine und Schriftart Bookerly liegt.

Unter dem Mikroskop (nachfolgendes Bild; mit der Maus lässt sich der Schieber hin- und herbewegen) kann man sehen, dass besonders Rundungen von der neuen Schärfe profitieren. Die Kantenglättung beim alten Modell (links) sorgt dafür, dass die Schrift zwar glatt wirkt, aber im Detail auch ein wenig unschärfer. In den nachfolgenden Vergleichsbildern sind die auffälligsten Stellen rot gekennzeichnet:

Original ImageKindle Paperwhite 3
Modified ImageKindle Paperwhite 2

Wenn man nun einen Schritt zurückmacht und die Bildschirme des alten und neuen Paperwhite bei rund 20 Zentimetern Leseabstand miteinander vergleicht, dann kann man ebenfalls gut erkennen, dass der neue eReader dank der größeren Anzahl an Pixeln eine schärfere Schriftdarstellung bzw. höhere Kantenschärfe besitzt.

Original ImageKindle Paperwhite 3
Modified ImageKindle Paperwhite 2

Im Praxisbetrieb erweist sich die höhere Auflösung damit tatsächlich als sinnvolle Neuerung, die den Lesebetrieb jedenfalls angenehmer macht. Der Vollständigkeit halber muss man aber auch erwähnen, dass der Anzeigevorteil umso geringer ausfällt, je größer die Schrift eingestellt ist, bzw. je weiter man den eReader vom Gesicht hält.

Im Vergleich zum Kindle Paperwhite 2 gibt’s abseits der Schärfeverbesserung aber auch eine kleine Verschlechterung, denn wie man an der Mikroskopaufnahme erkennen kann, ist der Hintergrund des neuen Displays minimal dunkler (Schwarzton bleibt gleich), was bedeutet, dass auch der Kontrast ohne aktivierter Beleuchtung etwas geringer ist.

Der neue Paperwhite 3 bringt es in unserer praxisnahen Messung auf ein Kontrastverhältnis von 7,61:1, während der Paperwhite 2 mit 8:1 knapp darüber liegt. Der Unterschied ist nicht riesig, aber im direkten Vergleich auch mit dem freien Auge sichtbar.

Anmerkung: Die Kontrastmessung erfolgt unter praxisnahen, standardisierten Bedingungen, sodass die Ergebnisse nicht direkt mit den ermittelten Maximalwerten früherer Tests vergleichbar sind.

Kontrastverhältnis ohne Beleuchtung (höher ist besser)

  • Kobo Aura H2O 8.98
  • Kindle Voyage 8.48
  • Bookeen Muse Frontlight 8.25
  • Kindle Paperwhite 2 8.0
  • Kobo Glo HD 7.99
  • Kindle Paperwhite 3 7.61
  • Tolino Vision 2 7.48
  • PocketBook Touch Lux 3 7.45
  • Tolino Vision 1 6.96

Von dem Umstand sollte man sich allerdings nicht abschrecken lassen, denn wenn man das integrierte Licht einschaltet, dann relativiert sich die Bildschirmdarstellung sehr schnell: Auch beim neuen Kindle Paperwhite wird der Hintergrund dann deutlich heller, während der Schwarzton gewohnt dunkel bleibt.

Das resultiert darin, dass das Kontrastverhältnis mit Beleuchtung mit 9,33:1 sogar ein wenig besser ist als beim Vorgänger. Da man die Beleuchtung ohnehin auch tagsüber die meiste Zeit benutzt (so ist das zumindest bei mir), wiegt dieses Plus mehr als das zuvor genannte Minus (ohne Beleuchtung, siehe oben).

