Tolino Media auf Erfolgskurs, übertrifft Erwartungen

9. Juli 2015
Lesezeit: 3:03 Min.
Tolino Media auf Erfolgskurs, übertrifft Erwartungen

Vor einigen Monaten wurde aus dem eBook-Lieferanten Pubbles Tolino-Media. Damals hieß es, dass man unter anderem auch im Ausland als Teil des Tolino-Systems erkannt werden möchte, was in Anbetracht der laufenden Expansion durchaus nachvollziehbar war. Allerdings war das nur die halbe Wahrheit, denn kurz danach wurde bekannt, dass man unter dem neuen Label eine Selbstpublikationsplattform an den Start bringen möchte, die dem Branchenführer Kindle Direct Publishing von Amazon Konkurrenz machen sollte.

Das einzig wirklich überraschende an dem Schritt war, dass die Tolino-Partner diesen nicht schon früher gewagt haben. Immerhin hat Amazon gezeigt, dass es nicht nur von den Schreibern Nachfrage nach einer unkomplizierten Veröffentlichung ihrer Werke gibt, sondern ganz offensichtlich auch die Leserschaft Interesse an den Geschichten hat: Die Kindle Charts werden im Großen und Ganzen von Selfpublisher-Titeln dominiert.

Nun ist Tolino Media seit Ende April offiziell am Start und bietet Indie-Autoren die Möglichkeit ihre Werke auch dort zu veröffentlichen und über die Tolino-Partnershops anzubieten.

Selfpublisher mit Tolino Media Rückenwind

Gestern hat ein Blick auf die zehn meistverkauften Digitaltitel bei eBook.de bereits angedeutet, dass die Plattform auf Erfolgskurs ist, denn auf Platz 1 der Charts liegt ein eBook im Eigenverlag, das über Tolino Media vertrieben wird.

eBook.de ist im Vergleich zum Branchenprimus Amazon zwar deutlich kleiner, dennoch ist das Signal nicht zu übersehen: Neben dem Versandriesen könnte in Kürze eine zweite wichtige Selbstpublikationsplattform den (deutschen) Markt aufmischen. Besonders auch deshalb, da die Tolino-Shops (Thalia, Weltbild, Hugendubel & Co.) zusammen einen Marktanteil von rund 50 Prozent haben.

Und tatsächlich scheinen die Zeichen gut zu stehen, denn wie Buchmarkt berichtet, hat Tolino Media die eigenen Erwartungen übertroffen. In den vergangenen neun Wochen haben über 400 Autoren mehr als 1.000 eBooks hochgeladen. Daneben arbeitet man außerdem daran, Exklusivdeals mit Autoren auszuhandeln, um das Angebot noch attraktiver zu machen – ein Schritt der sicherlich auch darauf abzielt dem Amazon-Gegenstück Wasser abzugraben.

Im Herbst will man bereits die vorab versprochene Print-Verknüpfung starten: Ausgewählte Werke sollen nach Absprache mit den Verfassern ihren Weg in den stationären Tolino-Handel finden.

Möglicher Wandel in Deutschland

Auch wenn der Hauptkonkurrent Amazon die Nase insbesondere bei fremdsprachigen, selbstpublizierten Titeln weit vorne hat (über 900.000 eBooks) und auch beim deutschsprachigen Angebot mit über 60.000 Titeln weit mehr bietet, könnte sich das Blatt in Deutschland schnell wenden.

Bereits der Start der Tolino-Allianz im Jahr 2013 hat eindrucksvoll gezeigt, dass gut vernetzte Alternativen von den Kunden gerne angenommen werden. Man darf davon ausgehen, dass es bei Tolino Media nicht anders sein wird, zumal die Tolino-Marke mittlerweile den allermeisten Digitallesern und Interessenten ein Begriff sein dürfte.

Ganz ohne Tücken ist die Nutzung einer weiteren Selbstpublikationsplattform für Autoren aber nicht, denn bei Amazon fordert das KDP-Select-Programm eine Exklusivität der angebotenen Titel. D.h. eBooks die auch über die Kindle Leihbücherei und Kindle Unlimited angeboten werden sollen, dürfen sonst nirgendwo verkauft werden.

Zuletzt geriet der Verleihservice von Amazon aber immer wieder in Kritik, zuerst weil die Ausschüttung für Autoren mit dem Start von Kindle Unlimited (trotz größerem Topf) niedriger wurde und zuletzt weil Amazon zukünftig nur noch nach gelesenen Seiten bezahlen möchte. Zu diesem Schritt sah sich Amazon gezwungen, da viele Geschichten immer kürzer bzw. auch auf mehrere Teile aufgesplittet wurden.

Es wird einerseits interessant sein zu sehen, wie Amazon auf den neuen Mitbewerber im Selbstpublikationsbereich reagiert und andererseits wie Tolino Media in Zukunft weiter verfahren wird. Immerhin bietet die Plattform zunächst nur bis Anfang 2016 die aktuellen Konditionen von 70 Prozent Gewinnbeteiligung. Was danach geplant ist, bleibt offen und wird wohl davon abhängen, wie sich das Angebot in den kommenden Monaten entwickelt.

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