Lieferengpässe beim neuen Kindle Oasis

4. Mai 2016
Lesezeit: 3:45 Min.
Lieferengpässe beim neuen Kindle Oasis

Ein eBook Reader für fast 300 Euro? Verrückt, oder? Das haben sich offensichtlich viele Digitalleser gedacht, als das Geheimnis um den Kindle Oasis gelüftet wurde. Die Preisdiskussionen wurden nämlich überall im Internet sehr hitzig geführt.

So verrückt ist der Preis aber eigentlich nicht, wenn man den erhöhten Entwicklungsaufwand beachtet, der den ersten eReadern (die ebenfalls so viel gekostet haben) kaum nachstehen dürfte. Im ausführlichen Testbericht habe ich diesen Aspekt genauer beleuchtet. Aber unabhängig von solchen Rechenübungen scheint der Preis für den Absatz des jüngsten Kindle Modells, allen Unkenrufen zum Trotz, kein nennenswertes Hindernis darzustellen. Tatsächlich entpuppt sich der Oasis dem ersten Anschein nach als überraschender Verkaufsschlager.

Der hohe Preis ist kein Hindernis

Kurz nach der Vorstellung sind die Lieferdaten bereits vom 27. April (dem offiziellen Erscheinungstermin) um wenige Tage weiter nach hinten gerückt. Damals konnte man durchaus den Eindruck der künstlichen Verknappung gewinnen, was den „Will-Haben-Effekt“ bei so manchem Interessenten vielleicht noch verstärkt. Mittlerweile kann aber keine Rede mehr davon sein, denn die Verfügbarkeitsdaten sind inszwischen so weit nach hinten gerückt, dass es der Nachfrage schaden könnte.

Anstatt nur wenige Tage auf den Kindle Oasis zu warten, müssen sich Käufer nach der Bestellung teilweise bis Juli gedulden. Die rote Farbvariante Bordeaux“ wird voraussichtlich erst ab 19. Juli wieder erhältlich sein. Früher kann man mit der braunen „Walnuss“-Version (21. Juni) und der schwarzen Ausführung (13. Juni) rechnen.

Einzig das schwarze 3G-Modell ist aktuell sofort verfügbar, kostet mit 350 Euro aufgrund der Mobilfunkverbindung aber rund 60 Euro mehr als die WiFi-Variante.

Die Verfügbarkeit ist nicht nur in Deutschland eingeschränkt, sondern in allen Ländern gleichermaßen. Amazon verschickt den Kindle Oasis aus verschiedenen europäischen Lagern – mein Gerät kam beispielsweise aus Frankreich. Ein anderes eines Forenmitglieds kam aus Spanien. Es sieht fast so aus, als ob Amazon die Anzahl der Vorbestellungen zunächst unterschätzt und die Geräte deshalb aus unterschiedlichen Ländern angeliefert hat.

Dazu würde auch passen, dass einige Vorbestellungen offenbar weiter nach hinten gerückt sind, wie z.B. ein erboster britischer Rezensent berichtet.

Kein Umtauschmarathon zu erwarten

Das bringt uns auch gleich zum nächsten Punkt: Nicht nur die Verfügbarkeit neuer Geräte ist eingeschränkt, auch auf Austauschgeräte muss dem Vernehmen nach teilweise länger als üblich gewartet werden.

Einige Käufer berichten, dass deren Geräte ungleichmäßig ausgeleuchtet sind und wollen diese natürlich gegen fehlerfreie Varianten austauschen. Nachdem ein paar ALLESebook-Besucher den Oasis-Testbericht kritisiert haben, weil dieser Umstand nicht erwähnt wurde, habe ich entsprechende Meldungen auf den verschiedenen Amazon-Seiten und auch in einschlägigen internationalen Foren gezielt weiter verfolgt.

Nach mehreren Tagen komme ich mittlerweile zum Schluss, dass von großen Qualitätsproblemen, wie andernorts berichtet, nicht die Rede sein kann. Stattdessen scheinen sich unter den ersten Vorbestellungen eben auch ein paar defekte Ausreißer zu befinden, wie sich das bei globalen Produktstarts kaum vermeiden lässt. Auch noch prominentere (und teurere) Geräte wie z.B. iPhones bleiben von solchen Dingen bekanntlich nicht verschont.

Mittlerweile sind die Negativmeldungen zum Display mehr oder weniger verebbt und die Austauschgeräte die verschickt wurden (und deren Empfänger ihre Rezensionen nachgebessert haben), scheinen in Hinblick auf den Bildschirm ebenso unauffällig zu sein wie meine beiden Testgeräte. Ein Umtauschmarathon dürfte dem Kindle Oasis, auf Basis der bisherigen Meldungen, wegen des Displays damit offenbar nicht bevorstehen.

Kundenlob für Innovationen, Kritik am Preis

Abgesehen von diesen Ausreißern scheint die Kundenzufriedenheit generell hoch zu sein. Viele Kunden loben mit dem niedrigen Gewicht und den asymmetrisch platzierten Blättertasten zwei der Hauptverkaufsargumente des Oasis. Auch die besonders gleichmäßige Displaybeleuchtung wird häufig positiv erwähnt. Aufgrund genau dieser Merkmale ist der jüngste Kindle Neuzugang für mich auf jeden Fall eine der besten und innovativsten Neuvorstellungen der letzten Jahre, sowohl haptisch als auch in Hinblick auf den Bildschirm.

Als größten Kritkpunkt muss sich der Oasis aber trotz der leeren Lager den hohen Preis gefallen lassen. Darauf beziehen sich auch die meisten der negativen Rezensionen.

Am Ende des Tages muss sich jeder Interessant selbst entscheiden, ob er den Gewichts- und Größenvorteil des Kindle Oasis im wahrsten Sinne des Wortes erkaufen möchte. Aufgrund der z.T. sehr viel niedrigeren Preise, lohnt sich nämlich weiterhin der Blick zu anderen 6 Zöllern, wie z.B. dem Kindle Paperwhite, der im Test ebenfalls eine hervorragende Figur gemacht hat.

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