Kontrastverhältnis X:1, mit voller Helligkeit (höher ist besser)

  • Bookeen Muse Frontlight 10.78
  • Kindle Voyage 10.5
  • Kobo Aura H2O 10.0
  • PocketBook Touch Lux 3 9.54
  • Kindle Paperwhite 3 9.33
  • Kobo Glo HD 9.21
  • Kindle Paperwhite 2 9.0
  • Tolino Vision 2 7.4
  • Tolino Vision 1 6.5

Beleuchtungsqualität

Die Beleuchtungsqualität ist natürlich mindestens ebenso wichtig wie das Kontrastverhältnis und auch hier kann der Kindle Paperwhite 3 punkten. Das liegt mitunter daran, dass die Lichtträgerfolie noch weiter verbessert wurde.

Diese sitzt als dünne, quasi unsichtbare Plastikschicht direkt auf dem E-Ink Display und sorgt dafür, dass das Licht der vier im Rahmen sitzenden Leuchtdioden gleichmäßig über dem Bildschirm verteilt wird. Nachfolgend ein Vergleich von zwei Paperwhite 3 Geräten und dem Kobo Glo HD:

Der Kindle Paperwhite ist sehr gleichmäßig ausgeleuchtet, unabhängig von der Farbtemperatur (siehe unten). Im Vergleich zum Kobo Glo HD zeigen sich nur unwesentliche Unterschiede die im Alltag nicht ins Gewicht fallen

Im unteren Bereich des Displays ist dabei weiterhin eine geringe Schattenbildung zu erkennen, wie sie auch beim Vorgänger sichtbar ist. Diese stört den Lesebetrieb allerdings nicht und ist bei einer Vielzahl anderer eBook Reader ebenfalls in ähnlichem Ausmaß vorhanden.

Im Hauptanzeigebereich erweist sich die Beleuchtung jedenfalls als sehr gleichmäßig und sogar etwas besser als der ohnehin schon ausgezeichnete Vorgänger.

Das nachfolgende Vergleichsbild zeigt zwei Kindle Paperwhite 3 (links und mitte), sowie einen Paperwhite 2 (rechts) jeweils mit maximaler Helligkeitseinstellung. Anmerkung: Der mittlere Paperwhite 3 nutzt die alte Software (gleich wie am Vorgängermodell).

Deutlich sichtbar: Der alte Paperwhite leuchtet nicht so hell und ist ungleichmäßiger ausgeleuchtet. Die Farbtemperaturen der beiden Paperwhite 3 (links und mitte) unterscheiden sich deutlich voneinander

Wie bereits in unserem kurzen Vortest erwähnt, gibt’s auch beim Kindle Paperwhite 3 unterschiedliche Farbtemperaturen der Beleuchtung. Während unser von Amazon zur Verfügung gestelltes Testgerät eine eher kühle, leicht ins bläuliche gehende Beleuchtung besitzt, ist das regulär gekaufte Modell sichtbar wärmer, gelblicher ausgeleuchtet – ähnlich wie der im Foto abgebildete Vorgänger.

Einen Qualitätsunterschied zwischen den zwei Paperwhite 3 Geräten gibt’s nicht, d.h. in beiden Fällen erfolgt die Ausleuchtung gleichmäßig und ohne störende Farbverläufe. Auch der Kontrast ist identisch.

Hinweis: Solche Farbtemperaturunterschiede innerhalb einer Modellreihe gibt’s ausnahmslos bei allen Herstellern und sind üblichen Produktionsschwankungen bei den Leuchtdioden verschuldet. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die genutzten LEDs entsprechend miteinander abgeglichen und in einem Gerät nur solche mit gleicher Farbe verwendet werden.

Helligkeit

Nicht nur die Ausleuchtungsqualität ist so gut wie beim Vorgänger, auch die Helligkeitsregulierung punktet wieder mit einer ausgezeichneten Anpassbarkeit.

Hinweis: Die Helligkeitsanpassung geschieht nicht automatisch. Auf der Packung des Geräts (Stand: Juni 2015) hat sich ein Fehler eingeschlichen, mehr dazu hier.

