Kindle Oasis offiziell vorgestellt: Alle Details und Informationen

19. April 2016
Lesezeit: 7:09 Min.
Kindle Oasis offiziell vorgestellt: Alle Details und Informationen

Vor einer Woche hat Jeff Bezos mit einer Twitter-Meldung überrascht, wonach Amazon diese Woche einen neuen Kindle der achten Generation vorstellen würde. Zwischen dem Tweet und der heutigen offiziellen Vorstellung lagen mehrere Leaks, die nicht nur den Namen des Modells preisgegeben haben, sondern auch die allermeisten Spezifikationen.

Nun war es endlich so weit und Amazon hat das Gerät wie erwartet präsentiert, sodass wir uns die vollständigen Spezifikationen ohne weitere Spekulationen ansehen können.

Der neue eBook Reader hört auf den Namen Kindle Oasis (Deutsch: „Oase“). Es handelt sich somit nicht um einen direkten Nachfolger für den Kindle Voyage, sondern um eine neue Modelllinie. Und das sieht man auch auf den ersten Blick.

Neues Design für beste Handhabung

Nach langer Zeit des Einheitsbreis bei eReader-Designs traut sich Amazon das 6 Zoll Segment mit einer neuen Bauform zu bereichern. Nach dem Motto „form follows function“ wurde das Gehäuse asymmetrisch entworfen, sodass man es besonders bequem in einer Hand halten kann, denn die Angriffsfläche neben einer Seite des Displays ist deutlich breiter als die andere.

Dabei ist es ganz egal ob man Rechts- oder Linkshänder ist. Der Kindle Oasis besitzt Lagesensoren, die erkennen, wenn das Gerät um 180 Grad gedreht wurde und stellen die Benutzeroberfläche automatisch entsprechend um. Neben dem Display befinden sich zwei Blättertasten, die im Gegensatz zum Voyage nicht mehr druckemfpindlich sind, sondern normale Druckknöpfe.

Auf den ersten Blick sieht es zwar nicht so aus, allerdings ist der Oasis tatsächlich der bisher kompakteste beleuchtete 6 Zöller von Amazon. Die Maße betragen 143 x 122 x 3.4-8.5 mm, womit das Gerät sichtbar niedriger und flacher ist, als ein Kindle Paperwhite oder Vorage. Mit 122 mm Breite ist der neue eReader geringfügig breiter als die beiden anderen Leuichtmodelle (117 mm und 115 mm).

Besonders interessant ist die zweiteilig flache Bauform des Geräts die auch einen unmittelbaren haptischen Nutzen hat. Etwa ein Drittel des Kindle Oasis ist 8,5 mm tief, sodass man auf der breiteren Seite einen guten Griff bekommt. Etwa zwei Drittel sind weniger als halb so dick – an der dünnsten Stelle misst das Lesegerät nur 3,4 mm.

Weltmeister im Leichtgewicht

Kindle Oasis von oben

Aber ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Die nachfolgende Profilaufnahme des Oasis zeigt die neue Bauform. Ich habe bereits im Vorfeld sowohl hier auf ALLESebook, als auch auf vielen anderen Seiten im Internet gelesen, dass das Design von so manchem als wenig ansprechend empfunden wird. Über Geschmäcker lässt sich bekanntlich zwar nicht streiten, was den Nutzenfaktor angeht, bin ich aber davon überzeugt, dass der Kindle Oasis das bisher beste Amazon-Modell ist.

Asymmetrische Bauformen gibt es auch bei anderen Herstellern, allerdings nur in größeren Displaysegmenten. Dort haben sich ähnliche Designs bereits vielfach bewährt, sodass es eigentlich sogar verwunderlich ist, dass diese Umsetzung erst so spät zu den 6 Zöllern vordringt.

Damit bewegt sich der eReader-Markt offensichtlich langsam wieder weg vom Tablet-Einheitsdesign, das mit dem Start des Apple iPad Einzug gehalten hat. Sehr erfreulich.

Eine weitere Änderung bringt das Gewicht: Der Kindle Oasis bringt nur unglaublich niedrige 131 Gramm (3G Version: 133 Gramm) auf die Waage. Damit ist es der mit Abstand leichteste beleuchtete 6 Zoll eReader überhaupt. Das neue Modell löst damit den bisherigen Spitzenreiter PocketBook Sense (155 Gramm) ab.

Wie viele sicherlich wissen, lege ich bereits seit langer Zeit großen Wert auf ein niedriges Gewicht bei eReader. Das spiegeln alle Testberichte hier auf ALLESebook wider. Auch wenn das so manchem Nutzer nicht so wichtig zu sein scheint wie mir, so habe ich jedenfalls keinen Zweifel, dass sich das neue Federgewicht sehr positiv auf die Handhabung auswirken wird.

Es ist sogar doppelt vorteilhaft, denn der Schwerpunkt des Geräts liegt auf der Seite mit der man es hält. Das bedeutet, dass das gefühlte Gewicht im Vergleich zu eReader wo der Schwerpunkt mittig liegt, noch geringer erscheinen wird.

E-Ink mit 300 ppi und 10 LEDs

Eine Spekulation die ich im Vorfeld getätigt habe, habe ich relativ früh wieder verworfen: Nachdem bekannt wurde, dass der Kindle Oasis (unter dem Codenamen „Whiskey“) in der Firmware 5.7.3.1 des Kindle Paperwhite auftaucht, war relativ schnell klar, dass doch keines der lange erwarteten Liquavista Displays zum Einsatz kommt.