Die maximale Einstellung liegt mit 115 cd/m² circa am gleichen Niveau wie beim Konkurrenten Kobo Glo HD (114 cd/m²) und sichtbar über der des Vorgängers (91 cd/m²). Besonders in gut ausgeleuchteten Umgebungen macht sich die hellere Beleuchtung bezahlt, denn damit kann man den Bildschirmhintergrund in vielen Situationen erhöhen und den Kontrast verbessern (siehe oben) bzw. die Ablesbarkeit erleichtern.

Auch bei der niedrigsten Einstellungsmöglichkeit kann Amazon überzeugen und erlaubt eine minimale Helligkeit von 0,2 cd/m². Selbst lichtempfindliche Personen werden bei solch niedriger Lichtintensität mit ziemlicher Sicherheit nicht geblendet. Noch dunkler und man würde Bildschirminhalte kaum noch erkennen.

Die Beleuchtung ist ausreichend hell, um auch in gut ausgeleuchteten Räumen eine sichtbare Verbesserung zu liefern

Wie auch bei den anderen beleuchteten Kindle Modellen kann man das Licht auch am Kindle Paperwhite 3 nicht vollständig deaktivieren. Einige Nutzer kritisieren das, im Praxisbetrieb ist dieser Umstand allerdings zu vernachlässigen: Auf Stufe 0 ist die Beleuchtung so schwach, dass man sie nur bei absoluter Dunkelheit sieht. Das hat übrigens auch einen guten Grund: So kann man den Kindle in Betrieb nehmen und die Beleuchtung regulieren, ohne die Nachttischlampe einschalten zu müssen um etwas zu erkennen (ein eigener Knopf um das integrierte Licht ein- oder auszuschalten fehlt bekanntlich).

Maximale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (höher ist besser)

  • Kindle Voyage 122
  • Kindle Paperwhite 3 115
  • Kobo Glo HD 114
  • Kobo Aura 112
  • PocketBook Touch Lux 3 111
  • Kobo Aura H2O 99
  • Kindle Paperwhite 2 91
  • PocketBook Sense 70
  • Icarus Illumina 2015 60
  • Tolino Vision 2 53
  • Tolino Shine 41

Minimale Bildschirmhelligkeit in cd/m² (niedriger ist besser)

  • Tolino Shine 2.4
  • PocketBook Sense 2.4
  • Tolino Vision 2 2.2
  • PocketBook Touch Lux 3 1.6
  • Kobo Glo HD 1.4
  • Kobo Aura H2O 1.2
  • Kobo Aura 1.2
  • Icarus Illumina 2015 0.7
  • Kindle Voyage 0.2
  • Kindle Paperwhite 2 0.2
  • Kindle Paperwhite 3 0.2

Touchscreen & Zwischenfazit

Die Bedienung des neuen Kindle Paperwhite erfolgt wie vom Vorgänger gewohnt über einen kapazitiven Touchscreen. Im Gegensatz zum teureren Voyage ist die Gehäusefront hier nicht plan.

Das ist letztendlich weder ein besonderer Nachteil, noch ein wichtiger Vorteil. In diesem Artikel haben wir uns die Unterschiede zwischen den beiden Bauformen genauer angesehen. Zusammenfassend kann man festhalten, dass es Geschmackssache ist, welche Optik man vorzieht.

Die Reaktionsfreudigkeit des Touchscreens ist wie von allen Amazon eBook Reader gewohnt ausgezeichnet und lässt keine Wünsche offen.

Unterm Strich präsentiert sich der Bildschirm des Kindle Paperwhite 3 ausgezeichnet. Die Schriftschärfe ist hervorragend, die Ausleuchtung auf einem noch höheren Niveau als beim Vorgänger und die Helligkeit lässt sich vernünfitg einstellen. Auch das Kontrastverhältnis kann unterm Strich trotz eines kleinen Tadels überzeugen und ist mit Beleuchtung besser als beim Vorgänger.

Lesen & Benutzerfreundlichkeit

Der Kindle Paperwhite 3 verfügt im Grunde über die gleiche Bedienoberfläche wie das Vorgängermodell, sowie Voyage und Basis-Kindle. Amazon gleicht die Softwares der unterschiedlichen Modelle seit geraumer Zeit ab. Als Kindle-Nutzer gibt’s beim neuen Gerät somit keine besonderen Überraschungen – alles ist an seinem gewohnten Platz.

Die Ersteinrichtung erfolgt dementsprechend einfach und mit der bekannten Routine: Einschalten, WLan-Passwort eingeben, loslegen. Sofern man den eBook Reader direkt bei Amazon.de bestellt hat, wird das Gerät nämlich mit dem Benutzerkonto verknüpft, sodass man die Zugangsdaten nicht extra eingeben muss.

Ist die Einrichtung erledigt, wird ein interaktiver Anleitungsmodus gestartet, der wichtige Funktionen des Paperwhite im Kurzdurchlauf erklärt und so auch absoluten Techniklaien die Nutzung schnell verständlich macht. Damit ist der Ersteinrichtungsprozess quasi perfekt und einige andere Hersteller dürfen sich hier weiterhin gerne eine Scheibe abschneiden (manche haben es glücklicherweise schon getan!).

Startbildschirm & Bibliothek

Wie vom Kindle-Betriebssystem gewohnt, fungiert der Startbildschirm gleichzeitig als Bibliothek. Bis zu acht Titel können in der Listenansicht und bis zu sechs eBooks in der Cover-Übersicht angezeigt werden. Bei der ersten Inbetriebnahme werden am Homescreen Buchempfehlungen angezeigt, die man im Gegensatz zur Tolino-Konkurrenz hier glücklicherweise auch ausblenden kann.

Einmal mit Werbung am Startbildschirm (links; Gerätepreis: 115 Euro; Stand Juli 2015), einmal mit normalem Bildschirmschoner ohne Werbung (rechts; Gerätepreis: 135 Euro)

Neu ist allerdings, dass Amazon den Kindle Paperwhite nun ebenfalls mit „Spezialangeboten“ verkauft. Hinter dieser Bezeichnung versteckt sich nichts anderes als ein Subventionierungsprogramm mit Werbung. Im Klartext: Amazon verkauft den eBook Reader günstiger, wenn man gewillt ist, am Stand-by-Bildschirm (d.h. wenn das Gerät ausgeschaltet ist) und am unteren Rand des Startbildschirms Werbung eingeblendet zu bekommen.

Ich persönliche empfinde die Werbung nicht als störend, insbesondere auch deshalb, da man im Lesebetrieb nichts davon zu sehen bekommt. Kauft man sich einen werbegestützten Kindle und erkennt irgendwann, dass die Werbeanzeigen doch störend sind, kann man diese für 20 Euro permanent deaktivieren lassen. Das ist der Aufpreis den man auch beim Kauf für die werbefreie Version des Geräts bezahlen müsste.

In einer schmalen Leiste am unteren Bildschirmrand des Startbildschirms wird Werbung eingeblendet, wenn man sich für die günstigere Version entscheidet. Werbefrei geht’s ab 135 Euro los (Stand: Juli 2015).

Zurück zur Bibliothek: eBooks können wie gewohnt nach Datum, Titel, Autor oder Sammlung sortiert werden. Inhalte kann man zudem auch unkompliziert und mit wenigen Klicks aus der Cloud herunterladen. Beim 3G-Modell (kostet 60 Euro mehr) braucht man dafür nicht einmal eine WLan-Verbindung. Stattdessen funktioniert das Ganze über ein Mobilfunknetz – ohne zusätzliche laufende Kosten für den Nutzer.

Lesebetrieb

Hat man ein eBook gefunden, öffnet man es mit einem einfachen Antippen. Umblättern kann man entweder mit einem Wischen über’s Display oder mit einem Tippen auf den Bildschirm. Beides funktioniert schnell und zuverlässig.