Somit nutzt auch der Oasis wieder die gute alte E-Ink Carta Anzeigetechnik, wobei der eReader eine spezielles, verwindungssteifes Backplate nutzt. Das erklärt nicht nur die enorme Gewichtsersparnis, sondern sorgt auch dafür sorgen, dass der Bildschirm relativ bruchresistent ist (nicht bruchfest).

Die Auflösung des 6 Zoll Displays beträgt 300 ppi. Damit ist die Schrift wie schon bei den beiden Schwestermodellen Kindle Paperwhite und Voyage wieder gestochen scharf.

Besonders erfreulich ist, dass Amazon auch die Beleuchtung weiterentwickelt hat. Im Oasis kommen 10 LEDs seitlich zum Einsatz um den Bildschirm gleichmäßig auszuleuchten. Im Kindle Paperwhite sind es 4 Stück, im Voyage 6 LEDs (unten). Man darf nun natürlich gespannt sein, ob die Erhöhung und neue Positionierung in der Praxis dafür sorgen werden, dass Lichtwolken, Schatten und Helligkeitsverläufe endgültig der Vergangenheit angehören.

Kein direkter Konkurrenzkampf im Premiumsegment

Dass Amazon kein größeren Display einsetzt, sorgt bei einigen Lesefreunden ohne Zweifel für Enttäuschung. Schon seit geraumer Zeit hoffen Kindle-Fans (und solche die es vielleicht noch werden wollen) auf eine größere Displaydiagonale im Bereich um 7 Zoll (oder sogar mehr). In diesem Segment hat Kobo mit dem Aura H2O weiterhin das mit großem Abstand beste Modell im Sortiment.

Es macht allerdings durchaus Sinn, dass sich Amazon bei der Weiterentwicklung des Kindle Portfolios verstärkt auf ganz besondere Alleinstellungsmerkmale konzentriert, denn damit grenzt man sich nicht nur besser von der Konkurrenz ab, sondern kann auch die eigene Produktpalette besser differenzieren.

Dementsprechend verzichtet Amazon auch auf ein wasserdichtes Gehäuse, wie es die Konkurrenz von Kobo, Tolino und Barnes & Noble einsetzt.

Hoher Preis, immer inklusive Hülle

Bei der Preisgestaltung orientiert sich der Kindle Oasis am bisherigen Spitzenmodell Voyage. Wie bereits im Vorfeld erwartet, kostet das neue Modell mit mindestens 289,99 Euro mehr als die anderen Kindle-Modelle. Für die 3G-Version sind 60 Euro Aufpreis zu bezahlen (349,99 Euro).

Die Hülle ist an die Form des Oasis angepasst

Im Gegenzug erhält man nicht nur den 6 Zöller mit dem ungewöhnlichsten Design, sondern (aktuell) auch immer die passende Lederhülle dazu.

Dabei handelt es sich nicht um ein einfaches Schutzcover, sondern um eine Hülle mit zusätzlichen Nutzwert. Diese wird mit Hilfe von 12 Magneten sicher am Gerät fixiert und lädt den Kindle Oasis dank eingebautem Akku auch unterwegs auf. Laut Amazon sind dadurch nicht nur mehrwöchige Laufzeiten möglich, sondern sogar mehrmonatige.

Optik und Design der Hülle sind dabei mindestens ebenso spannend wie beim Oasis selbst: Die Hülle passt sich rückseitig der Form des eReader an, sodass das geschwungene Profil ausgeglichen wird (siehe Bild).

Die Ladehülle mit Leder-Front gibts in drei Farben

Das Gewicht des eReaders inklusive Hülle gibt Amazon mit 238 Gramm (bzw. 3G: 240 Gramm) an. Das ist zwar nicht mehr so rekordverdächtig wie die 131 Gramm ohne Cover, aber geht in Kombination von Hülle und eReader auf jeden Fall in Ordnung.

Zum Vergleich: Selbst die leichteste Kindle Paperwhite Hülle die ich getestet habe, bringt 88 Gramm auf die Waage. Ergibt in Kombination mit dem Paperwhite 300 Gramm.

Fazit

Der Kindle Oasis schafft etwas, das dem Voyage nicht so eindrucksvoll geglückt ist: Er differenziert sich durch die ungewohnte Bauform von allen anderen am Markt befindlichen 6 Zöllern. Die Änderung trifft ohne Zweifel nicht jedermanns Geschmack, aber der höhere Nutzwert ist für das Gros der Nutzer in meinen Augen auf jeden Fall gegeben.

Die mehrmonatige Akkulaufzeit die mit Hilfe der Schutzhülle erreicht wird, empfinde ich wiederum eher als netten Bonus, denn Probleme mit der Laufzeit hatten Kindle-Modelle eigentlich ohnehin nie. Tatsächlich gehören die eBook Reader von Amazon zu den besten am Markt was den Stromhunger und die Standby-Laufzeit angeht. Insofern ist es aber nur konsequent, dass Amazon das ohnehin schon Gute noch weiter verbessert hat.

Erfreulich ist zudem der Fokus der auf die Verbesserung der Beleuchtung gelegt wurde. Die 10 LEDs sollen für eine noch gleichmäßigere Ausleuchtung sorgen.

Letztendlich wird der Erfolg von der praktischen Umsetzung abhängen: Wenn der Kindle Oasis das liefert was die technischen Daten versprechen, dann werden die Interessenten auch bereit sein den höheren Preis zu bezahlen.

Der Testbericht folgt sobald mein Testgerät eintrifft – dann wissen wir mehr.

Kindle Oasis bei Amazon.de

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