Wie gewohnt kann man die Textgröße in acht Stufen, sowie Zeilenhöhe und Randabstände in jeweils drei Stufen anpassen. Es stehen zudem zwischen sechs und sieben Schriftarten zur Auswahl, um das Aussehen des Textes zu verändern. Die neue Schriftart „Bookerly“ ist (noch) nicht bei jedem eBook verfügbar (Juli 2015). Amazon arbeitet allerdings an einer Konvertierung des gesamten eBook-Bestandes.

Amazon demonstriert die Verbesserungen in einer Grafik:

Die neue Schriftart Bookerly wurde hervorragend angepasst, Amazon zeigt den Gestaltungsprozess und die Änderungen in dieser Grafik. Bildquelle und Copyright: Amazon.de

Der neue Kindle Paperwhite verfügt aber nicht einfach nur über eine neue Schriftart, sondern über eine völlig neue Software zur Anzeige des Textes. Damit besitzt das Gerät optimierte Zeichenabstände, Unterschneidung, Ligaturen und Initialenunterstützung, sowie die lange gewünschte Silbentrennung (nicht abschaltbar).

Damit wurde die Typographie des Paperwhite insgesamt deutlich aufgewertet. Und tatsächlich macht sich der Unterschied im Vergleich zum Vorgänger angenehm bemerkbar: Die Schriften sind feiner und der Textkörper homogener, was letztendlich dazu führt, dass die Ablesbarkeit angenehmer ist. Besonders größere Schrifteinstellungen profitieren von den Verbesserungen.

Neue Schriftart Bookerly, ansonsten bekannte Anpassungsoptionen

Lesezeichen, Notizen & Wörterbuch

Neben der Typographie wurde auch die Wörterbuch- und Notizfunktionalität verbessert. Das ist besonders löblich, da die Funktionen auch bisher schon gut nutzbar waren.

Tippt man einen kurzen Moment auf ein Wort, öffnet sich die Wörterbuchanzeige in einem kleinen Fenster. Zusätzlich gibt es ein Kontextmenü um direkt Markierungen und Notizen erstellen zu können bzw. die Buchstelle per Social-Media zu teilen oder im Buch, im Kindle Shop oder in allen Texten zu suchen.

Eingaben erfolgen mit Hilfe der virtuellen QWERTZ-Tastatur, die sehr schnell und genau reagiert.

  • Notiznehmung und Tastatur

Notizen werden automatisch in einer Text-Datei gespeichert und sind so später einfach weiterzuverarbeiten. Außerdem kann man die Notizen auf einer eigenen Webseite abrufen und bekommt so eine noch bessere Übersicht.

Die Lesezeichenfunktion ist wie bereits vom Vorgänger sehr clever umgesetzt und erlaubt dank der In-Bild-Anzeige (siehe Foto) ein schnelles Nachschlagen anderer Seiten, ohne tatsächlich umblättern zu müssen.

Es stehen wieder eine Reihe unterschiedlicher Wörterbücher bereit, wobei der Duden und das Oxford Dictionary of Englisch bereits vorinstalliert sind.

Verfügbare Wörterbücher einblenden

  • ABBYY Lingvo Comprehensive Russian-English Dictionary  – ABBYY
  • ABBYY Lingvo Большой Англо-Русский Словарь – ABBYY
  • ABBYY Lingvo Большой Толковый Словарь Русского – ABBYY
  • Dicionário Priberam da Língua Portuguesa  – Priberam
  • Dicionário Priberam de Inglês-Português  – Priberam
  • Dictionnaire Cordial – Synapse Développement
  • Duden Deutsches Universalwörterbuch – Duden
  • Groot woordenboek Engels-Nederlands (English-Dutch) – Van Dale
  • Groot woordenboek hedendaags Nederlands (Dutch Dictionary) – Van Dale
  • Groot woordenboek Nederlands-Engels (Dutch-English) – Van Dale
  • The New Oxford American Dictionary – Oxford
  • Oxford Dictionary of English – Oxford
  • Oxford English – German Dictionary – Oxford University Press
  • Oxford English – Spanish Dictionary – Oxford University Press
  • Oxford German – English Dictionary – Oxford University Press
  • Oxford Hachette English – French Dictionary – Synapse Développement
  • Oxford Hachette French – English Dictionary – Synapse Développement
  • Oxford Spanish – English Dictionary – Oxford University Press
  • Priberam’s Portuguese-English Dictionary – Priberam
  • el Diccionario de la lengua española – Real Academia Española
  • lo Zingarelli Vocabolario della Lingua Italian – Lo Zingarelli
  • Progressive Japanese-English Dictionary (プログレッシブ和英中辞典第3版) – Shogakukan
  • 大辞泉 (Daijisen Japanese Dictionary) – Shogakukan
  • Progressive English-Japanese Dictionary(プログレッシブ英和中辞典) – Shogakukan
  • A Modern Chinese-English Dictionary (现代汉英词典) – FLTRP
  • 现代汉语词典 (Xian Dai Han Yu Ci Dian) – Commercial Press
  • Modern English- Chinese Dictionary (现代英汉词典) – FLTRP

Zusätzlich steht außerdem die Online-Übersetzung von Microsoft Bing zur Verfügung, die nochmal zahlreiche Übersetzungsoptionen bietet. Ein weiterer Vorteil des Online-Dienstes ist zudem die Möglichkeit, nicht nur einzelne Wörter, sondern ganze Textabschnitte übersetzen zu lassen. Eine solch maschinelle Übersetzung ist natürlich fehlerbehaftet, liefert im Normalfall aber dennoch gute Anhaltspunkte zum Textverständnis, wenn es irgendwo Unklarheiten gibt.

  • Wird ein Wort im Wörterbuch nicht gefunden, schlagt der Paperwhite automatisch bei Wikipedia nach - sehr praktisch! (WLan oder 3G Verbindung vorausgesetzt)

Auch Erklärungen von Wikipedia lassen sich wahlweise direkt im kleinen Fenster einblenden. Umgeschaltet werden die Anzeigen mit einem einfachen Wischen.

PDF-Anzeige

Die PDF-Anzeige gehört bekanntlich nicht zu den Prioritäten von Amazon & Co., ist aber beim neuen Kindle Paperwhite dennoch ganz ordentlich ausgefallen. Abgesehen von der bekannten Zoom-Möglichkeit per Pinch-To-Zoom-Geste (mit zwei Fingern vergrößern und verkleinern) kann man außerdem wieder den automatischen Spaltenmodus nutzen.

Mit einem Doppeltippen wird der gewünschte Bildausschnitt vergrößert und kann mit einem Wischen einfach weitergeschaltet werden. Die Vergrößerungsstufe und die Auswahl des Ausschnitts erfolgt automatisch. Erstaunlicherweise klappt das unterm Strich sehr gut, wenngleich es gelegentlich auch zu unbeabsichtigten Zoom-Wechseln kommt, z.B. wenn die Fußzeile als eigene Textspalte erkannt wird.

Der schnelle Prozessor (1 GHz) und der ausreichend große Arbeitsspeicher von 512 MB RAM sorgen dafür, dass die Navigation von PDF-Dateien sehr gut funktioniert. Die Performance ist auch bei großen Dateien grundsätzlich gut, wenngleich bei bildlastigen Dateien ab 70 MB in unserem Test schon deutliche Verzögerungen zwischen Eingabe und Reaktion zu bemerken waren. Fairerweise muss man allerdings dazu sagen, dass dies auch für die allermeisten Mitbewerber gilt.

Einen besonderen Vorteil bietet im Zusammenhang mit der PDF-Anzeige das hochauflösende Retina-Display mit 300 ppi. Dank der hohen Pixeldichte können PDF-Dateien im DIN A4 Format sogar in der Originalgröße relativ problemlos gelesen werden. Das ist zwar aufgrund der winzigen Textgröße nicht besonders komfortabel, klappt aber dennoch erstaunlich gut. Mit Hilfe des Querformatmodus und der einfachen Pinch-To-Zoom-Mechanik lassen sich auch großformatige PDF-Dateien letztendlich gut lesen – so gut es am kleinen 6 Zoll Bildschirm eben geht.

Sonstiges

Neben den üblichen Grundfunktionen bietet Amazon auch beim Kindle Paperwhite 3 wieder nützliche erweiterte Funktionen.

Dazu gehört u.a. der Internet-Browser, der sich zwar auch Jahre nach der offiziellen Freischaltung weiterhin im Beta-Stadium befindet, aber grundsätzlich sehr gut funktioniert.  Er lädt Webseiten schnell und in den allermeisten Fällen fehlerfrei und besitzt einen praktischen Artikelmodus, mit dem der Haupttext einer Seite extrahiert und ohne das umgebende Homepagedesign angezeigt werden kann.

Der Internetbrowser funktioniert schnell und zuverlässig

Neben dem Browser stehen außerdem wieder der Vokabeltrainer und die Kindersicherung zur Verfügung

Vokabeltrainer & Word Wise

Eine gut funktionierende Wörterbuchfunktion gehört mittlerweile zum guten Ton eines eBook Readers. Immerhin erlaubt das digitale Lesegerät es damit, auch fremdsprachige Texte zu lesen, wenn man die Sprache nicht 100%ig beherrscht. Da liegt es eigentlich nahe, dass man zusätzlich zur Wörterbuchfunktion auch einen Vokabeltrainer einbaut, der die nachgeschlagenen Wörter zur späteren Durchsicht abspeichert.

Umso verwunderlicher ist es, dann außer Amazon kein anderer Hersteller eine solche Funktion bietet. Der Kindle Paperwhite 3 macht da im Amazon Sortiment natürlich keine Ausnahme und ermöglicht ebenso wie die anderen aktuellen Modelle die Verwendung des Vokabeltrainers.

Die nachgeschlagenen Wörter werden im Vokabeltrainer gesammelt – wenn man will

Eine genaue Funktionsbeschreibung findest du in diesem Artikel. Zusammenfassend kann man festhalten, dass es sich um eine ausgesprochen nützliche Funktion handelt – sofern man fremdsprachige Texte liest.

Zusätzlich zum normalen Wörterbuch und zur Vokabelfunktion gibt’s seit geraumer Zeit auch „Word Wise“. Ist diese Funktion aktiviert, werden möglicherweise unverständliche englischsprachige Wörter automatisch im Text eingeblendet. Dafür wird die Zeilenhöhe bei Bedarf automatisch angepasst.

Aktuell ist die Funktion nur bei ausgewählten eBooks in englischer Sprache verfügbar. In Aktion sieht das Ganze so aus:

Word Wise in Aktion

Kindle FreeTime & Konto-Verknüpfung

Eine weitere Funktion die man bei der Amazn-Konkurrenz vergeblich sucht, ist die Kindersicherung. Diese nennt sich hier Kindle FreeTime und ist speziell für Eltern mit Kindern entwickelt worden. Damit lassen sich bestimmte Funktionen sperren (Browser, Kindle-Shop, Cloud-Zugang), sowie Statistiken aufzeichnen, um den Lesefortschritt zu verfolgen.

Vor nicht allzu langer Zeit neu hinzugekommen ist außerdem die Möglichkeit zwei Amazon-Konten eines Haushalts miteinander zu verknüpfen. Damit ist es möglich eBooks zu teilen und doppelte Käufe bzw. mühsames Dateikopieren per USB zu vermeiden.

eBook-Kauf

Der eBook-Kauf gestaltet sich wie von Kindle gewohnt sehr einfach, was auch der Adobe-Abstinenz zu verdanken ist. Amazon nutzt ein eigenes Kopierschutzsystem, von dem man als Otto-Normal-Verbraucher im Regelfall nichts mitbekommt. Es ist keine externe Registrierung notwendigung, sodass man nach der Inbetriebnahme des Geräts einfach loslegen kann.

Übersichtlicher eBook Shop

Der eBook-Kauf wird dabei über das verknüpfte Amazon-Konto vorgenommen und klappt mit einem Klick. Sollte man ein Buch unabsichtlich erworben haben, kann man es auch retournieren – zu oft sollte man das allerdings nicht machen, denn das könnte als Missbrauch interpretiert werden.

Das eBook-Angebot des Versandriesen ist wie gewohnt sehr groß, wobei besonders die Selbstpublikationsplattform ein wichtiger Teil des Kindle-Systems ist. Dort können unabhängige Autoren ihre Werke veröffentlichen, die für den Endkunden dann oftmals deutlich günstiger sind. Allerdings schwankt naturgemäß auch die Qualität stärker.

Ein Nachteil ist natürlich die bekannte Geschlossenheit des Kindle-Ökosystems, die dafür sorgt, das man eBooks im Grunde nur bei Amazon kaufen kann. Dank der Buchpreisbindung ist das für Kunden preislich aber kein Nachteil (ein und das selbe eBook kostet überall gleich viel). Erst wenn man den eReader-Hersteller wechseln möchte, wird das potentiell zum Problem, da man die bereits erworbenen eBooks unter Umständen nicht ohne weiteres am neuen Gerät lesen kann.

Fazit

Die zweite (weiterhin erhältliche) Generation des Kindle Paperwhite gehört zu den erfolgreichsten eBook Readern überhaupt. Das Gerät kann auch heute noch mit hervorragenden Kontrastwerten und der homogenen Beleuchtung überzeugen.

Nach mehr als eineinhalb Jahren am Markt hat die Konkurrenz jedoch langsam aber sicher aufgeschlossen, weshalb Amazon wieder in die Trickkiste greifen musste. Herausgekommen ist der Kindle Paperwhite 3, mit neuem Display, neuer Typographie und einigen Detailverbesserungen.

Nachdem Kobo mit dem Glo HD bereits den gleichen Schritt getan hat, war die Aufwertung des Displays auch für den Paperwhite logisch. Der scharfe Bildschirm mit einer Pixeldichte von 300 ppi sorgt nicht nur theoretisch für ein angenehmeres Lesen, sondern auch im praktischen Alltag für einen tollen Lesekomfort.

Aber nicht nur die Technik ist dafür ausschlaggebend, sondern auch die Render-Engine. Besonders erfreulich ist außerdem, dass Amazon die Beleuchtungsqualität im Vergleich zum Vorgänger in den wichtigsten Bereichen weiter verbessern konnte. Als besonderer Mehrwert sind zudem die vielen cleveren Detaillösungen und erweiterten Funktionen (u.a. Wörterbuch inkl. Online-Übersetzung, Vokabeltrainer, Word Wise, XRay, Kindersicherung, usw.) zu nennen.

Die Paperwhite-Neuauflage gehört zu den besten eReadern am Markt

Fasst man all diese Dinge zusammen, wird schnell klar, dass es sich am neuen Paperwhite besser liest, als auf jedem bisherigen Kindle zuvor.

Ob sich der Wechsel auch für bestehende Paperwhite 2 besitzer auszahlt, schauen wir uns u.a. in diesem Artikel an.

Unterm Strich kann sich der neue Kindle Paperwhite mit 1,3 wieder eine hervorragende Note holen und zählt damit zu den besten Geräten am Markt. Zwar hat die Konkurrenz technisch mittlerweile aufgeholt, der niedrige Preis sorgt aber dafür, dass der eBook Reader im 300 ppi Segment das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Fazit: Hier kann man ebenso unbesorgt zugreifen wie beim Vorgänger!

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